Koffeinkeule mit Szenequalität

Vom Sie­ges­zug der frän­ki­schen Punk-Brause Club Mate.

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Von Frauke Fent­loh — Foto: Cora-Mae Gre­gor­schew­ski

So rich­tig fit fühlt sich der Stu­dent eigent­lich nie. Vor­le­sun­gen vor zwölf sind ihm eine Zumu­tung, und ab zwei Uhr mit­tags könnte er auch schon wie­der den Heim­weg antre­ten. Unglück­lich nur, dass sich so im ruhm­rei­chen Bologna-Studium kein Blu­men­topf gewin­nen lässt. Des­halb ver­schreibt sich der Stu­dent in rauen Men­gen Tri­me­thy­lx­an­t­hin, kurz: Kof­fein. Rund 620 000 Becher Kaf­fee trei­ben an der FU jedes Jahr den Blut­druck in die Höhe. Hin und wie­der trinkt der Stu­dent auch Cola, doch die Tage, in denen Coke für Pop und Zeit­geist stand, lie­gen Licht­jahre zurück. Und das Großraumdisko-Image und der Plas­tik­ge­schmack von Red Bull sind am Cam­pus auch nicht ange­sagt. Viel­leicht des­halb hat sich seit eini­ger Zeit irgendwo zwi­schen Kaffee-Monotonie und Zucker­brause die Club Mate häus­lich ein­ge­rich­tet. Mit 20 mg Kof­fein pro 100 ml ent­hält der Eis­tee locker mal dop­pelt so viel Wach­ma­cher wie han­dels­üb­li­che Cola, ist aber nicht so süß und wirkt gemüt­lich unkom­mer­zi­ell. Vom Fla­schene­ti­kett lächelt eine fröh­li­che Süd­ame­ri­ka­ne­rin. Fast hat man das Gefühl, mit einem Schluck aus der Mate-Pulle eine gute Tat zu tun und es den Soft-Drink-Riesen mal rich­tig zu zei­gen. Die Mate: das Red Bull der Alternativen.

Wer auch nur gele­gent­lich einen Fuß in Ber­lins Trend­be­zirke setzt, kann sich der Halb­li­ter­do­sis Lebens­ge­fühl nicht erweh­ren. Stra­ßen, Parks und Clubs sind Mate-gepusht. Auch an der FU hat sie ihre Kli­en­tel gefun­den. Der Kon­su­ment, eher Psy­cho­lo­gie– oder Lite­ra­tur­stu­dent als BWLer, gefällt sich in geleb­ter Läs­sig­keit, mit der er seine Pulle locker schwen­kend durch die Sil­ber­laube trägt – zur Not auch mal vol­ler Lei­tungs­was­ser. Begon­nen hat die Erfolgs­ge­schichte der Mate aller­dings klamm­heim­lich in der Nerd­szene. Denn gerade wer den drin­gen­den Drang ver­spürt, 48 Stun­den lang sei­nem PC intel­li­gen­tes Ver­hal­ten bei­zu­brin­gen, kann ein klei­nes Koffein-Doping gut gebrau­chen. In Infor­ma­ti­ker­krei­sen hat Club Mate einen der­art ritu­el­len Cha­rak­ter, dass »500 Kis­ten Mate-Vorrat gesi­chert« neben »Netz­werk steht« die essen­ti­elle Mel­dung für den Start­schuss der LAN-Party ist. Pro­du­ziert wird die Hacker­brause im frän­ki­schen Münch­stein­ach von der Fami­li­en­braue­rei Loscher, die Club Mate ursprüng­lich unter dem gefäl­li­gen Namen »Sekt-Bronte« anbot. Dass die Quer­summe ihrer Post­leit­zahl die hei­lige Illuminati-Weltverschwörungszahl 23 ergibt, ist für die Nerds natür­lich ein geweih­tes Zeichen.

Auf der Welle der poli­tisch kor­rek­ten Limonade-Getränke schwappte Club Mate schließ­lich durch die Spät­shops der Sze­n­emi­lieus. Inzwi­schen braucht nie­mand mehr extra bei »Papa Loscher« (wie Hacker den Braue­rei­chef lie­be­voll nen­nen) durch­zu­klin­geln, um das Zeug anschlie­ßend selbst zu impor­tie­ren. Mitt­ler­weile gibt es sie im hand­li­chen Alcopop-Format in Clubs zu erwer­ben. Sogar Mate Cola berei­chert das Sor­ti­ment. Lei­der schmeckt die so, als hätte man auf der Party das Glas erwischt, in das alle rein­ge­ascht haben. Aber wach macht sie, keine Frage.

14. Dezember 2009, FURIOS 03, Heft

2 Kommentare

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