Der Kleinkrieg im Sandkasten

Zur StuPa-Wahl sind in die­sem Jahr einige neue Lis­ten ange­tre­ten. Für den Wahl-Kampf hat das aber nur noch mehr ner­vende Gra­ben­kämpfe gebracht. Statt sich auf poli­ti­sche Inhalte zu kon­zen­trie­ren, spiel­ten die Lis­ten lie­ber „Hau-den-Lukas“. Ein Kom­men­tar von Nick Fla­mang und Mar­lene Göring.

Sieht so ein­falls­rei­cher Wahl­kampf aus? Illus­tra­tion: Sophie Jankowski

Der Antritt der Pira­ten zur StuPa-Wahl klang viel­ver­spre­chend. Ihre Mut­ter­par­tei ist für krea­tive Aktio­nen und fri­schen Wind in der poli­ti­schen Pro­gram­ma­tik bekannt. Etwas, das auch die hoch­schul­po­li­ti­sche Land­schaft der FU bit­ter nötig hat. Sie krankt an der noto­risch nied­ri­gen Betei­li­gung der Stu­die­ren­den, die die Legi­ti­ma­tion der stu­den­ti­schen Ver­tre­ter in Frage stellt. Das liegt auch am ungüns­ti­gen Wahl­ter­min kurz nach den Ferien, der einen lang­fris­ti­gen, gut orga­ni­sier­ten Wahl­kampf fast unmög­lich macht. Woran viele aber auch gar kein Inter­esse haben. Das fängt beim stu­den­ti­schen Wahl­vor­stand an, der in die­sem Jahr nur 600 Exem­plare der Wahl­zei­tung dru­cken ließ.

Wahl­kampf von und für die Listen

Immer­hin kann man sagen, dass in die­sem Jahr Wahl­kampf so ambi­tio­niert wie schon lange nicht mehr betrie­ben wurde. Die Grüne Hoch­schul­gruppe hatte sogar zu einer Podi­ums­dis­kus­sion gela­den. Die Teil­neh­mer drif­te­ten dann aber wie­der nur in die übli­chen Schuld­zu­wei­sun­gen ab und bewie­sen, was lange klar war: Wahl­kampf wird von und für die Lis­ten gemacht. Ins­ge­samt ergab sich im Hör­saal 1 A ein bered­tes Bild des Listen-Kleinkriegs, der sonst auf den Blogs der Hoch­schul­grup­pen und FSIn für Unter­hal­tung sorgt. Die oppo­si­tio­nel­len Lis­ten betrei­ben am liebs­ten AStA-Bashing und holen dafür den alten Hut „Intrans­pa­renz“ her­vor. Es geht um Geld, jedes Jahr 700.000 Euro, des­sen Ver­tei­lung angeb­lich nicht nach­voll­zieh­bar ist. Dass die Summe bei den Leis­tun­gen des AStA und über 30.000 Stu­den­ten eigent­lich ein Klacks ist, kommt nie­man­dem in den Sinn. Nicht ein­mal den Ver­tei­di­gern. Lie­ber ver­steigt sich die Kan­di­da­tin der FSI Psy­cho­lo­gie zu Aus­sa­gen wie: „Ich finde nicht, dass der AStA intrans­pa­rent ist.“ Der Grund? „Wir krie­gen immer unsere Ersti-Fahrt und unser Heft bezahlt.“

Wäh­rend die Oppo­si­tion also von allen Sei­ten auf den AStA ein­drischt, hal­ten auch die AStA-tragenden Lis­ten mit Kri­tik nicht hin­term Berg. Haupt­ziel: die Par­tei­lis­ten. „Par­teiz­wang“, „ver­tre­ten nicht die Inter­es­sen der Stu­die­ren­den“ lau­ten die Vor­würfe. Und so ver­lie­ren sich auch FSIn und sons­tige Unter­stütz­er­lis­ten des AStAs in der Denun­zia­tion des poli­ti­schen Geg­ners. Bes­tes Bei­spiel: Das Info­blatt der „stu­den­ti­schen Initia­tive Mün­dige Wähler_innen“. Der Grund­te­nor ist klar: Die Lis­ten sind nur der ver­län­gerte Arm der sys­tem­tra­gen­den Par­teien. Wenn das nicht reicht, unter­stel­len die „Mün­di­gen Wähler_innen“ ein­fach jeder Par­tei­liste für Stu­di­en­ge­büh­ren zu sein oder im StuPa mit „extrem rech­ten Lis­ten“ abge­stimmt zu haben. Die Par­tei­lis­ten weh­ren sich dann erst ein­mal gegen eines: Über­haupt eine zu sein. Auf eine kon­struk­tive Aus­ein­an­der­set­zung mit der Kri­tik wird lei­der gänz­lich verzichtet.

Und wie­der nichts gelernt!

Doch das Trau­er­spiel des FU-Wahlkampfes geht noch viel wei­ter. Als seien 54 Wahl­lis­ten nicht unüber­sicht­lich genug, sieht sich der Wäh­ler auch noch mit Tarn­lis­ten kon­fron­tiert. Gera­dezu gro­teske Züge nimmt das am Bei­spiel der „Liber­tär Demo­kra­ti­schen Liste“ an. Wäh­rend Tarn­lis­ten übli­cher­weise nur for­mell exis­tie­ren, trat die LDL sogar bei der Podi­ums­dis­kus­sion an. Die LHG fand nun her­aus, dass deren Spit­zen­kan­di­dat schon für eine eher AStA-nahe Liste kan­di­dierte. Auch das sehr kurz­fris­tige Grün­dungs­da­tum (24.12.09) und der zuse­hends ver­wahr­lo­sende Blog der LDL sind bedenk­lich. Aber anstatt sich auf diese poten­ti­ell neue und per­fide Dimen­sion der Tarn­lis­ten zu kon­zen­trie­ren, ver­liert sich auch die LHG wie­der in Lager­kampf und Schlammschmeißen.

Resü­mee: Nie­mand hat irgend­was gelernt. Der Wahl­kampf wird nur für die eigene Kli­en­tel betrie­ben, über Inhalte wie „Schluss mit dem S-Bahn Chaos“ oder „mehr Trans­pa­renz“ kommt kei­ner der Betei­lig­ten hin­aus. Neue Ideen sind Man­gel­ware. Ver­wun­der­lich ist das all­ge­meine Des­in­ter­esse der Viel­zahl der Stu­die­ren­den also nicht. Wür­den alle Grup­pen sich auf das Zurück­be­sin­nen, worum es bei Poli­tik geht – Kom­mu­ni­ka­ti­ons– und Kom­pro­miss­be­reit­schaft – könnte wohl auch die Wahl­be­tei­li­gung wie­der stei­gen. Das würde dem AStA mehr Legi­ti­ma­tion ver­schaf­fen und eine bes­sere Streit­kul­tur mit sich brin­gen. Es wäre der FU zu wünschen.

15. Januar 2010, Politik, Wahlen 2010

2 Kommentare

  1. Auch wenn das viele Geld ein »Klacks« ist, kann man nur schwer nach­voll­zie­hen wie und an wen es für was ver­ge­ben wurde.

    Comment von Tobias — 16. Januar 2010, 0:59

  2. Lie­ber Nick,
    liebe Marlene,

    wie schon in einem ande­ren Kom­men­tar auf Eurer Seite erwähnt und an ande­ren Wahl-Artikeln von Euch kri­ti­siert, wird auch hier wie­der resümiert:

    »Die oppo­si­tio­nel­len Lis­ten betrei­ben am liebs­ten AStA-Bashing und holen dafür den alten Hut „Intrans­pa­renz“ hervor.«

    Da aus ande­ren Arti­keln von Euch weit gehend her­vor geht, daß Ihr auch die Initia­tive »Not my Pre­si­dent« pau­schal in die Kate­go­rie »oppo­si­tio­nell« ein­stuft, ja da Ihr zum Teil selbst und ohne uns zu fra­gen (einem Inter­view haben wir, wie auch die GHG, aus bekann­ten Grün­den eines Eurer Arti­kel nicht zuge­stimmt) zum Züng­lein an der Waage gegen den der­zei­ti­gen AStA erklärt, möchte ich diese Ein­tei­lung hier noch­mals in Frage stel­len:
    Wir haben mehr als deut­lich zu machen ver­sucht, daß es Grau­zo­nen gibt. Wenn sich in der »Furios« die Kate­go­ri­sie­rung »Koali­tion« vs. »Oppo­si­tion« fest setzt, so folgt sie damit eben der Kate­go­ri­sie­rung, die sie hier und ande­ren Wahl-Artikeln doch eigent­lich kritisiert.

    Zur StuPa-Listen-Podiumsdiskussion:

    Daß diese nicht(!) von der »Grü­nen Hoch­schul­gruppe«, son­dern grup­pen­un­ab­hän­gig und Grup­pen überg­rei­fend von Nor­man Carl Freu­den­berg (Platz 2 der GHG-Liste) und Beset­zen­den des Hör­saals 1 a orga­ni­siert wurde, sei hier betont. Auch sei betont, daß in die­ser Dis­kus­sion durch­aus etwas mehr The­men und im Übri­gen den Fra­gen aus dem lei­der sehr klei­nen Publi­kum fol­gend dis­ku­tiert wurde/n. Daß die Dis­kus­sion so gering besucht war, lag auch daran, daß es rela­tiv wenige waren, die die Dis­kus­sion orga­ni­siert hat­ten und im Vor­feld zu wenig Öffent­lich­keit erreicht hatten.

    Mehr Grau­zo­nen, bitte!

    Danke und beste Grüße

    Mathias Bar­telt

    Comment von Mathias Bartelt — 16. Januar 2010, 17:29