Riskantes Spiel

Mit dem Kampf gegen die durch­öko­no­mi­sierte Uni hat eine Stu­den­ten­ge­ne­ra­tion ihr Lebens­thema gefun­den. An der FU soll eine Urab­stim­mung ein neues Zei­chen set­zen. Von Max Krause.

Soll unsere Uni soli­da­ri­scher werden?

Foto: Cora-Mae Gregorschewski

Gleich­zei­tig mit den Wah­len zum Stu­die­ren­den­par­la­ment und zum Aka­de­mi­schen Senat fin­det die stu­den­ti­sche Urab­stim­mung „Für eine soli­da­ri­sche FU“ statt. Auf Initia­tive von Sarah Walz und Mathias Bar­telt von der ehe­ma­li­gen Liste „Not my pre­si­dent“ ist die Urab­stim­mung Anfang Dezem­ber vom StuPa mit Unter­stüt­zung der AStA-Listen beschlos­sen wor­den. Damit hat der noch amtie­rende AStA neben den StuPa-Wahlen eine wei­tere Hürde zu neh­men. Vom Erfolg der Urab­stim­mung hängt ab, ob er die Stu­die­ren­den­schaft in Zukunft noch glaub­wür­dig ver­tre­ten kann.

Es gibt eini­ges abzu­stim­men: Nicht nur soli­da­risch soll sie sein, die FU, auch demo­kra­tisch, sozial-ökologisch nach­hal­tig und vor allem mit ver­bes­ser­ter Lehre. Unter ande­rem wol­len die Initia­to­ren mehr Mas­ter­plätze, keine rei­nen Lehr­pro­fes­su­ren, eine fle­xi­blere Modul­wahl und ein Ver­bot von For­schung für mili­tä­ri­sche Zwe­cke. Dane­ben fin­det sich in dem For­de­rungs­ka­ta­log auch viel Alt­be­kann­tes aus dem Bil­dungs­streik: Abschaf­fung sämt­li­cher Stu­dien– und Ver­wal­tungs­ge­büh­ren, Wie­der­ein­füh­rung der Vier­tel­pa­ri­tät, keine Zwangs­ex­ma­tri­ku­la­tion mehr. Dar­über hat­ten die Stu­die­ren­den schon vor einem Jahr mit den Füßen abge­stimmt. Die berauschte Stim­mung der Hör­saal­be­set­zung ver­flog schnell. Der Zuspruch der Stu­die­ren­den war nie so groß, wie man sich erhofft hatte. Eine Quasi-Neuauflage der Bil­dungs­streik­for­de­run­gen könnte also ein ris­kan­tes Spiel sein. Noch dazu besteht die Gefahr, dass die Urab­stim­mung als Aus­druck stu­den­ti­schen Pro­tests ent­wer­tet wird.

Taube Ohren beim AStA

Bereits Ende 2009 gab es Ärger um ein sol­ches Vor­ge­hen. Sarah Walz und Mathias Bar­telt woll­ten ihren Rück­tritts­for­de­run­gen gegen den dama­li­gen Prä­si­den­ten Len­zen per Urab­stim­mung Nach­druck ver­lei­hen und rie­fen „Not my Pre­si­dent“ ins Leben. Der AStA tor­per­dierte die Kam­pa­gne ver­bal und ver­hin­derte einen StuPa-Beschluss. Die not­wen­di­gen knapp 3000 Unter­schrif­ten für die Durch­füh­rung einer Urab­stim­mung beka­men Walz und Bar­telt nicht zusam­men, zogen 2010 aber als Oppo­si­ti­ons­liste ins StuPa.

Dies­mal war die Unter­stüt­zung, auch von Sei­ten des AStA, von Anfang an da. Doch in der eigens ein­ge­rich­te­ten AG gab es schon nach kur­zer Zeit neuen Zwist zwi­schen AStA-Leuten und „Not my Pre­si­dent“. Um es allen recht zu machen, wurde der For­de­rungs­ka­ta­log von ursprüng­lich zwölf Punk­ten auf zwan­zig erwei­tert. Auch in PR-Fragen war man sich nicht einig. „Der Vor­schlag, eine breite Infor­ma­ti­ons­kam­pa­gne zu star­ten ist beim AStA von Anfang an auf taube Ohren gesto­ßen“, klagt Mathias Bar­telt.“ Ent­spre­chend waren bei der Voll­ver­samm­lung, auf der die For­de­run­gen vor­ge­stellt wer­den soll­ten, gerade mal 40 Leute anwe­send. Arvid Peschel, AStA-Referent von der FSI Geschichte sieht das anders: „Ich glaube nicht, dass mehr Leute gekom­men wären.“ Die Erklä­rung dafür bleibt er schuldig.

Tür zum Präsidium

In einer ent­schei­den­den for­ma­len Frage konnte sich der AStA eben­falls durch­set­zen: Statt die ver­schie­de­nen Punkte ein­zeln abstim­men zu las­sen, wird von den Stu­die­ren­den nun eine pau­scha­les Urteil ver­langt. Ja zu allen For­de­run­gen – oder zu kei­ner. Ein­zel­ab­stim­mun­gen, so die Begrün­dung, seien zu teuer und außer­dem nicht aus­sa­ge­kräf­tig. Viel­leicht ist es auch die Angst des AStA vor einem dif­fe­ren­zier­ten Abstimmungsverhalten.

Nun wird also ein ris­kan­ter Weg beschrit­ten. Wenn es gut aus­geht, kann man gespannt sein, ob die Initia­to­ren den Erfolg zu nut­zen wis­sen. Recht­lich hat die Urab­stim­mung keine bin­dende Wir­kung. Dass ein mehr­heit­li­ches Ja zu den For­de­run­gen durch die Türen des Prä­si­di­ums dringt, ist wenig wahr­schein­lich. Ob sich die Stu­die­ren­den­schaft durch ein posi­ti­ves Votum end­lich in grö­ße­rem Maß zum Wider­stand moti­vie­ren lässt, kann man zumin­dest hof­fen. Der AStA und die ande­ren Unter­stüt­zer haben sich auf ein Spiel ein­ge­las­sen, bei dem es wenig zu gewin­nen und viel zu ver­lie­ren gibt. Span­nend wird das Ergeb­nis in jedem Fall sein.

11. Januar 2011, Politik, Wahlen 2011

2 Kommentare

  1. Sel­ten einen For­de­rungs­ka­ta­log mit so unglaub­lich viel Schrott drauf gese­hen. Ganz kla­res NEIN gegen die­sen Müll. Exma­tri­ku­la­tion abschaf­fen und Mit­be­stim­mung der Haus­meis­ter und Putz­kräfte? Und wie will man dann die fau­len Sozi­al­schma­rot­zer die 10 Jahre oder län­ger auf Kos­ten der Steu­er­zah­len stu­die­ren end­lich aus der Uni schmei­ßen? Min. 1000€ pro Semes­ter Stu­di­en­ge­büh­ren, womit wir immer nocht WEIT WEIT WEIT unter dem inter­na­tio­na­len Durch­schnitt lie­gen wür­den, würde für ein biss­chen mehr Ver­nunft unter den Stu­die­ren­den sor­gen. Damit mal wie­der gelernt und stu­diert wird, statt unun­ter­bro­chen zu meckern und sich völ­lig irr­sin­nige Maß­nah­men aus­zu­den­ken, das Stu­dium wei­ter zu verweichlichen.

    Comment von blub — 14. Januar 2011, 16:57

  2. was kos­ten Lang­zeit­stu­dis bit­te­schön den Steu­er­zah­ler? sie bekom­men kein bafög, son­dern müs­sen von Neben­jobs leben oder an der Brief­börse des rei­chen Papis nagen. und sie bedür­fen wahr­schein­lich kei­ner teu­ren ver­an­stal­tun­gen mehr, da sie alle schon besucht haben. das ein­zige, was sie kos­ten, sind erhöhte durch­schnitts­se­mes­ter in der hochschulstatistik.

    stu­di­en­ge­büh­ren ver­bes­sern nicht nur die lehre, son­dern hin­dern vor allem auch viele weni­ger gut gestellte daran teil­zu­ha­ben!!
    Ori­en­te­rung am inter­na­tio­na­len Durch­schnitt sind kaum ein Argu­ment für etwas!!
    wir lie­gen sicher­lich auch WEIT WEIT WEIT unter dem inter­na­tio­na­len Durch­schnitt von Morden/Jahr, viel­leicht auch weil wir zumin­dest ver­su­chen, ein sozial gerech­tes Bil­dungs­sys­tem zu haben.
    wir lie­gen auch WEIT WEIT WEIT unter dem inter­na­tio­na­len Durch­schnitt im Kin­der­krie­gen, viel­leicht weil For­de­run­gen, dass »mal wie­der gelernt und stu­diert wird« und solch ver­klemm­tes leis­tungs­den­ken dazu führt, dass unsere gesell­schaft total kar­rie­re­geil und nar­ziss­tisch ist.

    Men­schen wie du essen sicher­lich auch Babykatzen!

    Comment von karl — 15. Januar 2011, 1:59