»Ein schwieriger Umstand«

Schau­spie­ler Max Rie­melt mimt in sei­nem neuen Film „13 Semes­ter“ einen Lang­zeit­stu­den­ten. In Zei­ten von Bache­lor und Bil­dungs­streik wirkt das wenig zeitgemäß.

©2009 Claussen + Wöbke + Putz Filmproduktion GmbH / Hessischer Rundfunk©2009 Claus­sen + Wöbke + Putz Film­pro­duk­tion GmbH / Hes­si­scher Rundfunk

Das Inter­view führte Lau­rence Thio

In „13 Semes­ter“ spielst Du Momo, einen Bum­mel­stu­den­ten, der die ers­ten Semes­ter nichts auf die Reihe kriegt. Wie hast Du dich dar­auf vorbereitet?

Wir haben uns zuerst zwei Wochen Zeit genom­men Gesprä­che zu füh­ren und Recher­chen zu machen, um uns dar­über zu ver­stän­di­gen, wie die Komö­die funk­tio­niert. Dann haben wir die Figu­ren sehr genau aus­ge­ar­bei­tet. Sonst würde die Komö­die platt wir­ken. Vor dem Film hatte ich ein etwas kli­schee­ar­ti­ges Bild eines Lang­zeit­stu­den­ten. Rein optisch habe ich mir eher so einen schlack­si­gen, lus­ti­gen Typen vor­ge­stellt. Ich selbst bin ja etwas kör­per­li­cher. Nach sei­nem Abi ist die Figur Momo total naiv und will ein­fach erst mal irgend­et­was machen. Spä­ter merkt er dann, dass er ein Stu­dium begon­nen hat, das ihn über­haupt nicht inter­es­siert. Manch­mal braucht es Zeit, bis man weiß, wer man ist. Eigent­lich eine ganz uni­ver­selle Bot­schaft, die der Film erzählt.

Meinst Du wirk­lich der deut­sche Stu­den­ten­film eta­bliert sich als Genre ähnlich wie der ame­ri­ka­ni­sche Collegefilm?

Ich finde es gut, dass wir in eine Nische gehen, die es so noch nicht in Deutsch­land gibt. Natür­lich lässt sich weit­aus mehr machen in die­sem Bereich. Hinzu kommt, dass unser Film sehr authen­tisch und ehr­lich ist und nicht ver­sucht über Slap­stick die Zuschauer hin­zu­rei­ßen, son­dern über All­tags­gags.

Es gibt heute kaum noch Stu­die­rende, die 13 Semes­ter stu­die­ren. Bache­lor­stu­den­ten het­zen in sechs Semes­tern durch die Uni, da bleibt nicht viel Zeit für Selbst­fin­dungs­trips. Jetzt mal ehr­lich, hältst Du den Film tat­säch­lich für authentisch?

Authen­tisch ist der Film trotz­dem, weil es ein Rück­blick auf die letz­ten sechs Jahre ist. Das könnte man zumin­dest behaup­ten. Ich weiß, dass die Situa­tion heute ganz anders ist und Stu­den­ten nicht ver­träumt ins Stu­dium star­ten, son­dern von Anfang an den Druck spü­ren. Das ist ein schwie­ri­ger Umstand für den Film, denn viele frus­trierte Stu­den­ten wer­den im Kino sit­zen und sagen „Ja, toll. Betrifft mich über­haupt nicht, kann ich mich nicht mit identifizieren.“

»13 Semes­ter« läuft am 7. Januar 2010 in den Kinos an. Trai­ler zum Film:

27. November 2009, Kultur

1 Kommentar

  1. […] aber mit der Gegen­wart nicht viel zu tun. Warum das so ist, habe ich für das Farb­film­blog notiert. Als ich Haupt­dar­stel­ler Max Rie­melt inter­viewte, fand am sel­ben Tag in Ber­lin die Groß­de­mons­tra­tion des Bil­dungs­streiks statt. In den Medien wurde […]

    Pingback von Laurence Thio » 13 Semester? Kein gutes Timing. — 29. Dezember 2009, 23:17