Die Mövenpick-Juristen

Viele Mit­glie­der des StuPa sind noto­risch kame­ra­scheu. Das ist OK so, fin­det die Sit­zungs­lei­tung. Das ist es nicht, fin­det Hen­drik Pauli und hat über­ra­schende Par­al­le­len entdeckt.


Juris­ten sind eine schreck­li­che Spe­zies. Ihre Aus­bil­dung ver­brin­gen sie über bibel­di­cken Geset­zes­kom­men­ta­ren und ler­nen dabei unver­ständ­li­che Begriffs­de­fi­ni­tio­nen aus­wen­dig. Sie sind klein­ka­rierte Para­gra­phen­hu­ber mit gräss­li­cher Nei­gung zur Haar­spal­te­rei. Das kann nerv­tö­tend sein. Aber die Mate­rie ver­langt das.

Viel schreck­li­cher als die Juris­ten sind aller­dings die Anti-Juristen. Sie haben ein – vor­sich­tig gesagt – tak­ti­sches Ver­hält­nis zu gel­ten­dem Recht. Und sie sit­zen nicht in irgend­ei­nem ent­le­ge­nen Lese­saal, son­dern im Studierendenparlament.

Dort ver­wei­gert die Sit­zungs­lei­tung pene­trant eine freie Bild­be­richt­er­stat­tung. Dazu rich­tet sie „geschützte“ Zonen ein, in denen nicht foto­gra­fiert wer­den darf. Aber wozu das Ver­steck­spiel? Angeb­lich wür­den Neo­na­zis und rechte Schlä­ger das Inter­net sys­te­ma­tisch nach  Links­ak­ti­vis­ten durch­käm­men. Wei­te­res Argu­ment: die ewige Sys­tem­kri­tik. Der Par­la­men­ta­ris­mus sei eine bür­ger­li­che Insti­tu­tion und daher rund­weg abzu­leh­nen. Eigent­lich wolle man kein gewähl­ter Ver­tre­ter sein, schon gar nicht als sol­cher erkannt wer­den. Für die Sit­zungs­lei­tung mag das schlüs­sig klin­gen, in Wahr­heit ist es völ­lig gaga. Am Ende muss man sich gar fra­gen, woher die Pres­se­frei­heit – zur Erin­ne­rung: ein Grund­recht – in die­sem Fall eigent­lich unter­mi­niert wird: von rechts oder von links?

Um die Sache wie­der vom Kopf auf die Füße zustel­len reicht ein Blick in die Sat­zung der Stu­die­ren­den­schaft. „Die Organe der Stu­die­ren­den­schaft tagen öffent­lich“, steht dort unmiss­ver­ständ­lich. Per­sön­lich­keits­rechte, auch das Recht am eige­nen Bild, sind somit bei die­sen Anläs­sen ein­ge­schränkt. Wei­ter heißt es: „Die Sit­zungs­lei­tung ist für eine geschäfts­ord­nungs­ge­mäße Arbeit des Stu­die­ren­den­par­la­ments ver­ant­wort­lich.“ Dass die Sit­zungs­lei­tung ihre eige­nen Rechts­grund­la­gen nicht kennt, davon ist nicht aus­zu­ge­hen. Doch dass sie sie nicht durch­setzt, hat einen spe­zi­el­len Grund: Vier von fünf Mit­glie­dern der Sit­zungs­lei­tung wer­den von den lin­ken AStA-Listen gestellt. Da arran­giert man sich halt gerne, gemäß dem ers­ten Mövenpick’schen Gesetz: „Beiße nie in die Hand, die dich füt­tert.“ Kli­en­te­lis­mus bes­ter neo­li­be­ra­ler Schule. Eine Pra­xis, die rechts­ver­ges­sen und will­kür­lich ist und damit vor Allem eines: unpolitisch.

Wer wirk­lich Poli­tik machen und nicht nur eine schlechte Kari­ka­tur davon dar­stel­len will, der muss sich auch zu ihren ganz basa­len Spiel­re­geln beken­nen, zur Stärke des Rechts und nicht zum Recht des Stärkeren.

Das kann nerv­tö­tend sein. Dafür muss man schon aus beson­de­rem Holz geschnitzt sein. In die­sem Sinne: Juris­ten rein ins StuPa, Anti-Juristen raus!

12. Juli 2010, Furioser Kommentar, Politik

4 Kommentare

  1. Sehr gut!

    Comment von Thomas E. — 12. Juli 2010, 22:42

  2. naja, eine etwas vor­schnelle for­de­rung am ende viel­leicht. denn ein blick auf den par­la­men­ta­ri­mus in unse­rer bun­des­deut­schen vari­ante von demo­kra­tie zeigt dann doch sehr ein­drucks­voll, dass auch juris­ten vor kli­en­te­lis­mus nicht halt machen, wenn sie erst­mal in der ent­spre­chen­den posi­tion sind. ist das pro­blem viel­leicht doch ein struk­tu­rel­les? in die­sem zusam­men­hang lohnt sich in jedem fall auch ein blick auf das eine jahr rcds-asta an der tu. meine steile these: ein mitte-rechts-asta an der fu würde letzt­end­lich nichts anders machen, inhalt­lich aber schlim­mer sein.

    ganz gene­rell noch eine anmer­kung: ist denn gel­ten­des recht ein­fach so vom him­mel gefal­len? nein! es resul­tiert aus poli­ti­schen kräf­te­ver­hält­nis­sen. und da liegt es ganz offen­sicht­lich auf der hand, dass gel­ten­des recht fast immer das recht der stär­ke­ren ist. inso­fern bekennt man sich mit der bekennt­nis zur stärke des rechts auch irgend­wie zum recht der stärkeren.

    eine gesell­schaft, in der gel­ten­des recht nicht immer wie­der grund­le­gend infrage gestellt wird, ist im übri­gen eine poli­tisch tote gesell­schaft. poli­tik heißt dann nur noch ver­wal­tung der beste­hen­den ver­hält­nisse, und nicht mehr gestal­tung hin zum besseren.

    Comment von guido — 15. Juli 2010, 18:15

  3. »meine steile these: ein mitte-rechts-asta an der fu würde letzt­end­lich nichts anders machen, inhalt­lich aber schlim­mer sein.«

    Ich als Kopf­fü­ßer frage mich da: Baga­tel­li­siert guido damit Rechts­bruch, wenn nur die inhalt­li­chen Vor­zei­chen andere sind?

    Mei­nes Wis­sens sind an Land infrage stel­len von gel­ten­den Rechts­nor­men erlaubt und sogar Mög­lich­kei­ten zu Ände­run­gen vor­ge­se­hen — unter Beach­tung gewis­ser Spielregeln.

    Ob die Lin­ken beim nächs­ten Mal einen Ände­rungs­an­trag zur Studi-Satzung einbringen?

    Ich sage vor­aus: Nein!

    Comment von Krake Paul — 15. Juli 2010, 21:54

  4. […] von FURIOS kön­nen die StuPa-Sitzung kaum erwar­ten, haben wir doch die Hoff­nung end­lich frei und unein­ge­schränkt berich­ten zu kön­nen noch nicht auf­ge­ge­ben. 30. Okto­ber 2010, All­ge­mei­nes, Kalender, […]

    Pingback von FURIOS Online – StuPa 2010, die Letzte — 30. Oktober 2010, 11:26