Freiheitskämpferin zum Anfassen

Mary Robin­son erhielt am Mon­tag den Frei­heits­preis der Freien Uni­ver­si­tät. Vale­rie Schö­nian war dabei.

Richard von Weiz­sä­cker, Mary Robin­son und Peter-André Alt (von links) bei der Ver­lei­hung des Frei­heits­prei­ses der FU am Mon­tag. Foto: Cora-Mae Gregorschewski

Um 17 Uhr am Mon­tag­nach­mit­tag beginnt das Publi­kum im nur halb­be­setz­ten Audi­max des Henry-Ford-Bau zu applau­die­ren. In der ers­ten Reihe der ehe­ma­lige Bun­des­prä­si­dent Richard von Weiz­sä­cker in Anzug mit Kra­watte, in der letz­ten der FU Stu­dent in Jeans und T-Shirt. Mary Robin­son hat den Raum betre­ten, Orches­ter­mu­sik und Lobes­hym­nen set­zen ein.

Veritas.Iustitia.Libertas.

Zunächst betritt Prä­si­dent Peter-André Alt die Bühne und erin­nert in betont „eng­li­schem“ Eng­lisch an die Grund­sätze der Freien Uni­ver­si­tät: „Veri­tas. Ius­ti­tia. Liber­tas.“ Auch Frei­heit gehört also zu den Grün­dungs­wer­ten unse­rer Hoch­schule von 1948. Unter die­sem Leit­bild ver­leiht sie des­halb seit 2007 jähr­lich den Frei­heits­preis. Die­ser geht zurück auf die Initia­tive des Cen­ter for Area Stu­dies und wür­digt Per­so­nen glo­ba­ler Bedeu­tung, die sich auf gesell­schaft­li­cher, poli­ti­scher oder wirt­schaft­li­cher Ebene in die­sem Sinne enga­giert haben. Nach Kim Dae-jung, Wla­dyslaw Bar­to­szew­ski und Des­mond Tutu ist nun auch Mary Robin­son Preisträgerin.

Nach der Begrü­ßung erklimmt die ehe­ma­lige Prä­si­den­tin des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, Jutta Lim­bach das aufs Podium füh­rende Trepp­chen. Ihre rhe­to­risch aus­ge­feilte Lau­da­tio erzählt von dem Men­schen Mary Robin­son, macht sie zu einer Frei­heits­kämp­fe­rin zum Anfas­sen. Sie erzählt die ein­drucks­volle Geschichte der ehe­ma­li­gen Hohen Kom­mis­sa­rin der Ver­ein­ten Natio­nen für Men­schen­rechte. Auf­ge­wach­sen ist Robin­son im gut­bür­ger­li­chen Haus­halt, mit vier Geschwis­tern, beide Eltern Ärzte. Die katho­li­sche Mäd­chen­schule über­stand sie, so Lim­bach, „ohne dau­er­haf­ten Scha­den“, absol­vierte das Jura-Studium am Kings› Inns in Dub­lin und an der Har­vard Uni­ver­sity, wurde mit 25 Jah­ren jüngste Pro­fes­so­rin in Ver­fas­sungs­recht am Tri­nity Col­lege Dub­lin. Eine Frau voll „von Eigen­sinn, Mei­nungs­freude und Tat­kraft, von Ein­falls– und Durch­set­zungs­ver­mö­gen“, die es 1990 zur ers­ten weib­li­chen Prä­si­den­tin Irlands brachte.

»This IS happening!«

Trotz ihrer radi­ka­len Poli­tik sei sie „zugleich eine Bas­tion, eine feste Burg huma­ner Werte und des gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halts“. Robin­son habe ihr Amt genutzt, um öffent­lich für Min­der­hei­ten ein­zu­ste­hen und Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen zu ver­ur­tei­len. Ein Enga­ge­ment, dass sie in ihrem Amt als Hohe Kom­mis­sa­rin der Ver­ein­ten Natio­nen von 1997 bis 2002 fort­set­zen konnte. Heute ist sie unter ande­rem Prä­si­den­tin der von ihr selbst gegrün­de­ten Initia­tive „Rea­li­zing Rights: The Ethi­cal Glo­ba­liza­tion Initia­tive” und Mit­glied von Nel­son Man­de­las‹ „The Elders“, einer inter­na­tio­na­len Gruppe bedeu­ten­der Per­sön­lich­kei­ten, die für huma­ni­tä­res Enga­ge­ment eintreten.

Schließ­lich betritt Mary Robin­son die Bühne, eine cha­ris­ma­ti­sche, jung geblie­bene Frau — letz­ten Monat noch in Jeru­sa­lem, jetzt im Audi­max. Blu­men, Glück­wün­sche, Danke. Auf Augen­höhe gibt sie dem halb besetz­ten Saal einen Ein­blick in ihre Geschichte und ruft zu Enga­ge­ment auf. Erzählt von Unge­rech­tig­keit, Leid und vom Schwei­gen ange­sichts des­sen. „But this IS hap­pe­ning!“, ruft die 66-Jährige in den schwei­gen­den Zuschau­er­raum. Als Men­schen­recht­le­rin hört man wohl nie auf, zu kämpfen.

19. November 2010, Campus

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