„Dem Wahren, Schönen und Guten ein kleines Zuhause bieten“ | FURIOS Online
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„Dem Wahren, Schönen und Guten ein kleines Zuhause bieten“

Er trägt den Titel  „jüngster Verleger Deutschlands“: Robert Eberhardt ist FU-Student und Gründer des „Wolff Verlags“. Kirstin MacLeod hat mit ihm über seine Leidenschaft für Bücher gesprochen.

Seit drei Jahren Verlagseigentümer: Robert Eberhardt Foto: Kirstin MacLeod

Robert, wie kommt man dazu, mit 21 seinen eigenen Verlag zu gründen?

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt gerade ein Buch geschrieben, es handelt von einem Kleindichter der Romantik, den ich wieder zum Leben erwecken wollte. Einen großen Verlag hätte das nicht interessiert. Ich wollte nicht nur Bücher schreiben, sondern Bücher machen! Es war toll, die ganze Umsetzung des Buches selbst mit erleben zu dürfen.

Welche Schwierigkeiten sind bei der Verlagsgründung aufgetreten?

Natürlich ist das Ganze ein „Learning by doing“-Prozess. Man muss die Infrastruktur aufbauen, den Kontakt zu Druckereien aufnehmen, die Vertriebswege einrichten und vor allem Ideen und Manuskripte für gute Bücher haben. Außerdem muss man bereit sein, Kompromisse einzugehen: Etwa auf die Reise nach dem Abi verzichten und das so gesparte Geld als Startkapital verwenden.

Du wusstest also schon immer, dass die Literatur deine berufliche Zukunft sein würde?

Es war eine Ahnung, die sich bis jetzt bestätigt hat. Mein Interesse an Büchern war schon immer groß, aber als ich angefangen habe zu schreiben war das natürlich noch nicht „literarisch“. Der Verlag steht ja auch erst am Anfang. Bisher sind pro Jahr zwei Bücher erschienen, dieses Jahr sollen es fünf werden.

Inwieweit hat dir dein Studium bei deiner Arbeit als Verleger geholfen?

Ich studiere Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik, dadurch hat es sich immer gut ergänzt. Viele Ideen und Kontakte habe ich meinem Studium zu verdanken.

Aber woher nimmst du zwischen Vorlesungen, Seminaren und Prüfungen die Zeit, den Verlag aufrecht zu erhalten?

Wenn man etwas wirklich mit Interesse und Leidenschaft macht, findet man immer die Zeit dazu! Es ist viel Arbeit, aber bisher habe ich immer alles unter einen Hut bekommen und hatte vor allem Spaß dabei. Außerdem bin ich ja nicht auf mich allein gestellt. Zusammen mit mir wirken noch vier weitere Literaturbegeisterte im Verlag mit.

Was gefällt dir am meisten an der Arbeit eines Verlegers?

Ich darf interessante Menschen treffen und dabei eine Tätigkeit ausführen, die am Ende auch noch meistens wertgeschätzt wird. Es ist einfach ein tolles Gefühl, wenn ein Buch erscheint, den Weg zum Leser und später in die Bibliotheken der Welt findet. Gerade in der „digitalen Zeit“ ist das ein nur vermeintlicher Anachronismus, dessen Wert Freunde des Verlags und Kunden aber sehr schätzen.

Wie stehst du denn zu Aussagen wie „Papier ist ein totes Geschäft, in Zukunft passiert alles online“?

Ich setzte mich bewusst für das gedruckte Wort ein! Mein Herz hängt am Produkt Buch: Etwas Handfestes, mit Optik und Inhalt – und zur Not kann man jemanden damit erschlagen (lacht). Tinte auf Papier ist eben kein Blogpost, der am nächsten Tag vergessen ist! Ein Buch kann fünf Jahre im Regal ruhen, dann schlägt man es wieder auf und entdeckt es neu.

Von e-Books hältst du also nichts?

Ich habe noch nie wirklich eins gelesen. In unserem Verlag legen wir den Fokus auf die „klassischen“ Bücher. Persönlich gehört für mich zum Lesen auch das Umblättern von Seiten, sei es bei einer Zeitung oder bei Büchern.

Du warst mit deinem Verlag schon zweimal auf der Frankfurter Buchmesse. Hast du das Gefühl, dass du dort trotz deines Alters ernst genommen wirst?

Natürlich ist es etwas besonderes, mit Anfang Zwanzig in Frankfurt seinen eigenen Stand zu haben. Man wird zunächst nur wahrgenommen. Ernst genommen wird man, wenn die Qualität der Bücher es erlaubt. Die eigene Bekanntheit steigt ja auch mit der Anzahl der Messen. Ich freue mich schon sehr auf die kommende Buchmesse, denn die letzten beiden waren zwei sehr spannende Wochen meines Lebens. Ich durfte so viele interessante Menschen kennen lernen und die Luft auf dem Buchmarkt schnuppern, das war einfach toll! Neulich traf ich zufällig Wladimir Kaminer, der mir orakelhaft sagte: „Die großen Verlage werden klein und die kleinen groß.“

Was hältst du von Kaminers Aussage?

Er hat es auf den Punkt gebracht. Wenn man rückblickend die Geschichte eines Jahrzehnts schreiben möchte, schaut man immer auch auf die damals jungen Verlage. Das Kreative dieser Zeit wurde dort gebunden, oft in kleinen Auflagen. Ernst Rowohlt und Samuel Fischer sind noch heute jedem Leser bekannt, weil ihre Verlage heute zu Großkonzernen gehören und wahre Buchfarbiken sind. Die meisten Verlage und Verleger der Vergangenheit sind verschwunden, haben aber trotzdem für Literatur und Gesellschaft Werte im wahrsten Sinne des Wortes geschaffen. Heute bombardieren die Konzerne den Markt mit zehntausenden Neuerscheinungen und die unabhängigen kleinen Verlage bringen wenige, dafür aber spannende Bücher heraus. „Klein“ und „Groß“ sind daher nur bedingt an den Umsatzzahlen zu messen.

Wo siehst du dich in zwanzig Jahren? Bei den „Großen“?

Der Wolff Verlag ist größer geworden und ich verlege mehr Bücher im Bereich Literatur und Kunst. Im März eröffnen wir einen Projektraum mit Buchverkauf in Berlin-Mitte. Für unseren Verlag halten wir ständig Ausschau nach Studenten der Geisteswissenschaft mit interessanten Publikationen. Im Projektraum kann jeder gern an uns herantreten! So pathetisch es klingen mag, aber ich will dem Wahren, Schönen und Guten ein kleines Zuhause bieten. Die Zeiten werden rauer. Die Gesellschaft wird Verlage als Refugium für Poesie und Kunst und andererseits als Sprachrohr für Neues wertschätzen.

Zur Person

Vor drei Jahren beschloss Robert Eberhardt, einen Verlag zu gründen und bekam von der Branche prompt den Stempel „jüngster Verleger Deutschlands“ aufgedrückt. Heute ist er 24 Jahre alt und mit seinem „Wolff Verlag“ auf der Erfolgsspur. Von Heidelberg über Cambridge und Paris führte ihn sein Studium der Geschichte, Kunstgeschichte und Germanistik nach Berlin. Zurzeit bereitet er an der FU seine Abschlussarbeit zum Thema „Schrift-Bild-Verschränkungen um 1800“ vor.

Neugierig geworden? www.wolffverlag.de

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