Ein verdammt guter Torwart

Robo­ter der Freien Uni­ver­si­tät kämpf­ten sich bis fast an die Welt­spitze: Im Fuss­ball! Wir spra­chen mit der Informatik-Studentin Greta Hohl über Robo­ter, die sich ein­fach nicht auf­re­gen kön­nen – und Pro­gram­mie­rer, die explo­die­ren wie Chris­toph Daum.

Ver­gan­gene Woche fand in Graz der »Robo­Cup 2009″ statt, die Welt­meis­ter­schaft der Fuss­ball­ro­bo­ter. In der Kate­go­rie »men­schen­ähn­lich« spielte sich die »FUma­no­ids« der Freien Uni­ver­si­tät auf den 2. Platz! Greta Hohl stu­diert Infor­ma­tik im 10. Semes­ter und ist für das Spiel­ver­hal­ten der »FUma­no­ids« zustän­dig. Mit FURIOS sprach sie über gute Tak­tik, bit­tere Nie­der­la­gen, emo­tio­nale Trai­ner und gleich­gül­tige Roboter.

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Final­spiel in Graz: Unglaub­lich schnel­ler Tor­wart. — © TU Graz / Lunghammer

Das Inter­view führte Tin Fischer.

Eine 11:1-Niederlage im Final­spiel der Welt­meis­ter­schaft: Das ist das bit­terste, was man sich vor­stel­len kann. Ich meine: 11:1! Ihr fühlt euch bestimmt ziem­lich mies…

Nor­ma­ler­weise wäre das wohl der Fall. Hier aber über­haupt nicht, weil uns die Geg­ner [die »Darm­stadt Dribb­lers«] der­mas­sen über­le­gen waren, dass es eigent­lich für uns eine Ehre war, über­haupt gegen sie zu spie­len. Das ist ein Team, das seit fünf oder sechs Jah­ren dabei ist, mit 30 Per­so­nen am Werk. Wir hin­ge­gen haben erst die­ses Jahr eine Mann­schaft von 10–15 Leu­ten bil­den kön­nen. Inso­fern sind wir sehr schnell aufgestiegen!

Ich habe gele­sen, dass die Darm­städ­ter einen ver­dammt guten Tor­wart haben…

Ja, der ist unglaublich!

Ich ver­stehe nicht wirk­lich viel von Fuss­ball. Wie muss man sich einen sol­chen Tor­wart vorstellen?

Im All­ge­mei­nen ist das beim Robo­ter­fuss­ball so, dass sich der Tor­wart hin­fal­len lässt, wenn der Ball auf ihn zukommt. Einige haben auch die Mög­lich­keit, lang­sa­men Bäl­len ent­ge­gen zu gehen. Der Darm­städ­ter Tor­wart hat das alles unglaub­lich schnell gema­na­ged. War fähig raus zu kom­men, hat immer sehr intel­li­gent rea­giert. War sehr flott am Ball…

… aber ein Tor­wart macht noch nicht 11 Treffer!

Genau, aber: er hat den Ball abge­wehrt, ihn zur Seite raus geschmis­sen, sodass er an uns abge­prallt ist. Und dann waren die Feld­spie­ler flott am Ball und haben die Tore gekickt. Das war für uns ein Nach­teil, da wir recht aggres­siv nach vorne gespielt haben, zwar auch ganz gut durch­ge­kom­men sind, aber vom Tor­wart blo­ckiert wur­den. Und nach­her war unser Tor halt frei.

Mit der Sai­son seid ihr aber ins­ge­samt sehr zufrieden.

Ja, abso­lut. Das Halb­fi­nale war sehr knapp. Das lag aber auch teil­weise am Schieds­rich­ter. Es wurde viel gegen uns gepfiffen…

… ach komm, das sagen alle!

Na ja! Wir haben grad das Video noch­mals ange­kuckt. In zwei Fäl­len hätte uns ein Tor zuge­spro­chen wer­den müssen!

Wird man da emo­tio­nal, so wie im rich­ti­gen Fussball?

Oh ja, sogar noch stär­ker als im rich­ti­gen! Die Robo­ter kön­nen sich ja nicht auf­re­gen, die spie­len ein­fach wei­ter. Ich bin dann die letzte Per­son, die sich auf­re­gen und demons­trie­ren kann!

Du springst dann von der Bank auf wie Chris­toph Daum?

Ja! Hab ich auch gemacht in die­sem Spiel!

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Robo­cup­per der FU Ber­lin – Foto: David Krie­sel.

Ein ande­res Thema: Die Teams beim Robo­Cup kom­men von über­all auf der Welt. Spie­len chi­ne­si­sche und ame­ri­ka­ni­sche Robo­ter eigent­lich anders als deutsche?

Es ist eher anders herum: Die Mann­schaf­ten glei­chen sich Jahr für Jahr an, weil jeder neue Ideen ein­bringt und wenn eine Idee gut funk­tio­niert, über­neh­men das die Mann­schaf­ten gerne. Es gibt des­halb kei­nen Pla­gi­ats­vor­wurf. Es ist eher so, dass man sich von den ande­ren inspi­rie­ren lässt.

Wer­den inno­va­tive Kör­per­teile auch mal verboten?

Also wir hat­ten in die­sem Jahr so genannte Dop­pel­knie und hat­ten dadurch die Mög­lich­keit, die Knie nach hin­ten durch­zu­bie­gen. Das war nicht ver­bo­ten. Wir hat­ten dadurch den Vor­teil, sehr schnell rück­wärts lau­fen zu kön­nen. Für das nächste Jahr wurde das natür­lich gleich unter­sagt. Mit dem Argu­ment: „Unmensch­li­che Bewegung“.

Ein sehr huma­nis­ti­sches Urteil. Das bringt uns zu einem ande­ren wich­ti­gen Thema: Fair­play! Krie­gen Robo­ter eigent­lich auch rote Karten?

Der Robo­ter nicht. Aber wenn ein Robo­ter absicht­lich schupst oder mit sei­ner Schuss­be­we­gung gegen die Gelenke eines ande­ren schlägt, dann kann das Team schon eine gelbe Karte kriegen.

Ihr habt fair gespielt?

Wir haben fair gespielt. Es ist viel schö­ner, wenn die Robo­ter sich aus­wei­chen und ein schö­nes Spiel spie­len. Es ist unschön, wenn der Robo­t­hand­ler stän­dig aufs Spiel­feld ren­nen und zwei Robo­ter tren­nen muss, dass sie sich nicht gegen­sei­tig kaputt machen.

Euer Team gilt in Sachen Finan­zen nicht gerade als Real Madrid. Ihr seid ziem­lich spär­lich aus­ge­stat­tet. Wie steht es zur Zeit um die Finanzierung?

Das stimmt. Letz­tes Mal war es noch viel viel spär­li­cher. Wir hat­ten mit den Tei­len der alten Robo­ter die neuen gebaut und hat­ten kaum Geld zur Ver­fü­gung. Die­ses Jahr wur­den wir von AG-Geldern der Freien Uni­ver­si­tät unter­stützt. Wir konn­ten meh­rere Leute beschäf­ti­gen. Aber wir spa­ren an jedem ein­zel­nen Motor. Kei­ner wird getauscht solang er noch irgend­wie atmet und durchhält.

Mehr über die »FUma­no­ids« gibt es unter http://fumanoid.mi.fu-berlin.de/

Die Gruppe ist auch stets auf der Suche nach Sponsoren!

Die fuss­ball­spie­len­den Robo­ter um den Infor­ma­tik­pro­fes­sor Raúl Rojas sind auch Thema im Arti­kel «Die Unter­neh­mens­lus­ti­gen» in unse­rer aktu­el­len Ausgabe!

«Robo­Cup» gibt es natür­lich auch als Film:

9. Juli 2009, Campus

4 Kommentare

  1. Das Bild ist ueb­ri­gens das Spiel um Platz 3 zwi­schen Nim­bro und CIT Brains.

    Comment von Stefan — 17. Juli 2009, 13:46

  2. Das Final­spiel kann man sich übri­gens hier: http:///watch?v=YVlBLm-La2eU
    anschauen.

    Comment von go go FUmanoids! — 22. Juli 2009, 0:50

  3. oops, ich meine natür­lich http://www.youtube.com/watch?v=YVlBLm-LaeU

    Comment von go go FUmanoids! — 22. Juli 2009, 0:51

  4. […] – und als das heim­li­che Aus­hän­ge­schild der FU. Er hat mit ber­li­ne­risch beschränk­tem Bud­get Fuß­ball­ro­bo­ter ent­wi­ckelt, die an der Welt­spitze mit­spie­len, und arbei­tet an einem Auto, das sich selbst steuert. […]

    Pingback von FURIOS Online – +++ Aktuell: Raúl rennt: Informatiker Rojas bewirbt sich um FU-Präsidium +++ — 9. März 2010, 18:38