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Der Anti-Student

Als er mit 19 von München nach Berlin zog um Schriftsteller zu werden, waren die (Selbst-)Zweifel groß. Vier Jahre später veröffentlichte Benedict Wells (24) seinen Debütroman »Becks letzter Sommer«. Und zeigt, dass man auch ohne Studium erfolgreich sein kann. Ein Portrait.

Von Johann Haber und Cora-Mae Gregorschewski (Foto)

Ben Wells_Ewige Ehemalige

Wer schreiben will, muss leiden. Benedict Wells im Hausflur seiner alten Wohnung – »eine absolute Bruchbude«, wie er selbst sagt.


Benedict Wells macht einen unauffälligen Eindruck. Er ist schmal, höflich, sogar herzlich. Kleidet sich nicht exzentrisch, hat gepflegt-ungepflegtes Haar und einen leichten Einschlag von bayerischer Mundart. Er wirkt eigentlich wie ein ganz gewöhnlicher Student.

Seltsam, dass er, obwohl früher mehrere Semester pro forma an der FU eingeschrieben, partout keiner sein will. »Das letzte mal als ich richtig in einer Vorlesung war, habe ich einen Freund begleitet, BWL war das, glaube ich.« Dort ist ihm erneut klar geworden, warum der Student Benedict Wells nie mehr als eine Karteileiche war. »Ich mag es einfach nicht, wenn einer so da oben steht und daherredet, ohne auf mich einzugehen. Ich habe grundsätzlich ein Problem mit Autorität.« Das klingt nach einer billigen und selbstgerechten Pose, aber im Gespräch wird klar, dass dies nicht zutrifft. Es ist weniger eine Kritik, als ein Eingeständnis, nicht in die Universität zu passen. Die Hauptvorwürfe an die Reformen des Bildungssystems, am Fokus auf das schnelle Studieren, dem erhöhten Druck und der Stromlinienförmigkeit der Ausbildung teilt er dennoch.

»Ein grundsätzliches Problem mit Autorität«

Schon in der Schule verlief seine Karriere darum unregelmäßig: Drei verschiedene Internate besuchte er, bevor er nach dem Abitur nach Berlin zog, um seinen ersten Roman zu schreiben: »Becks letzter Sommer«, voriges Jahr bei Diogenes erschienen. Umso erstaunlicher, dass dieser ausgerechnet eine Lehrer-Schüler-Beziehung zum Thema hat, wenn auch eine auf gleicher Augenhöhe. Als bildungspolitisches Programm betrachtet er seinen Erstling aber nicht.   Auch sonst springen keine Berührungspunkte ins Auge – Wells ist keineswegs ein so abgeklärter Zyniker wie seine Hauptfigur Beck, was erklären mag, warum der manchmal etwas klischeehaft erscheint. »Becks letzter Sommer« ist kein großer Wurf, aber handwerklich so souverän, dass man sich von Wells noch einiges erhoffen kann.

Statt des Studiums arbeitete er einige Zeit als Redakteur bei »Menschen bei Maischberger«. Hinter den Kulissen habe es von Zynikern gewimmelt, so dass es einiger Anstrengung bedurfte, nicht selber einer zu werden. Trotzdem arbeitete er gerne mit ihnen zusammen. Ausgestiegen ist er, als es zuviel wurde: tagsüber den Lebensunterhalt zu verdienen, und sich parallel in seiner Wohnung – »eine absolute Bruchbude« – die Nächte beim Schreiben um die Ohren zu schlagen.

Nach Barcelona: »Leben«

Als wichtige Lebenserfahrung betrachtet er diese Zeit, vor allem weil sie ihm einen Einblick ins Arbeitsleben brachte, der in seiner Zunft selten ist. »Einige Leute fragen mich jetzt auch, ob es mir gefällt, der Schriftstellerszene anzugehören. Aber erstens tue ich das nicht und zweitens würde mir das nicht gefallen. Ich mag Szenen grundsätzlich nicht.« Einige Dinge heben ihn ab vom Bild, das man von einem typischen Feuilletonliebling hat – seine unironische Bewunderung für SciFi-Blockbuster wie »The Matrix« beispielsweise. »Ich habe auch vor, einen Fantasy-Roman zu schreiben.«  Vorerst erscheint demnächst ein weiteres Buch, »in dem ich auch mal sagen will, dass es keine Schande ist, wenn das Studium nichts für einen ist.«  Danach plant er, zu reisen und ein Jahr in Barcelona zu leben. Was er da machen will? »Leben. Das habe ich in den letzten paar Jahren viel zu wenig getan.«


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