Ein Rudel Titten in Dahlem | FURIOS Online
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Ein Rudel Titten in Dahlem

Der erste Aktkalender mit Studentinnen der Freien Universität ist erschienen. Pikant: Das Studentenprojekt wird von der FU gefördert. FURIOS hat mit den Machern des „Semplaers“ gesprochen.

planer

Das Interview führte Nicolas Fuchs

Die Universitäten Bamberg, München, Clausthal, Bremen und viele weitere haben schon einen Aktkalender gemacht. Wieso jetzt auch einen an der Freien Universität?

Aus anderen Städten kommen ähnliche Ideen, allerdings werden dabei Studenten für Wandkalender fotografiert. Wir hingegen wollen ein Produkt, das wirklich einen Sinn erfüllt. Zum Beispiel findet man im Inhaltsverzeichnis des Semplaers nicht die Frauen, sondern die Orte an denen die Shootings stattfanden.

Ach kommt schon, wegen der Texte holt sich niemand den FU-Tittenkalender.

Doch, doch! Die Infoseiten am Schluss sollen ein Gleichgewicht bilden, sonst wäre uns das Projekt auch zu abgedroschen gewesen. Allerdings gingen vier der fünf Wochen Entstehungszeit für die Fotos drauf und nur eine für die Texte.

Wo habt ihr die Models für den Planer gefunden? Seid ihr losgegangen und habt einfach Frauen angequatscht?

Teilweise war es tatsächlich so. Wir haben aber auch Frauen aus unserem Bekanntenkreis gefragt und im Internet eine Anzeige geschaltet – das lief anfangs etwas schleppend, am Ende hatten wir 30 Anfragen und haben uns dann neun daraus ausgewählt.

Gab es denn auch Mal eine Ohrfeige, weil jemand eure Anfrage als Unverschämtheit empfand?

Richtig Ärger hat es nie gegeben. In einer E-mail wurden wir als Sexisten beschimpft, so ist es aber nicht, dafür sorgt auch die Frau im Team. Ansonsten kam eher ein höfliches „Nein“.

Was springt denn für die Frauen dabei raus?

Die Frauen bekamen ein professionelles Fotoshooting von echten Profis, sowas würde sonst 200-300 Euro kosten, da waren sie sehr zufrieden.

Die haben sich also umsonst nackig gemacht. Verdient ihr denn etwas?

Erst mal arbeiten wir kostendeckend, Gewinn haben wir bis jetzt noch keinen gemacht. Am Ende hoffen wir natürlich trotzdem drauf!

Welche Studentinnen ziehen sich denn besonders oft aus?

Dadurch, dass wir vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften kommen, haben wir drei oder vier Studentinnen der BWL dabei. Ansonsten haben wir uns aber bemüht Frauen von allen Universitäten, verschiedenen Studienfächern und aus unterschiedlichen Ländern zu gewinnen. Zwei kommen zum Beispiel aus Vietnam, ein Mädel ist aus Singapur, wir haben Wert darauf gelegt einen Mix zu schaffen.

Germany’s Next Topmodel wird ja häufig vorgeworfen ein falsches Körperideal zu transportieren. Wie sieht das bei euch aus?

Im Semplaer einfach die letzte Seite aufschlagen: Das Mädel aus Singapur ist auf jeden Fall nicht 90-60-90, sondern eher etwas fülliger. Sie hat ein wunderschönes Gesicht. Und darauf haben wir auch geachtet, es soll für jeden was dabei sein, es ist utopisch dass jeder so aussieht. Wir haben darauf geachtet, dass die Mädels das nicht professionell machen und haben auch keine großen Photoshop-Korrekturen vorgenommen. So sind die Frauen auch in echt.

Wird euer Kalender zu einer weiteren Einnahmequelle für Studentinnen?

Im Moment ist es noch so, dass uns die Leute einen Gefallen tun. Und uns dadurch beim Funpreneure-Wettbewerb der Gründerförderung „profund“ unterstützen. Wir geben ihnen mit den Fotos etwas zurück. In Zukunft soll der Semplaer professionell und regelmäßig jedes Semester erscheinen. Dann springt auch etwas für die Studentinnen dabei raus.

Kaufen euch eigentlich auch Frauen?

Nein.

Macht ihr für die dann einen Männerkalender?

Ist in Planung!

Wie sind die Reaktionen auf den Planer?

Auf jeden Fall kontrovers. Die Frauen finden das Produkt eigentlich toll, nur das Ausziehen passt ihnen nicht so. Und die Männer sind sich auch nicht einig. Ich glaube aber, dass diejenigen, die den Semplaer im Straßenverkauf ablehnen, abends ins Internet gehen, um ihn sich nach Hause zu bestellen.

Und ihr werdet dann auch in Vorlesungen sitzen und darin blättern?

Wir auf jeden Fall! Noch muss ich zugeben, kann man sich nur die Bilder anschauen und zum Nutzgegenstand wird er dann ab Oktober.

Was für ein Gefühl ist es sein eigenes Produkt in den Händen zu halten?

Das ist ein unglaubliches Gefühl. Man ist stolz auf sich selber, denn es gibt ja Phasen, da glaubt man nicht mehr daran, dass es klappt. Bei einem so großen Apparat an Menschen, die interagieren, läuft nie alles glatt und das ist das Spannende daran Unternehmer zu sein.

Wollt ihr Hugh Hefner und Larry Flint von Dahlem werden?

Wir haben jetzt bei Profund ein Büro beantragt und wollen demnächst eine Firma gründen. Es soll auch nicht beim Semplaer bleiben, wir haben da noch einige andere Ideen, zum Beispiel ein eigenes Label für Bademoden.

Die Website des Semplaers findet ihr unter: http://www.berliner-semesterkalender.de/

15 Kommentare

  • Daß der Interviewer sich nicht entblöden läßt, auch noch Werbung für diese sexistische Kackscheiße zu machen, spricht für sich. Die „Macher“ dieses Kalenders scheinen so dummdreist zu sein, daß sie nicht einmal merken, wie sie sich selbst in den Dreck reiten: Umunwunden die einzige Frau im Redaktionsteam als Alibifrau anführen („In einer E-mail wurden wir als Sexisten beschimpft, so ist es aber nicht, dafür sorgt auch die Frau im Team.“), um sich dann vor Sexismus gefeit darzustellen. Dazu der vielsagende Titel „Ein Rudel Titten in Dahlem“ – geht’s noch? Der selbsternannten unternehmerfreundlichen FURIOS ist wohl nichts zu schade, Hauptsache es wird gezeigt, wie „kreativ“ und „unkonventionell“ Studierende Geld machen können. Profund bedankt sich für die Schleichwerbung!

  • @Ronny: Deine Mutter!

  • ich finde es total widerlich, wie ihr Frauen instrumentalisiert und als sexobjekte benutzt, um eure BWL leistungscheine zu kriegen. Hauptsache Geldmachen egal auf welche Kosten! Das ist aber schon die Richtung der Furios und kann mensch von euch nicht weiteres erwarten als nur diese Konsumhaltung, was Menschen, in diesem Fall Frauen, zum Ware machen.
    Eckelig finde ich auch, wie ihr darauf wertlegt, durch „Mädels“ unterschiedlicher Länder „einen Mix zu schaffen“. Eurer sexistische und rassistische Blick auf migrantische Frauen reproduziert Verhältnisse, die Menschen erniedrigen und auf Körper reduzieren.
    Wie könnt ihr stolz drauf sein Menschenfeindlich zu sein?
    Respekt!

  • Unter der Überschrift „Ein Rudel Titten in Dahlem“ veröffentlichte das selbsternannte Campus-Magazin FURIOS am 23.06.2009 ein Interview „mit den Machern des ‚Semplaers’“, des „ersten Aktkalenders mit Studentinnen der Freien Universität“. Das Projekt werde „von der FU gefördert“, so FURIOS. Auf Nachfrage dementierte Elisabeth Busse (profund) diese Falschmeldung. Der „Aktkalender“ habe keine Mittel aus der FU-Gründungsförderung erhalten.

    Interviewer Nicolas Fuchs lässt es sich nicht nehmen, mit Kommentaren wie „Ach kommt schon, wegen der Texte holt sich niemand den FU-Tittenkalender“ seiner sexistischen Haltung Ausdruck zu verleihen. Kritik an dem Projekt wird nicht laut. Stattdessen bietet das Interview eine Plattform, um für den „Semplaer“ zu werben. Die „Macher“ des Kalenders, deren Namen ungenannt bleiben, sehen sich vor dem Vorwurf des Sexismus schon allein deswegen gefeit, weil „auch [eine] Frau im Team“ sei, die dafür sorge, dass es nie „richtig Ärger“ gäbe. Die Instrumentalisierung einer Alibi-Frau, um sich vom Sexismus-Vorwurf freizusprechen, fügt sich perfekt in die frauenfeindliche Logik der Interviewpartner, die an anderer Stelle abwertend von Frauen als „Mädels“ sprechen. Natürlich darf auch das „Exotische“ nicht fehlen, so „kommen zum Beispiel [zwei] aus Vietnam, ein Mädel ist aus Singapur, wir haben Wert darauf gelegt, einen Mix zu schaffen.“ Auch wenn „das Mädel aus Singapur […] auf jeden Fall nicht 90-60-90, sondern eher etwas fülliger“ sei.

    Ronny Matthes vom AStA-Schwulenreferat erklärt dazu: „Der sich selbst als ‚unternehmerfreundlich‘ bezeichnenden FURIOS ist es anscheinend egal, dass der vorgestellte ‚Aktkalender‘ ein sexistisches Männer-Machwerk ist. Hauptsache die Kreativität und Unkonventionalität der studentischen Unternehmensgründer treibt Blüten und schafft das schöne Gefühl, ’sein eigenes Produkt in den Händen zu halten‘. Dass dabei sexistische Stereotype und Argumentationsstrukturen transportiert werden, stört FURIOS wenig.“

  • Das Interview wurde mit Leon B.* als Vertreter der B., S., S. GbR (Herausgeber des Semplaers) geführt.

    Profund fördert den „Berliner Semplaer“ nicht finanziell. Allerdings nimmt dieses studentische Projekt im Rahmen des „Funpreneur“-Wettbewerbs von Profund teil. Dies ist nach Angaben von Profund mit einer immateriellen Unterstützung verbunden beispielsweise mit der Vermittlung von Paten aus der Wirtschaft. Der Artikel behauptet nichts anderes.

    Mit weiterer Kritik am Kalender bitte ich jeden sich direkt an die, nun bekannten, Unternehmer zu wenden.

    Nicolas Fuchs für FURIOS-Online

    * Namen auf Wunsch unseres Interviewpartners nachträglich entfernt.

  • Also Nicolas, ich denke nicht, dass es so leicht ist die Verantwortung für das, was ihr nun mal veröffentlicht habt, an die „Macher“ des Kalendars abzugeben.
    Dadurch, dass ihr gerade dieses Projekt zur Vorstellung ausgewählt, diesem sexistischen Projekt soviel Raum gebt und äußerst unkritische, ja sogar bestärkende Fragen stellt, seid ihr mitverantwortlich für das Ganze und nähert euch nebenbei dem Bild-Zeitungsniveau an. Falls es das Ziel der Furios ist Bild-Zeitungsniveau zu erreichen, dann kann ich nur schonmal gratulieren, denn ihr steht der Bild in nichts nach (das passende Publikum siehe „johnny“ hat sich wohl auch schon gefunden)! Schade und Scheisse nur, dass sich sowas gerade an der Uni wiederfinden muss!

  • @Nicolas Fuchs:

    1. Schön, dass Du auf die profund-Geschichte eingehst. Sollte Deine Info den Tatsachen entsprechen, ist die Meldung der FURIOS nichtsdestotrotz mindestens missverständlich. profund-Mitarbeiterin Elisabeth Busse zumindest (s.a. obenstehende AStA-Pressemitteilung vom 23.06.09) dementierte, dass eine Unterstützung des „Semplaers“ stattfinden würde.

    2. Inhaltliche Kritik allein an die „Aktkalender“-Macher weiterzutragen greift zu kurz. Schließlich zeichnest Du Dich für das Interview verantwortlich. Die Frage ist zum einen, warum Du Dich dafür entschieden hast, gerade diesen Interviewpartner zu wählen und zum anderen, warum Du den Umgangston gewählt hast, der fernab jeder Ironie sexistische Ausdrucks- und Argumentationsweisen bedient. Das diskriminierende und verletzende Potential von Sprache sollte nicht zuletzt „journalistisch“ tätigen Personen bekannt sein. Auf eine Stellungnahme zu den von mir im Namen des AStA erhobenen Vorwürfen bin ich gespannt, sofern Du planst, darauf einzugehen.

    Ronny vom Schwulenreferat des AStA FU

  • Liebes „Furios“-Team,

    Ich stoße gerade eher zufällig auf die Diskussion um dieses Akt-Interview.

    Ihr solltet Euch vielleicht ein wenig Gedanken machen, wofür Ihr Euren Namen hergebt. Denn daran hängt die Glaubwürdigkeit aller übrigen Veröffentlichungen.

    Auf die Vorwürfe von sexistischer Sprache, strukturellem Sexismus oder der Auswahl gerade dieses Themas sollte baldmöglichst eingegangen werden. Auch ich halte den Titel des Interviews wie die Sprache des Interviewenden gelinge gesagt für problematisch. Nicht jedoch zwangsläufig die Auswahl dieses Themas. Dabei ist einerseits tatsächlich fraglich, ob nicht (auch) andere „Unternehmens-Gründende“ (inhaltlich) Gewinn bringender hätten interviewt werden können. Andererseits ist die Behandlung des Themas als solches nicht zwangsläufig problematisch. Auch andere Zeitungen haben sich mit dem Thema „Akt-Studentinnen“ (so will ich es hier nur der Kürze halber nennen) schon beschäftigt. Die Frage ist, wie mit dem Thema umgegangen wird: Wird es problematisiert? Wird es als zumindest des Diskutierens notwendige Entwicklung im Hochschulalltag behandelt? Oder wird eher ersichtlich, daß der Autor/Interviewende sich mit diesem Thema verhoben hat – mithin, weil er selbst als „Journalist“ vielleicht noch etwas unerfahren ist?

    Das stellt nicht das sichtbare Bemühen seriöser Berichterstattung an anderen Stellen in Frage, doch wird durch das Vorliegende eben dieses Bemühen in öffentlichen Augen mit tangiert. Und es stellt auch nicht das Vorhaben in Frage, vielleicht mehr „(Lebens-) Kultur“ (was immer für solche gehalten wird) als „bloß Politik“ zum Gegenstand der „Furios“ zu machen. Fraglich ist, ob das Vorliegende von Inhalt und Form her diesen „kulturellen“ Anspruch zu erfüllen geeignet ist.

    Ich weiß, daß es durchaus Selbstkritik von „Furios“-Seite an manchen Beiträgen auch in der zweiten Druck-Ausgabe der „Furios“ gibt. Und daß Manches im Nachhinein gern etwas anders gemacht worden wäre (Beispiele: Das Interview mit Dieter Lenzen, die „Unternehmens“-Artikel). Ich weiß auch, daß es vehementer Anspruch mancher „Furios“-Aktiver ist, möglichst diejenigen zuerst zu fragen, über die bzw. bevor über sie geschrieben wird. Viele Übrige wissen das jedoch nicht. Und das Vorliegende bestätigt in manchen Augen unnötig Feindbilder, mit denen die „Furios“ – mithin nicht in jedem Fall, vielleicht nicht ein Mal in der Hauptsache zu Recht – verbunden wird.

    Schöne Grüße

    Mathias Bartelt

  • Ich finde es sehr lustig, dass unser ASTA die Furios rügt, gegen den Dessouskalender aber vorher nie etwas unternommen hat – wenn der doch ach so schlimm und frauenfeindlich ist. Die FURIOS gibt doch den Kalender garnicht heraus, sie berichtet nur – und das garnicht mal schlecht, denn die Macher des Semplaers kommen ja nicht wirklich gut bei weg! Grüße, Katinka

  • @Katinka: Auch der AStA FU tut sich nicht jeden Erguss studentischer Unternehmensinitiativen an. „Dessouskalender“ sind halt nicht der Lesestoff, der den Tag eines AStA-Menschen ausfüllt.

  • @Ronny: Ja stimmt *lach* den habt ihr „AStA-Menschen“ doch morgens schon durch. Und was dann? Hm, vielleicht studieren…hm…ach ne, dann lieber noch die FHM und die Praline lesen. „Man man, die geile Ische müsste auch mal wieder „ausgefüllt“ werden…hehe.“ – Dann noch ein paar halbgare Beschwerden auf Studentenkosten rausschicken und puuh, schon wieder einen Tag rumgebracht. Ich kandidiere nächstes Mal auch für den AStA, einfach echt paradiesisch dort.

  • Don’t feed the trolls!

  • weiß gar nicht, was ihr euch alle so aufregt- nur so kommen unsere komplexbehafteten jung-unternehmer zumindest optisch schon mal in kontakt mit dem weiblichen körper… lasst sie doch träumen!

  • Ganz ehrlich: Ich bezweifle, dass irgend eine Frau dazu gezwungen wurde sich ablichten zu lassen.
    Und wenn Frauen es freiwillig machen und zwar hier offensichtlich _nicht_ aus Geldnot, ja, dann sollen sie doch.
    Ich tät’s nicht. Aber wenn eine andere sich dadurch sexier oder sonstwas fühlt… ihr Ding.
    Zum Interview:
    Die gestellten Fragen sind meiner Meinung nach nicht uninteressant. Ich denk auch, dass sich der Interviewführer mit dem „Titten-Kommentar“ im Ton vergriffen hat, aber es wäre vermessen zu behaupten, der Großteil der Männer (auch studierter, intelligenter Kerle, wie ihr sie natürlich alle seid ;-P ) würde nicht so denken.
    Und jetzt flame-t mal schön weiter, viel Spaß!

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