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Die empörte Studentin: Der Dahlem-Lift

Das gläserne Gefängnis: Wie uns der lethargische Fahrstuhl am U-Bahnhof Dahlem-Dorf in den Wahnsinn treibt. Ein empörter Appell und Hilfeschrei von Carolin Benack.

Illustration: Pia Bruer

Liebe Mitstudierenden,
liebe anderen FU-Angehörigen,
liebe BVG!

Vierunddreißig Sekunden sind quälend lang. Vierunddreißig Sekunden sind eine kleine Ewigkeit. Wer das nicht glaubt, nehme den Fahrstuhl am U-Bahnhof Dahlem-Dorf. Selbst, wenn die Wartezeit entfällt, benötigt dieser Lift nämlich unfassbare, unausweichliche vierunddreißig Sekunden für die geschätzten fünf Meter, die er zurücklegen muss. Das sind gerade mal fünfzehn Zentimeter pro Sekunde! Immerhin liefert diese Messung endlich einen objektiven Wert zu unserem subjektiven Empfinden, das da wäre: Dieser Fahrstuhl ist unheimlich langsam.

Denn ehrlich, wem an der FU kommt dieses Szenario nicht bekannt vor? Auf dem Weg von der Rost- und Silberlaube zur heimischen Couch drücke ich den Knopf, um den Dahlemer Fahrstuhl – der natürlich immer unten am Bahnsteig wartet – zu rufen. Plötzlich höre ich aus der Ferne ein Geräusch. Langsam drehe ich mich vom gläsernen Fahrstuhlgehäuse weg, Schweißperlen bilden sich auf meiner Stirn und ich erblicke sie – die heraneilende Bahn (schrilles Streicherstakkato aus Psycho)! Panisch drehe ich mich wieder um, in der aussichtslosen Hoffnung, der Lift stünde doch schon vor mir. Natürlich ist er nicht da, die Seile setzen sich eben erst in Bewegung. Vielleicht, ja vielleicht schaffe ich es doch noch rechtzeitig, ein kurzer Blick nach hinten, die Bahn kommt immer näher, die Türen des Fahrstuhls öffnen sich, da spüre ich sie unter mir einfahren. Ich springe in den Lift und drücke den Nach-unten-Knopf.

Jetzt ereignet sich Folgendes: Kurz bevor die Türen schließen, sprintet eine Gruppe Studenten heran, von denen einer der festen Überzeugung ist, sein Fahrrad passe noch in den sowieso schon überfüllten Fahrstuhl. Nach einigem Gedrängel und Baucheinziehen, welches ich nicht aus Freundlichkeit, sondern lediglich in der naiven Hoffnung auf Zeitersparnis mitmache, ist auch der Drahtesel drin. Eine Fahrt mit so einem Zwischenfall dauert eine Minute. Der Fahrstuhl des Berliner Fernsehturms benötigt vierzig Sekunden, um auf die Aussichtsplattform zu gelangen. Man kommt tatsächlich schneller zu einem Kaffee in 207 Metern Höhe als zur U-Bahn in Dahlem-Dorf?

Ich verpasse in diesem Szenario also die Bahn. Doch gehen wir von einer idealen Fahrt aus: Niemand weiteres steigt ein, der Fahrstuhl setzt sich in Bewegung, kommt am Bahnsteig an. Während mir die schon seit langem verhasste Frauenstimme erklärt, wo der Ausgang ist, beobachte ich aus meinem gläsernen Gefängnis heraus, wie die Türen der Bahn sich schließen.

Warum nur dieser elende Fahrstuhl? Warum keine Leiter? Kein Sprungtuch? Auf Anfrage, warum man denn keine Treppe bauen könne, hat FURIOS erfahren, dass die BVG keinen wesentlichen Bedarf dafür erkennen kann. Dass diese Bürostuhlakrobaten unser Leiden nicht verstehen, überrascht nicht. Doch das wird sich ändern! Denn schon bald werden Studenten die Fahrstuhl-Folter nicht mehr länger ertragen und über das Dach hinunter in den Bahnhof springen. Dass dabei der eine oder andere von der Bahn erwischt wird, ist nicht schön, erfüllt aber seinen Zweck: Die in die Höhe schnellende Todesrate wird die BVG zum Handeln zwingen! Bald kann ich die Treppe nehmen, die durch den Lift verursachten Qualen werden vorbei sein –vorausgesetzt, ich gehöre bis dahin nicht zu seinen Opfern.

Auch empört? Schreib an empoert bei furios-campus.de!

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