Diskriminierung von oben

Sub­jek­tiv und scho­nungs­los: Die Pla­kat­kri­tik der FURIOS. Dies­mal: Die Multi-Kulti-Liste will hoch hinaus

von Hen­drik Pauli

Ver­zei­hung, Multi-Kulti-Liste, das möchte ich schon mal geklärt haben, bevor ich mein Kreuz setze: Seid Ihr jetzt für oder gegen das, was Ihr Euch da zum Namen gemacht habt? Man kann sich da nie so sicher sein heut­zu­tage. Wisst Ihr ja auch, SPD und so. Apro­pos Wis­sen: Wisst Ihr eigent­lich selbst, was Ihr wollt?

Ich hätte Euch ja gerne wei­ter­ge­hol­fen. So ein schö­nes Pla­kat habt Ihr geklebt! Nicht so durch­ge­stylt, inhalts­leer, aus­tausch­bar. Rich­tig bür­ger­nah, bezie­hungs­weise stu­den­ten­nah. Eine kurze prä­zise Frage – auch der deut­schen Spra­che weni­ger Mäch­tige ver­ste­hen die sicher – und dar­un­ter Platz für Ant­wor­ten. Der Stu­dent als Pro­gramm­kom­mis­sion – inter­ak­tiv und voll zwei­punkt­null­mä­ßig, eine You­Liste sozu­sa­gen, aber bes­ser, weil ohne hirn­zer­set­zen­des Inter­net. Wirk­lich vor­bild­lich. Für sol­che Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten trage ich auch immer einen Edding 800 in der Hosen­ta­sche. Ich habe so viele gute Ideen, die ich euch und dem Sou­ve­rän gerne mit­tei­len würde. Für die ganze Ihne­straße rei­chen die aus – ach was, für den gan­zen Campus!

Ich will also los­le­gen, den Fil­zer gezückt, meine Fin­ger steif vor Kälte, doch dann: Was für ein Fre­vel, das Pla­kat hängt viel zu hoch! So kann doch da nie­mand was drauf schrei­ben. Das ist hof­fent­lich nur ein pein­li­ches Ver­se­hen von Euch, Multi-Kultis. Oder sol­len sich etwa nur hoch­ge­schos­sene Män­ner betei­li­gen dür­fen? Was ist mit Frauen? Was ist mit Asia­ten? Und Ita­lie­ne­rin­nen? Das ist ja wohl Dis­kri­mi­nie­rung ers­ter Güte! Von wegen Multi-Kulti, ich glaub ich weiß jetzt was Ihr wollt. Nee, schö­nen Dank auch, dann lie­ber Jusos.

14. Januar 2010, Plakatkritik, Politik, Wahlen 2010

1 Kommentar

  1. »Oder sol­len sich etwa nur hoch­ge­schos­sene Män­ner betei­li­gen dür­fen? Was ist mit Frauen? Was ist mit Asia­ten? Und Italienerinnen?«

    Beein­dru­ckend, was in der furios unter dem Deck­män­tel­chen der Sub­jek­ti­vi­tät und Scho­nungs­lo­sig­keit als bei­ßend gedachte Kri­tik oder Satire für ver­wert­bar gehal­ten wird.
    Scho­nungs­los an die­sem Text ist eigent­lich nur die gekonnte Selbstof­fen­ba­rung, dass der Autor sei­nen wahn­sin­nig vir­tuos insze­nier­ten Alltagsrassismus/-sexismus für wit­zig und lesens­wert hält. Und wo ist jetzt der Spaß geg­blie­ben?
    Aus­düns­tun­gen bitte dem Edding überlassen.

    Comment von arvid — 15. Januar 2010, 16:04