Der empörte Student

Der empörte Student

Der FU-Student ist in der Regel empört. Aber wie empört man sich rich­tig? Die Empö­rung über die erste Aus­gabe von FURIOS hat es vorgemacht!

Die Empö­rung kam post­wen­dend. Noch wäh­rend dem Ver­tei­len der ers­ten Aus­gabe auf dem Cam­pus warf man uns »Unver­schämt­heit und Lüge!« vor und drohte, wie sich das für eine ordent­li­che Empö­rung gehört, mit »Konsequenzen!«.

Da es sich bei den Empör­ten um AStA-Vertreter han­delte, dach­ten wir zuerst, ihre Empö­rung habe mit einem Arti­kel zu tun, in dem wir behaup­tet hat­ten, ihre »Deutsch­land muss sterben«-Gesänge seien antiquiert.

Ein Blog­ger [der seine Tätig­keit mitt­ler­weile ein­ge­stellt hat] klärte uns dann aber auf, für »den größ­ten Auf­schrei unter der lin­ken, politisch-aktiven, asta-nahen Stu­die­ren­den­schaft« habe nicht die­ser AStA-kritische Arti­kel gesorgt, son­dern ein Bei­trag über Chris­ten an der FU sowie das Por­trät eines Anti-68ers, einem alten Mann namens Hans Eber­hard Zahn.

Und in der Tat ent­brannte in die­sem Blog eine empörte Dis­kus­sion darüber, wel­cher der Arti­kel nun das »aller­letzte« sei. »Rudi« plä­dierte für den alten Mann, der einer »fei­gen Denun­zi­an­ten­bande« ange­hört habe, deren Gesin­nungs­ge­nosse noch immer das FU-Präsidium beein­flus­sen würden. »Den­nis« hin­ge­gen meinte, »das aller­letzte« sei ja wohl der Arti­kel über die Chris­ten gewe­sen. Was da »zwi­schen den Zei­len an reak­tio­nä­rem, ver­nunfts– und wis­sen­schafts­feind­li­chem glau­bens­ge­du­sel« ver­zapft wor­den sei, sei »dem 21. jahr­hun­dert alles andere als würdig«, meinte er empört. »Micha« wie­derum war der Ansicht, der Arti­kel über die »FU Chris­tIn­nen« habe nur »den zwei­ten platz in anstö­ßig­keits­er­zeu­gung« ver­dient. Der »Böse Zahn« habe sie alle geschlagen.

Ebenso inter­es­sant fan­den wir die Empö­rung über diese Empör­ru­brik. Man hätte den Platz nut­zen sol­len, um sich über wirk­lich Empö­ren­des zu empö­ren! »Statt­des­sen macht man sich in der FURIOS­Re­dak­tion eben lie­ber über Kom­mi­li­to­nIn­nen lus­tig, die … wirk­li­che Miß­stände empö­rend fin­den und diese Empö­rung zum Aus­druck brin­gen.« Über diese Arro­ganz, schloss der Blog­ger, könne man sich ärgern. Das »wirk­li­che Pro­blem« sei jedoch »eher« die dahin­ter lie­gende Inhalts­leere. Eine empö­rende Unter­stel­lung, fan­den wir.

Alles in allem war die Empö­rung über FURIOS aber sehr vor­bild­lich. Von inter­es­san­ten Wort­schöp­fun­gen (»jung-neostockkonservatives blatt­ge­döns«) bis zur Sorge um die Würde des 21. Jahr­hun­derts war alles für einen SPIEGEL-Leserbrief dabei.

Eine Kom­mi­li­to­nin schrieb uns dann noch, ob man sich hier wirk­lich über etwas auf­re­gen müsse, das gar nicht zutrifft. Gute Frage, fan­den wir. Wir hat­ten uns über Schließ­fä­cher empört, die nur Ein-Euro-Münzen schlu­cken würden. Was nicht stimmt. Trotz­dem fin­den wir: Ja. Ja, man sollte sich nur über Dinge empö­ren, die nicht zutref­fen! Die Empö­rung ist ein erfüllender Geis­tes­zu­stand. Man sollte sie nicht von rea­len Män­geln abhän­gig machen. Des­halb fan­den wir es ja auch ganz in Ord­nung, als sich her­aus­ge­stellt hatte, dass der Stu­dent, der uns unter­stellte, kalte Krie­ger zu sein, das Heft noch gar nicht gele­sen hatte. (red.)

Michi Schnei­der hat den empör­ten in Öl ver­ewigt.

1 Kommentar

  1. Wie könnt ihr es wagen, euch über unsere Empö­rung zu empö­ren? Ich bin empört!

    Comment von Alan Smithee — 6. Juli 2009, 18:27