Das OSI von morgen

Nach drei­ein­halb Jah­ren fand wie­der ein Insti­tuts­tag am Otto-Suhr Insti­tut statt. Im Mit­tel­punkt stand die Frage: Wie soll es wei­ter­ge­hen mit der Poli­tik­wis­sen­schaft an der FU? Eine Nach­lese. Von Johanna Zidek.

Seminar vor dem besetzten OSI DSC_8842 Das OSI von hin­ten: Wäh­rend beim Bil­dungs­streik im Som­mer noch auf der Wiese debat­tiert wurde, konn­ten sich die Stu­die­rende beim Insti­tuts­tag ganz offi­zi­ell mit ihren Dozie­ren­den austauschen.

Foto: Cora-Mae Gregorschewski

Stu­die­rende, Leh­rende und Mit­ar­bei­ter hat­ten frei, die Lehr­ver­an­stal­tun­gen fie­len aus. Trotz­dem wurde gear­bei­tet an die­sem 13. Novem­ber in der Ihne­straße 21. Im Rah­men des Insti­tuts­ta­ges hatte alle Ange­hö­ri­gen des Otto-Suhr-Instituts für Poli­tik­wis­sen­schaft (OSI) genü­gend Zeit, um sich aus­zu­tau­schen, zu dis­ku­tie­ren und neue Per­spek­ti­ven zu erar­bei­ten. Zen­trale The­men waren dabei vor allem der Struk­tur­plan und die Lehre des OSI.

Wo sind wir? Und wo wol­len wir hin?

In den letz­ten zwölf Jah­ren hat es mas­sive Ver­än­de­run­gen in der Per­so­nal­struk­tur des OSI gege­ben. Dritt­mit­tel wur­den gekürzt, Stel­len abge­baut, vor allem der Grund­la­gen­be­reich hat stark dar­un­ter gelit­ten. Gleich­zei­tig wurde der Bereich Inter­na­tio­nale Bezie­hun­gen und Regio­nal­stu­dien immer wei­ter aus­ge­baut. Ent­wi­ckelt sich das OSI also zu einem IB-Institut auf Kos­ten der ide­en­ge­schicht­li­chen Lehre und For­schung? Im Mai 2008 wurde die seit lan­gem vakante W3-Professur für Poli­ti­sche Theo­rie und Ide­en­ge­schichte in eine Juni­or­pro­fes­sur umge­wan­delt. Gleich­zei­tig wur­den zwei neue W2-Professuren im Bereich Inter­na­tio­nale Bezie­hun­gen geschaf­fen. Der Son­der­for­schungs­be­reich Gover­nance wurde ver­län­gert. Es stellte sich damit die Frage: Schlu­cken die IB/Governance zuneh­mend den Grundlagenbereich?

Die Zukunft der Ide­en­ge­schichte bleibt ungewiss

Juni­or­pro­fes­su­ren sind auf maxi­mal 6 Jahre befris­tet und sehen wesent­lich gerin­gere Lehr­de­pu­tate vor als regu­läre Pro­fes­su­ren. Eine adäquate Lehre in der Theo­rie sehen viele Stu­die­rende durch die Abstu­fung gefähr­det. Die jet­zige Situa­tion wird dar­über hin­aus als „hoch­gra­dig pein­lich“ emp­fun­den: Dass Stu­die­rende des OSI zur TU fah­ren müs­sen, um in den Grund­la­gen der Poli­tik unter­rich­tet zu wer­den, lässt durch­aus auf eine Schief­lage in der Struk­tur­pla­nung schlie­ßen. Auf diese Wunde soll jedoch vor­erst zumin­dest ein Pflas­ter geklebt wer­den: Ab 2010 wird Klaus Roth wie­der am OSI sein und eine Gast­pro­fes­sur über zwei Jahre über­neh­men. Stu­die­rende wie Leh­rende bekun­de­ten zu die­ser Ent­schei­dung laut­stark ihren Bei­fall, nach­dem Roths erzwun­ge­ner Abgang im letz­ten Jahr einen Sturm der Ent­rüs­tung in der OSI-Studierendenschaft aus­ge­löst hatte.

Har­sche Kri­tik am Struk­tur­plan 2008

Doch nicht nur inhalt­lich, son­dern auch ver­fah­rens­tech­nisch ist der Struk­tur­plan von Mai 2008 umstrit­ten. Eine öffent­li­che Debatte unter Betei­li­gung von Stu­die­ren­den etwa hat nie statt­ge­fun­den. Laut Klaus Beck seien „Spei­se­kar­ten“ struk­tu­rier­ter als der Struk­tur­plan, der de facto auch nicht wie ange­ge­ben 13, son­dern nur 12 Pro­fes­su­ren beinhal­tet. Struk­tur­ent­schei­dun­gen müss­ten außer­dem in der Zukunft mehr an For­schung und Lehre statt an Per­so­nal­fra­gen ori­en­tiert sein. Vor allem der AStA hatte letz­tes Jahr bean­stan­det, dass die neuen Pro­fes­su­ren auf zwei Per­so­nen – Zür­cher und Cho­j­na­cki – zuge­schnit­ten seien. Zufrie­den­heit mit dem Struk­tur­plan sieht anders aus. Wäh­rend die stu­den­ti­sche Vor­be­rei­tungs­gruppe vor allem auf den Erhalt und Aus­bau des Grund­la­gen­be­reichs drängte, plä­dier­ten Leh­rende wie Hajo Funke und Bernd Lad­wig auf eine Mini­mum­stra­te­gie, wel­che eine „bein­harte“ Ver­tei­di­gung der 12 Pro­fes­su­ren vorsieht.

Wie geht’s nun weiter?

Ein all­ge­mei­nes Mei­nungs­bild, das am Ende der Sit­zung erho­ben wurde, zeigte einen gro­ßen Kon­sens für die Siche­rung des Grund­la­gen­be­reichs – ins­be­son­dere für eine Wie­der­ver­an­ke­rung der Ide­en­ge­schichte am OSI: Es müsse auf jeden Fall eine Voll­pro­fes­sur sein. Gegen­wär­tig schei­nen die Zei­chen jedoch wei­ter­hin auf Schwer­punkt­ver­la­ge­rung am OSI zu ste­hen, und zwar hin zu IB und Regio­nal­stu­dien. „Das ist Teil der Exzel­lenz­stra­te­gie der FU“, erklärte Tho­mas Risse, Pro­fes­sor für Inter­na­tio­nale Bezie­hun­gen am OSI, räumte aber gleich­zei­tig ein, dass das Fach „in gesam­ter Breite“ abge­bil­det wer­den müsse. Eine end­gül­tige Abwick­lung der Poli­ti­schen Theo­rie und Ide­en­ge­schichte nach Aus­lauf der Juni­or­pro­fes­sur ist jedoch zu befürch­ten – beun­ru­hi­gende Aus­sich­ten für das größte poli­tik­wis­sen­schaft­li­che Insti­tut in Deutschland.

25. November 2009, Politik

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