Die Überlebenskünstler

Die Not-my-president Initia­tive hatte ihr Ziel erreicht. Jetzt ist aus ihr eine Stupa-Liste gewor­den. Begeg­nung mit einer Initia­tive, die die eigene Idee über­dau­ert hat.

Wahl-Flyer der Not-My-President-Liste

Text: Hanno Haber und Chris­tian Güse

Es gibt kein Ent­kom­men. Sie sam­mel­ten Unter­schrif­ten, ver­teil­ten Flyer und stan­den sich die Füße in den Bauch. Am Ende jag­ten sie Len­zen indi­rekt vom Hof. Auf­trag erfüllt, könnte man mei­nen. Doch die Initia­tive hat ihren eige­nen Erfolg überlebt.

Und so ist das klaf­fendste Loch, das Len­zens halb-freiwilliger Abgang an der FU hin­ter­las­sen hat, wohl im Wahl­pro­gramm der Liste „Not my Pre­si­dent – Für eine demo­kra­ti­sche FU“ zu fin­den. Die aus der gleich­na­mi­gen Unter­schrif­ten­ak­tion her­vor­ge­gan­gene Liste behilft sich jedoch, indem sie flei­ßig in die­selbe Kerbe haut wie die große AStA-Mehrheit: Auf Fly­ern und in der eige­nen Zei­tung wer­den Bachelor-Studiengänge, auto­ri­täre Struk­tu­ren an der FU und man­gelnde stu­den­ti­sche Betei­li­gung an den Pran­ger gestellt. Damit endet die Einig­keit dann aber auch schon.

Denn im Klein­ge­druck­ten wird klar, dass die Liste auch mit dem AstA so ihre Pro­bleme hat. Dass man sich bei der Unter­schrif­ten­ak­tion man­gel­haft unter­stützt fühlte ist nur der Anfang. Feh­lende Trans­pa­renz und kaum Wer­bung für die auto­no­men Voll­ver­samm­lun­gen. Not my Pre­si­dent“ greift viele Vor­würfe auf, die man in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auch von eta­blier­ten Oppo­si­ti­ons­grup­pen gehört hat. Nicht über­ra­schend, denn auf der Liste sind vier Die Linke.SDS-Mitglieder, was bereits von anony­mer Seite zu der Behaup­tung geführt hat „Not my Pre­si­dent“ sei eine Tarnliste.

Die Vor­würfe sind aller­dings falsch. Immer­hin ist die Liste bereits seit Novem­ber in ande­rer Form aktiv und hat laut eige­nen Anga­ben über 2100 Unter­schrif­ten gegen Len­zen gesam­melt. Zum Ver­gleich: Zur letzt­jäh­ri­gen Wahl gin­gen etwa 3800 Stu­die­rende. Zudem gibt Not-my-president eine eigene Zei­tung her­aus, die pünkt­lich zur Wahl zum drit­ten Mal erscheint. Das ist dann doch mehr Auf­wand als all­ge­mein für Tarn­lis­ten betrie­ben wird.

Dar­über hin­aus hat man sich dem Usus der Koali­tion, aus Angst vor rechts­ra­di­ka­len Überg­rif­fen keine Bil­der zu ver­öf­fent­li­chen, nicht ange­schlos­sen. Auf ihren schwarz-weißen Fly­ern sieht man sofort, mit wem man es zu tun hat. Sarah Walz und acht wei­tere Mit­strei­ter lächeln einem selbst­be­wusst von klei­nen Fotos ent­ge­gen. Gemein­sam mit Mathias Bar­telt war es dann auch Sarah Walz, die in der Podi­ums­dis­kus­sion am Mon­tag zu den aggres­sivs­ten, aber auch sach­kun­digs­ten AstA-Kritikern gehörte. Kein Wun­der, denn bei ihr han­delt es sich nicht um ein unbe­schrie­be­nes Blatt. Es kan­di­diert näm­lich ein ehe­ma­li­ges Mit­glied einer AstA-nahen Liste. Eine Los­ge­sagte also, mit beein­dru­cken­der Überlebensfähigkeit.

13. Januar 2010, Wahlen 2010

10 Kommentare

  1. schön die dar­stel­lung von not my pre­si­dent über­nom­men. das nenn ich doch mal kri­ti­schen jour­na­lis­mus. dabei gab es mehr als genug kri­tik, sowohl an der kam­pa­gne, als auch an der aus­nut­zung diver­ser fsi´n und des bil­dungs­streiks für die stupa-wahl (die fleis­sig für die kam­pa­gne mit­ge­ar­bei­tet hat­ten aber von den plä­nen der hier erwähn­ten bar­telt und walz eine stupa-liste die sich gegen die eige­nen mitstreiter_innen wen­det, dar­aus zu machen, nichts wussten…).

    Comment von falko — 13. Januar 2010, 23:57

  2. Naja, nicht alles ganz rich­tig. Unter ande­rem: Auf der Liste von NMP tritt eine Per­son an, die mal für den SDS kan­di­diert hat. Außer­dem gibt es zwei Per­so­nen, die mal beim SDS aktiv waren, es aber nicht mehr sind. Num­mer 4 gibt es schon gleich gar nicht.

    @Falko: Die FSIn unter­stüt­zen ja in der Regel eher den AStA. Und die­je­ni­gen, die die Kam­pa­gne NMP prak­tisch unter­stützt haben, haben auf einem der vie­len !offe­nen! Tref­fen der Ini im Kon­sens ent­schie­den, zur StuPa-Wahl anzutreten.

    Comment von Katja — 14. Januar 2010, 0:22

  3. Lie­ber Hanno,
    lie­ber Christian,

    was Sarah Walz betrifft: Sie war vor­her auf der Liste »Hoch­schul­po­li­ti­sche Linke«. Zur heu­ti­gen Vari­ante die­ser Liste an die­ser Stelle nichts. Die Liste war vor­her jeden Falls dem bis­he­ri­gen AStA nah bis tra­gend — auch, wenn diese Ein­tei­lung bei Wei­tem nicht die Band­breite der Rea­li­tät widerspiegelt.

    Ich befand selbst mich nie auf einer »AStA-nahen« Liste, son­dern habe mich von Beginn im Jahr 2008 an im StuPa gegen das pau­schale Block­den­ken gewandt.

    Nicht zuletzt auch in Hin­sicht dar­auf sollte die nicht hin­rei­chende Zusam­men­fas­sung der StuPa-Listen-Podiumsdiskussion in Eurem ande­ren »Furios«-Artikel mit­hin noch ein Mal über­dacht werden.

    Schöne Grüße

    Mathias Bar­telt

    Comment von Mathias Bartelt — 14. Januar 2010, 0:49

  4. was ist das denn für ein arti­kel? krieg ich nächs­tes mal auch so einen wer­be­block, wenn ich eine liste mache? in ›nem jahr halt dann…

    @katja: eine menge men­schen, die gerade mit dem fast schon para­no­iden ver­hält­nis von mathias bar­telt (und zu gewis­sen tei­len auch von sarah walz) gegen­über dem AStA nix anfan­gen kön­nen, haben diese initia­tive unter­stützt und haben mit­ge­hol­fen sie bekannt zu machen. mit einer in die­sem punkt so ein­deu­tig aus­ge­rich­te­ten StuPa-liste woll­ten die meis­ten die­ser men­schen nie etwas zu tun haben. natür­lich, sie hät­ten auf das tref­fen, bei dem beschlos­sen wurde, zur wahl anzu­tre­ten, gehen kön­nen — aber das machen nun­mal die wenigs­ten aus­ser­halb des har­ten kerns, selbst wenn sie flyer oder unter­schrif­ten­lis­ten für euch ver­teilt haben.

    Comment von heinz — 14. Januar 2010, 1:06

  5. Lie­ber Mathias,
    vie­len Dank für dei­nen Hin­weis. Ich habe Sarah Walz danach gefragt, und den Ein­druck gewon­nen, das die Liste auf der du warst AStA-nah war. Da dies wohl ein Miß­ver­ständ­nis war, bitte ich dies zu ent­schul­di­gen. Wir ändern das. Zu Katja: Diese Infor­ma­tion habe ich der Seite von NmP ent­nom­men; ich sehe aller­dings jetzt, das der betref­fende Arti­kel nicht mehr online steht. Wenn es sich dabei um eine Fehl­in­for­ma­tion gehan­delt hat wer­den wir aus dies zeit­nah verändern.

    Herz­li­che Grüße,

    Hanno

    Comment von Hanno — 14. Januar 2010, 1:12

  6. step by step:

    1) »Am Ende jag­ten sie Len­zen indi­rekt vom Hof.« bzw. »Len­zens halb-freiwilliger Abgang»
    wer ernst­haft glaubt, die­ter len­zen habe die fu ver­las­sen, weil nmp ihn »indi­rekt vom hof« gejagt hätte, dem_der ist auch nicht mehr zu hel­fen. was um him­mels wil­len ver­lei­tet dich zu die­ser aussage?

    2) »Immer­hin ist die Liste bereits seit Novem­ber in ande­rer Form aktiv und hat laut eige­nen Anga­ben über 2100 Unter­schrif­ten gegen Len­zen gesam­melt. Zum Ver­gleich: Zur letzt­jäh­ri­gen Wahl gin­gen etwa 3800 Stu­die­rende.»
    man kann auch äpfel mit bir­nen ver­glei­chen. oder eine wochen­lange unter­schrif­ten­samm­lung mit einer 3tägigen stupa-wahl.

    3) »Dar­über hin­aus hat man sich dem Usus der Koali­tion, aus Angst vor rechts­ra­di­ka­len Überg­rif­fen keine Bil­der zu ver­öf­fent­li­chen, nicht ange­schlos­sen. Auf ihren schwarz-weißen Fly­ern sieht man sofort, mit wem man es zu tun hat. Sarah Walz und acht wei­tere Mit­strei­ter lächeln einem selbst­be­wusst von klei­nen Fotos ent­ge­gen.»
    schaut man z.b. mal auf den flyer der hoch­schul­po­li­ti­schen lin­ken liste, lächeln einen da auch die gesich­ter der kanditat_innen an. der_dem geneig­ten autor_in ist viel­leicht nicht ent­gan­gen, daß diese liste der sog. koali­tion zuzu­rech­nen ist.

    4) »Gemein­sam mit Mathias Bar­telt war es dann auch Sarah Walz, die in der Podi­ums­dis­kus­sion am Mon­tag zu den aggres­sivs­ten, aber auch sach­kun­digs­ten AstA-Kritikern gehörte.»
    belege? das äußerte sich wie?

    ach so, ich schließe mich heinz an und bitte im nächs­ten jahr auch um einen wer­be­ar­ti­kel für die unab­hän­gige schwule liste. nach 23 jah­ren stupa wäre das auch immer­hin mal zeit…

    Comment von Ronny — 14. Januar 2010, 4:04

  7. Zumin­dest dem letz­ten Punkt schließe ich mich an: Es ist sehr schade, dass die Furios-Berichterstattung zu den Wah­len so spät begon­nen hat. Viel­leicht kön­nen Furios und das nächste StuPa sich ja mal zusam­men­set­zen, um zu über­le­gen, wie die Flyer frü­her zu Furios kommen.

    Comment von Thomas E. — 14. Januar 2010, 12:21

  8. Siehe nun auch: http://notmypresident.de/index.php/stupawahl/91-anonymes-papier-an-der-fu-verbreitet-unwahrheiten-ueber-die-initiative-not-my-president.

    Comment von Mathias Bartelt — 14. Januar 2010, 19:23

  9. Da zeigt sich wie­der ein­mal, daß gute alte Feind­bil­der nie ver­ge­hen: Wenn irgend­wer irgend­was gegen NMP sagt/macht/tut/denkt, ist — wie sollte es anders sein — der AStA FU der Mis­se­tä­ter. Auf die (inhalt­li­che) Qua­li­tät o.g. Links will ich gar nicht ein­ge­hen, da eine Aus­ein­an­der­set­zung mit MBs wir­rem Gequat­sche nicht den Strom wert ist, den mein Com­pu­ter dafür benö­ti­gen würde.

    Comment von Ronny — 15. Januar 2010, 12:13

  10. Hier ist ein Zitat aus dem Arti­kel, den Mathias oben genannt hat:

    »Wer den AStA kri­ti­siert und Ver­än­de­rungs­mög­lich­kei­ten auf­zeigt (wie z.B. hier: http://notmypresident.de/index.php/stupawahl/79-was-passiert-da-wirklich-fuer-die-demokratisierung-der-studentischen-politik) wird als Feind­bild wahr­ge­nom­men und dif­fa­miert. Fazit: Kri­tik am der­zei­ti­gen Sys­tem ist nicht erwünscht und wird unter­drückt statt ernst genommen.«

    Es ist an der Zeit an der FU auf stu­den­ti­scher Ebene das ein­zu­rich­ten, was auf uni­ver­si­tä­rer Ebene bereits vom Bil­dungs­streik erkämpft wurde: ein Run­der Tisch. Ganz nach dem Vor­bild des bereits beste­hen­den Run­den Tischs, sollte die­ser öffent­lich und offen für alle, mit glei­chem Rede und Stimm­recht sein. Das bie­tet die Chance sich grund­sätz­lich und mit allen Interessierten/Beteiligten zu ver­stän­di­gen, wie die Stu­die­ren­den­schaft und ihre Organe (Stu­die­ren­den­par­la­ment, AStA, Fach­schafts­räte etc.) struk­tu­riert sein und funk­tio­nie­ren sol­len. Was dort erar­bei­tet wird, sollte dann im Stu­die­ren­den­par­la­ment beschlos­sen und umge­setzt werden.

    Comment von Sarah Walz — 16. Januar 2010, 12:50