Bildungsstreik-Light: Kritik an der Kritik

Der Anti­bil­dungs­streik rich­tete sich gegen den Bil­dungs­streik — dann kam der Anti-Antibildungsstreik. Wie viel „Anti“ ver­trägt so ein Streik eigentlich?

Die Bildungsstreikgegner posieren vor Karl Marx und Friedrich Engels.

Die Bil­dungs­streik­geg­ner posie­ren vor Karl Marx und Fried­rich Engels.

Text: Chris­tina Bau­er­meis­ter und Fanny Duelli

Fotos: Cora-Mae Gregorschewski

Die Gruppe am Bebel­platz wirkt klein, bei­nahe ein biss­chen ein­ge­schüch­tert. Unge­fähr 20 Demo-Teilnehmer haben sich vor der juris­ti­schen Fakul­tät der Humboldt-Universität (HU) ver­sam­melt. Sie kom­men von der Libe­ra­len Hoch­schul­gruppe, vom Ring Christ­lich Demo­kra­ti­scher Stu­den­ten (RCDS) sowie den Jun­gen Libe­ra­len (JuLis). Sie sind der Antibildungsstreik.

Light-Revolutionäre

Die Demo-Teilnehmer sind nicht ganz gegen den Bil­dungs­streik, sie tei­len viele der hoch­schul­po­li­ti­schen For­de­run­gen. Sie ver­tre­ten so etwas wie einen „Bildungsstreik-Light“. Aus­drück­lich wen­den sie sich aber gegen die Ver­mi­schung mit einer grund­sätz­li­chen Kapi­ta­lis­mus­kri­tik. „Die Akti­vis­ten beschrän­ken sich nicht nur auf Bil­dung, son­dern üben eine extrem mar­xis­tisch ange­hauchte Sys­tem­kri­tik aus. Die sind doch unglaub­wür­dig und wer­den nicht ernst genom­men.“, erklärt Manuel Kühn, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der LHG der HU seine Vor­be­halte. Der RCDS-Kollege, Chris­toph Diehn, kom­men­tiert die Streik­wo­che mit den Wor­ten: „Das ist doch jedes Mal wie­der nur Halli Galli und eine Spaß­ver­an­stal­tung“. Sei­ner Mei­nung nach sei inhalt­li­che Gre­mi­en­ar­beit und kon­se­quente Kom­mu­ni­ka­tion zwi­schen Stu­die­ren­den und den Ver­ant­wort­li­cher gewinn­brin­gen­der. Dar­über hin­aus for­dert das Anti-Streik-Ensemble einen ver­ant­wor­tungs­be­wuss­te­ren Umgang der Asten mit dem Geld der Studierenden.

Die Ver­ei­ni­gung der Demons­trie­ren­den lässt sich inzwi­schen vor den impo­san­ten Sta­tuen von Marx und Engels in Szene set­zen und fotografieren.

„Eure Armut kotzt uns an!“

Plötz­lich rückt laut­hals Ver­stär­kung für den Anti­bil­dungs­streik an. Eine Gruppe von 40 Stu­die­ren­den skan­diert: „Teil­nah­me­lis­ten, statt Bil­dungs­streik­fa­schis­ten!“, „Eure Armut kotzt uns an!“, „Geld für Ban­ken statt für Bil­dung“, „Stu­den­ten zur Kasse!“. Schnell stellt sich her­aus, die schein­ba­ren Unter­stüt­zer ent­pup­pen sich als Geg­ner der Anti-Bildungs-Streikenden. Sie iro­ni­sie­ren, par­odie­ren und kari­kie­ren die Bil­dungs­streik­geg­ner. Ein Anti-Antibildungsstreik – soviel dage­gen ist also tat­säch­lich möglich.

Der Anti-Bildungsstreik löst sich aus Pro­test auf

Die Poli­zei muss die bei­den Demons­tra­tio­nen tren­nen. Die Bil­dungs­strei­ker schli­chen sich aller­dings erneut zu den Bil­dungs­streik­geg­nern, wor­auf­hin Wolf Der­mann von der LHG an der FU diese zu bekeh­ren ver­suchte. „Wir sind gegen Stu­di­en­ge­büh­ren und für eine Vier­tel­pa­ri­tät in allen Gre­mien“. Argu­mente die­ser Art fan­den aller­dings kein Gehör. Letz­ten Endes löste die LHG-Vorsitzende der HU die Mini-Demonstration auf, um ein Zei­chen zu set­zen und den Anti-Anti-Streikenden das Feld zu überlassen.

17. Juni 2009, Bildungsstreik

1 Kommentar

  1. […] Aus­führ­li­cher Bericht zum Thema hier… 17. Juni 2009, Bil­dungs­streik, Politik […]

    Pingback von FURIOS Online - Bildungsstreik-Light: Die Bilder — 17. Juni 2009, 12:44