Zertrümmerte Hotelzimmer und Uni-Lektüre

Sie leben unter uns, getarnt als Juris­ten, Che­mi­ker, Bau­in­ge­nieure, Poli­ti­ker und Rechts­pfle­ge­rin­nen, doch eigent­lich wol­len sie nur eins: auf der Bühne ste­hen und Musik machen. Von Chris­tian Güse


Foto: Alex­an­der Ziegler

Rosa­far­be­nes Polo­shirt, gekno­te­ter Kaschmir­pulli über den Schul­tern und dazu eine schnö­se­lige Atti­tüde – so sieht der Ste­reo­typ des Jura­stu­den­ten aus. Mit Röh­ren­jeans und Chucks passt Felix nicht in das Kli­schee, erst recht nicht als Gitar­rist der Rock­band »Slip­pery Damage«. Mit Schlag­zeu­ger Max stu­diert er an der Freien Universität.

Die Ver­bin­dung von Jura und Rocker­da­sein fin­det Felix gar nicht schlecht. »Wenn das Hotel­zim­mer in Trüm­mern liegt, ist das Jura­stu­dium das Beste, was man in die­sem Augen­blick gebrau­chen kann«, erklärt er grin­send. Gegrün­det hat sich die Band um Front­frau Leila Bekri zu Schul­zei­ten, vor sechs Jah­ren. Sie hat das übli­che Band­schick­sal durch­lau­fen, mit Auf­trit­ten, Wett­be­wer­ben und Ab– und Zuwan­de­run­gen diver­ser Mit­glie­der. Heute spie­len Felix, Leila und Max ihren grun­gi­gen Alternativ-Rock zusam­men mit Zweit­gi­tar­rist Ste­fan und Bas­sist Fischa. Die EP »Solid Cure« haben sie im letz­ten Jahr auf­ge­nom­men. Die­sen Som­mer wird sie von der Band im Tour­bus durch Deutsch­land gekarrt.

Ihrer Musik hört man ein biss­chen frühe »Guano Apes« an. Eine Ver­mu­tung liegt nahe und wird bestä­tigt. »Slip­pery Damage« spei­sen ihren Sound aus der Ära, als Rock noch ehr­lich war und man unge­straft zer­ris­sene Jeans und Leder­ja­cke tra­gen durfte: den spä­ten 80ern. Damit lie­gen sie nicht im Trend der Indie-Spaßbands. Dafür wecken sie sel­ten gewor­dene Asso­zia­tio­nen zu den gro­ßen Zei­ten von Pearl Jam & Co. Das leis­tet auch Lei­las raue Stimme, die zwar tonal mal dane­ben liegt, den Titel »Rock­röhre« aber noch ohne Scha­mes­röte tra­gen kann.

Die Semes­ter­fe­rien nutzt »Slip­pery Damage« oft für Pro­ben, Album­auf­nah­men und Kon­zerte statt für Haus­ar­bei­ten und Klau­su­ren. »Es kommt schon zum Prio­ri­tä­ten­ge­wür­fel«, gibt Max zu. Nach Auf­trit­ten bis in die frü­hen Mor­gen­stun­den wird auch mal eine Vor­le­sung sau­sen gelas­sen. Die­ses Opfer müsse man für eine tolle Show und neue Fans eben brin­gen, meint Max. Die Auf­ga­ben des All­tags neh­men aber alle fünf immer noch ernst. Statt in der Semi­nar­pause ein küh­les Blon­des zu schlür­fen, berei­ten sie sich auf den nächs­ten Kurs vor. Nur mit Zeit­ma­nage­ment klappt der Spa­gat zwi­schen Stu­dium und Musik.

Für »Slip­pery Damage« ist der ganz große Durch­bruch eine Option, die bedacht sein will. Stu­dium oder vol­les Rohr Risiko? »Die Wahl zwi­schen Lei­den­schaft und Ver­nunft ist ver­dammt schwer – aber ich glaube, letzt­lich wird eher die Lei­den­schaft gewin­nen«, sagt Max. Na klar! Wem der Rock-Olymp winkt, der schmeißt den Gemein­sinn über Bord.

» Rein­hö­ren in “Slip­pery Damage”

16. Juni 2010, Campus, FURIOS 04

1 Kommentar

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