Strahlend grün?

Die FU gilt als eine der ener­gie­ef­fi­zi­en­tes­ten Hoch­schu­len Deutsch­lands. Zu tun gibt es trotz­dem noch vieles. 

von Chris­tian Wöl­le­cke und Felix Moniac

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Leuch­ten­des Vor­bild in Sachen Umwelt­schutz? Die Rost­laube an der Habel­schwerd­ter Allee. Foto: Cora-Mae Gregorschewski

Sil­ber­laube, Mensa II, 12:17 Uhr. Stu­den­tin Pia steht unter Zeit­druck. Eilig hetzt sie zum Geträn­ke­au­to­ma­ten und nimmt sich zwei Papp­be­cher gegen die uner­träg­li­che Hitze ihres Tees. Im Semi­nar­raum rennt sie gegen eine Wand aus hei­ßer ver­brauch­ter Luft. »Ist das mie­fig hier! « Ganz Gent­le­man, kippt Peter die Fens­ter an, denn für ein opti­ma­les Raum­klima sor­gen nur geöff­nete Fens­ter und Hei­zungs­ther­mo­state. Spä­ter holt Klaus die bei­den zum Mit­tag­es­sen ab.

Peter ver­schwin­det noch schnell in die Toi­lette. Immer­hin, das Licht brennt schon. Drau­ßen hört er Pia lachen. Hek­tisch rupft er einen Knüll Papier aus dem Spen­der. In der Mensa tren­nen sich die Wege. Erst hin­ter den Kas­sen fin­det man wie­der zusam­men. Klaus gluckst: »Hier, ich hab Ser­vi­et­ten für euch mit­ge­bracht.« Wie aber staunt er, als sich auf allen drei Tabletts schon rie­sige Sta­pel türmen.

Wer begeht sie nicht, diese klei­nen ökolo­gi­schen All­tags­sün­den? Doch rech­net man den Ein­zel­fall hoch, wird das Aus­maß der Ver­schwen­dung deut­lich. Bei­spiel Papp­be­cher: Sie beste­hen aus Hart­pa­pier und sind in der Pro­duk­tion sehr ener­gie­in­ten­siv. Damit sie Was­ser abwei­sen, sind sie von innen zusätz­lich mit dem Kunst­stoff Poly­ethy­len beschich­tet. Dazu kommt der Plas­tik­de­ckel. Jähr­lich wer­den laut Stu­den­ten­werk circa 300.000 Papp­be­cher an der FU ver­braucht, 1,2 Mil­lio­nen sind es in Ber­lin ins­ge­samt – Müll, der sich nicht recy­celn lässt.

Bonus­pro­gramm für Sparer

Seit 2005 ist die FU nach der Umwelt­norm DIN EN ISO 14001 zer­ti­fi­ziert. Zunächst bezog sich diese auf die Gebäude der zen­tra­len Uni­ver­si­täts­ver­wal­tung, das Prä­si­dium und einige Fach­be­rei­che. Seit 2007 ist es die ganze Uni­ver­si­tät. Wich­tige Vor­aus­set­zung dafür war, dass Umwelt­teams in den Fach­be­rei­chen ein­ge­setzt wur­den. Sie über­wa­chen die Ein­hal­tung ökolo­gi­scher Stan­dards und unter­brei­ten Vor­schläge für wei­tere Ener­gie­ein­spa­run­gen. Schon jetzt konnte der Ener­gie­ver­brauch ins­ge­samt stark redu­ziert wer­den, wenn er auch in der EDV ange­stie­gen ist. Ein Bonus­pro­gramm soll wei­tere Spar­an­reize schaf­fen: Der Fach­be­reich, der sei­nen Ver­brauch unter die Vor­gabe der Uni­ver­si­täts­lei­tung senkt, erhält eine finan­zi­elle Prä­mie. Wer dar­über liegt, muss die Kos­ten sel­ber tra­gen. Ins­ge­samt ver­brauchte die Uni­ver­si­tät 2008 22,4% weni­ger Ener­gie als im Jahr 2000.  Eine »grüne Oase«, wie es das haus­ei­ge­nene Maga­zin »campus.leben« for­mu­liert hat, ist die FU den­noch nicht. Es gibt bis­lang keine kon­se­quente Müll­tren­nung, ledig­lich ein Kon­zept liegt vor, wel­ches ab Herbst 2009 umge­setzt wer­den soll. Auch die Gebäudei­so­lie­rung ist nicht über­all auf dem neu­es­ten Stand. Viele Bau­ten aus den 70er Jah­ren ent­spre­chen nicht mehr dem neu­es­ten Dämm­stan­dard. Erst ein Teil wurde bis­her reno­viert. Der Rest steht noch aus und ist für einen wei­ter­hin hohen Ener­gie­ver­brauch mitverantwortlich.

Pas­sive Studenten

Es gibt also Hand­lungs­be­darf. Zwei große stu­den­ti­sche Initia­ti­ven sor­gen bereits mit kon­kre­ten Maß­nah­men für mehr Umwelt­schutz. »Studieren-ohne-Kohle« sam­melte Unter­schrif­ten für Ökostrom an den Ber­li­ner Uni­ver­si­tä­ten. »Uni­So­lar« zielt auf eine Win-Win-Situation für Stu­den­ten, Uni­ver­si­tät und Umwelt: Betei­ligt man sich finan­zi­ell am Bau einer Photovoltaik-Anlage auf dem Cam­pus, erhält man laut Initia­to­ren einen Zins­satz von jähr­lich vier Pro­zent. Bei viel Son­nen­schein wären es gar sechs. Spe­zi­ell an der FU aktiv ist die »stu­den­ti­sche Uni­en­er­gie­ef­fi­zi­enz­gruppe«, her­vor­ge­gan­gen aus »Uni­So­lar«. Seit April prüft sie in der Poli­tik– und Rechts­wis­sen­schaft mög­li­che Energiesparmaßnahmen.

Ein Umwelt­re­fe­rat des AStA, wie an HU und TU, gibt es hin­ge­gen nicht. Im StuPa-Wahlkampf prä­sen­tier­ten sich nur die »Grüne Alter­na­tive« und die »Grüne Hoch­schul­gruppe« als Umwelt­lis­ten. Über die erste ist außer Tarn­lis­ten­ge­rüch­ten nichts zu erfah­ren. Letz­tere, erst kürz­lich zur stärks­ten Frak­tion im StuPa gewählt, arbei­tet mit dem Stu­den­ten­werk zusam­men und setzt sich im Qua­li­täts­zir­kel Mensa für regio­nale Zuta­ten ein, um lange Trans­port­wege zu ver­mei­den. Dass es dar­über hin­aus noch an Ideen fehlt, zeigt sich in ihrer pünkt­lich zum Semes­ter­be­ginn erschie­ne­nen Zei­tung. Gezielte Kri­tik am Umwelt­ge­ba­ren der FU sucht man dort ver­ge­bens. Ins­ge­samt ergibt sich ein ernüch­tern­des Bild: Das sonst übli­che stu­den­ti­sche Enga­ge­ment hält sich beim Thema Umwelt in Gren­zen. Dabei erklärt Andreas Wanke der Ener­gie­be­auf­tragte der FU: »Stu­den­ti­sche Betei­li­gung ist immer erwünscht.« Ver­wun­der­lich, dass sich der AStA noch nie bei ihm gemel­det hat.

Mehr Eigen­ver­ant­wor­tung

Gene­rell soll in Ein­füh­rungs­ver­an­stal­tun­gen zukünf­tig dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den, wie wich­tig stu­den­ti­sche Eigen­ver­ant­wort­lich­keit ist. Sie äußert sich bei­spiels­weise im Aus­schal­ten des Lichts nach Semi­na­rende oder des PCs bei Nicht­be­nut­zung. Wanke wünscht sich, dass dies von Stu­den­ten auch so kom­mu­ni­ziert werde.

Und Pia, Klaus und Peter? Die sit­zen mit Kaf­fee im Foyer, den sie dies­mal aus Kera­mik­tas­sen trin­ken. Was aber ökolo­gi­scher ist, die Tasse, die regel­mä­ßig gespült wer­den muss oder der umwelt­schäd­li­che Papp­be­cher, der natür­li­che Res­sour­cen ver­braucht, ist schwer zu ermit­teln. Zumin­dest aber das Licht in der Toi­lette lässt aus ökolo­gi­scher Per­spek­tive kei­nen Raum für Diskussionen.

1. Juni 2009, Campus, FURIOS 02

4 Kommentare

  1. Die Ein­rich­tung eines Umwelt­re­fe­ra­tes ist auf der letz­ten Stupa-Sitzung von der Grü­nen Hoch­schul­gruppe (GHG) bean­tragt worden.

    Warum es dann trotz­dem noch kein Refe­rat gibt?

    Der Sat­zungs­än­de­rungs­an­trag wurde von den meis­ten Asta tra­gen­den Lis­ten abge­lehnt.
    Grüne Ideen sind (auch an der FU) schon vor­han­den. Leute, die deren Umset­zung nicht für not­wen­dig erach­ten, jedoch auch…

    Comment von Silvana — 8. Juni 2009, 22:24

  2. Mit wel­cher Begrün­dung wurde der Sat­zungs­än­de­rungs­an­trag denn abgelehnt?

    Comment von Felix — 10. Juni 2009, 9:44

  3. […] Einen Bericht über das Umwelt­ma­nage­ment an der FU gibt es hier. […]

    Pingback von FURIOS Online - Die schönsten Umweltsünden — 10. Juni 2009, 17:14

  4. […] Strah­lend Grün? Im Umwelts­schutz gibt es noch eini­ges zu tun. For­schungs­fra­gen an das Dah­lem Brain Rezen­si­ons­re­por­tage: Stu­den­ten publizieren […]

    Pingback von FURIOS Online – FURIOS 02: Unternehmer — 7. Juni 2010, 5:42