Präsident Alt bremst Akademischen Senat aus

Die neuen Kräfte im Aka­de­mi­schen Senat machen wei­ter Druck auf Prä­si­dent Alt. Der über­lässt im Zwei­fel dem Rechts­amt das letzte Wort. Doch ein Pro­blem bleibt ung­löst. Von Max Krause.

Foto: Cora-Mae Gregorschewski

Im Aka­de­mi­schen Senat ver­schafft sich die Mehr­heit, die in Oppo­si­tion zu Prä­si­dent Peter-André Alt steht, immer deut­li­cher Gehör. Am ver­gan­ge­nen Mitt­woch mach­ten die stu­den­ti­schen Ver­tre­ter zum ers­ten Mal seit Lan­gem von ihrem Grup­pen­veto Gebrauch – aller­dings mit unge­wis­sem Erfolg.

Schon zu Beginn der Sit­zung deu­tete sich ein unge­müt­li­cher Ver­lauf an. Grund war die Ent­schei­dung des Aka­de­mi­schen Senats, dem Herr­scher von Dubai, Scheich Moham­med bin Rashid Al Mak­toum die FU-Ehrenmedaille abzu­er­ken­nen. Auf Nach­frage des stu­den­ti­schen Ver­tre­ters Mathias Bar­telt musste Prä­si­dent Alt ein­räu­men, dass die Ent­schei­dung noch nicht umge­setzt wor­den sei. Nach recht­li­cher Prü­fung sei man zu dem Ergeb­nis gekom­men, dass die Zustän­dig­keit nicht beim Aka­de­mi­schen Senat liege; das Prä­si­dium werde die Aber­ken­nung vor­erst nicht vornehmen.

Ein unge­lös­tes Problem

Alt betonte, dass einer Aber­ken­nung ein sorg­fäl­ti­ger Abwä­gungs­pro­zess voran gehen müsse. Kei­nes­falls dürf­ten die guten Ver­bin­dun­gen von FU-Wissen-schaftlern in die Region belas­tet wer­den. Der im April mit gro­ßer Mehr­heit gefällte Beschluss scheint somit zur diplo­ma­ti­schen Hän­ge­par­tie zu wer­den. Gar nicht gefal­len dürfte das dem­je­ni­gen, der die Aber­ken­nung ange­sto­ßen hatte: Raúl Rojas (Exzel­lenz &Trans­pa­renz). Er und seine Unter­stüt­zer ste­hen nun mit lee­ren Hän­den da. Und der Prä­si­dent mit einem unge­lös­ten Problem.

Erneut setzte sich der Aka­de­mi­sche Senat mit dem Thema Sys­te­mak­kre­di­tie­rung aus­ein­an­der. Mit dem neuen Hoch­schul­ge­setz ist die Uni­ver­si­tät ver­pflich­tet, ein Sys­tem zur Eva­lua­tion ihrer Stu­di­en­gänge ein­füh­ren. Das Prä­si­dium hat sich für eine selbst­ver­wal­tete, uni­weite Sys­te­mak­kre­di­tie­rung gegen­über einer Pro­gramm­ak­kre­di­tie­rung aus­ge­spro­chen. Bei die­ser wür­den Stu­di­en­gänge ein­zeln geprüft. Vor Inkraft­tre­ten muss das Sys­tem von einer unab­hän­gi­gen Agen­tur zer­ti­fi­ziert werden.

Auf Antrag von Vete­ri­när­me­di­zi­ner Leo Brunn­berg (Ver­einte Mitte) wurde über die Ein­füh­rung der Akkre­di­tie­rung geheim abge­stimmt. Die stu­den­ti­schen Ver­tre­ter woll­ten den Beschluss, den Akkre­di­tie­rungs­pro­zess in Gang zu set­zen, nicht mit­tra­gen. Das Ver­fah­ren sei unde­mo­kra­tisch und zu wirt­schafts­nah, so die Kri­tik. Als letz­tes Mit­tel blieb nur noch ein Grup­pen­veto, um den Antrag, wenn schon nicht ableh­nen, doch zumin­dest auf­schie­ben zu kön­nen. Dabei ging eini­ges durcheinander.

Ver­wir­rung um das Ergebnis

Obwohl die vier Stu­die­ren­den ihre Absicht –  wie bei gehei­men Abstim­mun­gen ver­langt – vor­her ange­kün­digt hat­ten, wollte Prä­si­dent Alt das Veto bei Bekannt­gabe des Ergeb­nis­ses (ins­ge­samt 6 Nein-Stimmen) nicht ohne wei­te­res aner­ken­nen. Da eine Zuord­nung der Stim­men nach­träg­lich nicht mehr mög­lich war, ver­wies er die Ange­le­gen­heit ans Rechts­amt. Dies solle nun prü­fen, ob das Grup­pen­veto trotz­dem gül­tig sei. Damit würde der Beschluss nicht sofort in Kraft tre­ten. Der Antrag müsste dann in der nächs­ten Sit­zung erneut bera­ten werden.

Ein­ge­rich­tet wurde hin­ge­gen eine Arbeits­gruppe, die die kon­krete Aus­ge­stal­tung der Sys­te­mak­kre­di­tie­rung kon­zi­pie­ren soll. Hier setz­ten sich die lin­ken Kräfte, allen voran die Initia­tive Mit­tel­bau um Ulrike Mül­ler durch. Sie ver­hin­der­ten, dass die Arbeits­gruppe mehr­heit­lich mit Pro­fes­so­ren besetzt wird.

Viele Tages­ord­nungs­punkte konn­ten aus Zeit­grün­den nicht mehr behan­delt wer­den. Der Aka­de­mi­sche Senat kommt des­halb am 1. Juni zu einer außer­or­dent­li­chen Sit­zung zusam­men. In die­ser wird Prä­si­dent Alt unter ande­rem das Zukunfts­kon­zept vor­stel­len, mit dem sich die Freie Uni­ver­si­tät in der neuen Runde der Exzel­lenz­in­itia­tive bewirbt.

20. Mai 2011, Politik

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