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Von der Kunst, sich nicht umzubringen

Dan Rhodes: Little Hands Clapping. Rezensiert von Julian Niklas Pohl.

Eine spärlich beleuchtete Gasse, ein dunkles Gebäude, ein alter Museumswächter, der traumlos hinter einem der Fenster schläft und ein Unbekannter, der sich in einem der anderen Räume versteckt hat – so beginnt Dan Rhodes’ neues Buch Little Hands Clapping.

Rhodes begleitet einen liebeskranken Ehemann auf seinem Weg vom Witwer zum lebensfrohen Kannibalen und dokumentiert den Absturz eine portugiesische Dorfschönheit, die schließlich zur manisch- epressiven Selbstmordkandidatin wird. Die Hauptperson jedoch ist der kreidebleiche Museumswächter, dessen Geschichte und Beweggründe lange im Unklaren bleiben. Eine traumlose Nacht, ein ereignisloser Tag und das Vergnügen, die ein oder andere Spinne zwischen seinen Zähnen zermahlen zu können – dies scheint ihm zu genügen, um in einen scheintoten Zustand der Seligkeit zu gelangen. Schon auf den ersten Seiten nimmt Rhodes sein prägnantestes Stilmittel auf: Wie ein roter Faden ziehen sich kurze Passagen der Vorahnung durch das Buch. Durch gezielt eingeworfene Andeutungen lässt er den Leser weit in die Zukunft des Museums blicken. Das Museum, das nur zur Verhinderung von Selbstmorden geschaffen wurde, wird noch von Journalisten belagert und von der Polizei durchsucht werden – den Grund dafür wird man jedoch erst viele Seiten später erfahren. Durch dieses Vorgehen muss sich Rhodes gar nicht bemühen, einen Spannungsbogen zu erzeugen. Die Geschichte erzählt sich wie von selbst. Mit seiner ruhigen Sprache schickt Rhodes den Leser auf eine unkommentierte Tour in die Vergangenheit der handelnden Figuren und damit in die Abgründe des menschlichen Daseins. Fast erleichtert ist man über makabere Pointen und schwarzen Humor, wie doe Geschite vom Hund, der im Park einen menschlichen Penis samt Skrotum auskotzt. Letztendlich ist es aber die klassische kriminalistische Spannung, die das Verweilen in Rhodes’ Gruselkabinett inmitten deutscher Kleinstadtidylle zu einem wahren Vergnügen macht.

Little Hands Clapping ist ein hochintelligent erzähltes Buch, das den Leser raffiniert vom Leitmotiv des Selbstmords wegzuführen vermag und auf die letztlich zentrale Frage stoßen lässt: Welche Wege und Irrwege findet der Mensch auf seiner Suche nach dem Glück?

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