Elite in der Falle

Die zweite Phase des Exzel­len­z­wett­be­werbs läuft an, die alten För­de­run­gen aus. Die FU ist zum Erfolg ver­dammt.  Max Krause berich­tet von den Risiken.

Als im Jahr 2007 die Ent­schei­dun­gen der Exzel­lenz­in­itia­tive bekannt­ge­ge­ben wur­den, zählte die Freie Uni­ver­si­tät Ber­lin zu den gro­ßen Gewin­nern: In der Haupt­ka­te­go­rie war sie mit ihrem Zukunfts­kon­zept „Inter­na­tio­nale Netz­werk­uni­ver­si­tät“ erfolg­reich. Dar­über hin­aus hatte sie sich die För­de­rung für die bei­den Exzel­lenz­clus­ter „TOPOI“ und „Lan­gua­ges of Emo­tion“ sowie für drei Gra­du­ier­ten­schu­len gesi­chert. Ins­ge­samt war die FU die deut­sche Uni­ver­si­tät mit den meis­ten geneh­mig­ten Anträgen.

Doch der Erfolg ist zur Bürde gewor­den: Die FU ist mitt­ler­weile abhän­gig von die­sen För­der­mit­teln. 30 Mio Euro betra­gen die jähr­li­chen Zun­wen­dun­gen. Davon finan­ziert die Uni­ver­si­tät Sti­pen­dien, Gra­du­ier­ten­schu­len und holt nam­hafte For­scher an den Cam­pus. Kaum zu über­schät­zen ist die Image­wir­kung des Eli­te­sie­gels, das inter­na­tio­nal als Qua­li­täts­merk­mal im deut­schen Hoch­schuld­schun­gel gilt. Beson­ders aus­län­di­sche Uni­ver­si­tä­ten ori­en­tie­ren sich  bei der Wahl ihrer Koope­ra­ti­ons­part­ner daran.
Mit der Aus­schrei­bung der zwei­ten Exzel­lenz­runde im Sep­tem­ber 2010 nahm der Wett­be­werb zwi­schen den Uni­ver­si­tä­ten eine neue Qua­li­tät an. 65 Hoch­schu­len rin­gen bun­des­weit um die För­der­mit­tel, davon allein 22 in der „Königs­klasse“ Zukunfts­kon­zept. Mit Hilfe der Lan­des­re­gie­run­gen und exter­ner Spon­so­ren haben diese Uni­ver­si­tä­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren mas­siv auf­ge­rüs­tet. Für die FU wird es schwie­ri­ger wer­den, ihre Ziele zu errei­chen. Sie hat Fol­ge­an­träge für alle bis­her geför­der­ten Pro­jekte ein­ge­reicht und hofft noch mehr Mit­tel vom Bund zu ergat­tern: Sechs wei­tere Anträge wur­den gestellt. Viel steht auf dem Spiel. Eine Nie­der­lage wäre eine Kata­stro­phe, finan­zi­ell und imagetechnisch.

2012 wer­den die Ent­schei­dun­gen bekannt­ge­ge­ben. Für Ein­rich­tun­gen, die dann nicht erfolg­reich waren, ist eine Aus­lauf­för­de­rung von einem Jahr vor­ge­se­hen, in dem sich die Uni auf die neuen Ver­hält­nisse ein­zu­stel­len hat.
Bei der Frage, wie man bei einer Nie­der­lage mit die­sem Spar­druck umzu­ge­hen gedenkt, bleibt Prä­si­dent Peter-André Alt vage. Die Gra­du­ier­ten­schu­len wolle er erhal­ten, für die Clus­ter könn­ten andere För­de­rer gefun­den wer­den. Auch die im Rah­men des Zukunfts­kon­zepts der FU eta­blier­ten Ein­rich­tun­gen wie etwa das „Cen­ter for Clus­ter Deve­lop­ment“ könn­ten „in redu­zier­tem Maß“ wei­ter­ge­führt wer­den. Aller­dings gehe man nicht vom „worst case“ aus. Zu viel Auf­wand steckt in der Bewerbung.

Eines steht fest: Das Prä­si­dium beschäf­tigt sich nicht mit einer ernst­haf­ten Not­fall­pla­nung. „Ein gutes Zukunfts­kon­zept zeich­net sich durch den Glau­ben an eine gute Zukunft aus“, meint der Prä­si­dent lapi­dar. Viel­leicht zeich­net es sich aber auch dadurch aus, dass man auf Rück­schläge vor­be­rei­tet ist.

24. Januar 2011, FURIOS 05, Politik

Kommentar schreiben