„Prügel-Präsi“ wieder „ausgerastet“?

Wäh­rend der Bege­hung zur Exzel­lenz­in­itia­tive sei mit Zustim­mung des Prä­si­di­ums Gewalt gegen pro­tes­tie­rende Stu­den­ten ange­wen­det wor­den, behaup­ten Bil­dungs­strei­kende. In einer Sit­zung des Aka­de­mi­schen Senats äußerte sich Prä­si­dent Alt zu den Vor­wür­fen. Von Flo­rian Schmidt

Das Ver­hält­nis zwi­schen den Akteu­ren der FU-Bildungsproteste und dem Prä­si­dium der Freien Uni­ver­si­tät ist spä­tes­tens seit der poli­zei­li­chen Räu­mung des besetz­ten Semi­nar­zen­trums ver­gan­ge­nen Novem­ber denk­bar schlecht. Obwohl wäh­rend der Räu­mung nie­mand zu Scha­den gekom­men war, kur­sierte danach ein mehr­sei­ti­ges „AStA-Info“-Blatt mit dem Titel „Prügel-Präsi ras­tet aus“. Titel­bild: eine Foto­mon­tage von Prä­si­dent Peter-André Alt mit einem Schlag­stock. Nun schei­nen die Bezie­hun­gen einen neuen Tief­punkt erreicht zu haben: Wäh­rend der Bege­hung zur Exzel­lenz­in­itia­tive vor zwei Wochen hatte das Gre­mium um Prä­si­dent Alt und Kanz­ler Peter Lange einen pri­va­ten Sicher­heits­dienst enga­giert, der den Henry-Ford-Bau vor pro­tes­tie­ren­den Stu­den­ten abschirmte – „mit Gewalt“, behaup­ten die Proteststudenten.

In einer Sit­zung des Aka­de­mi­schen Senats am Mitt­woch hat sich das Prä­si­dium zu den Gescheh­nis­sen geäu­ßert. Rund 30 Stu­den­ten waren als Gäste anwe­send, um ihren Vor­wür­fen Nach­druck zu ver­lei­hen. Ihnen ging es einer­seits um Betei­li­gung und Anhö­rung bezüg­lich der Exzel­lenz­in­itia­tive, ande­rer­seits um die kon­kre­ten Vor­fälle rund um den Henry-Ford-Bau. Dort seien die ange­heu­er­ten Sicher­heits­leute, die laut Anwe­sen­den „teils ein­deu­tig aus dem Tür­steher­mi­lieu stamm­ten“, mit Gewalt gegen demons­trie­rende Stu­den­ten vorgegangen.

Die Demons­tran­ten war­fen Prä­si­dent Alt vor, dies tole­riert zu haben und ver­lang­ten zu erfah­ren, aus wel­chem Grund das Sicher­heits­per­so­nal über­haupt vor Ort gewe­sen sei. Fer­ner unter­stell­ten die Stu­den­ten dem Prä­si­dium indi­rekt, das raue Vor­ge­hen gewollt oder gar for­ciert zu haben.

„Wir haben das Sicher­heits­per­so­nal beauf­tragt, den Henry-Ford-Bau zu schüt­zen“, ent­geg­nete Alt. Es sei darum gegan­gen, Stö­run­gen wäh­rend der Bege­hung zu ver­mei­den. Zudem sollte auch der Lehr­be­trieb, der wäh­rend der Bege­hung regu­lär statt­ge­fun­den habe, unge­stört blei­ben. Aus die­sem Grund hät­ten ledig­lich Stu­den­ten das Gebäude betre­ten dür­fen, die dort zur frag­li­chen Zeit auch Vor­le­sun­gen besuchten.

„Haben Sie Angst vor Ihren Stu­die­ren­den?“ fragte einer der Gäste. Alt rea­gierte gelas­sen. Natür­lich habe man keine Angst vor den Stu­den­ten. Das Sicher­heits­per­so­nal habe ledig­lich dafür sor­gen sol­len, dass die Bege­hung zur Exzel­lenz­in­itia­tive mög­lichst rei­bungs­los ablau­fen konnte.

„Also Gesichts­wah­ren durch Gewalt“, kam die Ent­geg­nung. Doch auch die­sen Vor­wurf wies Alt ent­schie­den zurück: „Es ist gera­dezu zynisch von Ihnen, zu behaup­ten, dass wir Gewalt ange­ord­net hät­ten.“ Es sei gar nicht bewie­sen, dass das Sicher­heits­per­so­nal gewalt­sam vor­ge­gan­gen sei. Das Prä­si­dium habe dies­be­züg­lich eigene Unter­su­chun­gen ange­stellt, um sich ein Bild zu machen. Das Ergeb­nis: „Wir kön­nen aus­schlie­ßen, dass Gewalt statt­ge­fun­den hat.“

Diese Äuße­rung Alts brachte das Fass offen­bar zum Über­lau­fen. Nach­dem sie den Sit­zungs­ver­lauf schon zuvor mit zahl­rei­chen Zwi­schen­ru­fen, Pfif­fen und Urlau­ten gestört hat­ten, mach­ten die Gäste ihrem Ärger nun durch laut­star­kes Getram­pel Luft. Doch weil das Prä­si­dium der Behand­lung der Vor­würfe bereits mehr als eine Stunde der Sit­zungs­zeit ein­ge­räumt hatte, ging der Aka­de­mi­sche Senat schließ­lich zur Tages­ord­nung über.

Anmer­kung der Redak­tion: Miss­ver­ständ­li­che For­mu­lie­run­gen im Text wur­den ersetzt. (18.02.2012) Ergän­zung: In der ursprüng­li­chen Ver­sion des Arti­kels wur­den die pro­tes­tie­ren­den Stu­den­ten irr­tüm­lich pau­schal als AStA-Mitglieder oder   –Anhän­ger bezeich­net. (20.02.2012)

17. Februar 2012, Online, Politik

7 Kommentare

  1. Das ist die dreis­teste Falsch­dar­stel­lung, die ich bis­her im hoch­schul­po­li­ti­schen Kon­text gele­sen habe. Offen­bar ist jetzt jede Stu­den­tin und jeder Stu­dent, der pro­tes­tiert, sich äußert oder in einem Gre­mium sitzt, vom AStA. Gehts noch? Das waren Stu­die­rende von den Bil­dungs­pro­tes­ten, auch die AS-Vertreter_innen sind nicht vom AStA. Wie kannst Du so einen Quatsch schreiben?

    Comment von fragend — 17. Februar 2012, 20:38

  2. Albern. An der Stelle des AStAs würde ich hier eine Gegen­dar­stel­lung for­dern. Immer­hin waren es Bil­dungs­pro­test­ler und keine Referent_innen oder gar ein gan­zes kol­lek­ti­ves Organ… das hier geschrie­bene ent­springt eher dem Schwarz-Weiss-Denken des Autors.

    Comment von xyz — 17. Februar 2012, 23:45

  3. Umge­kehrt liest man in sol­chen Bei­trä­gen immer davon, dass die Sicher­heits­leute unbe­grün­det Gewalt aus­tei­len, wenn fried­li­che Demons­tran­ten ihre Anlie­gen vor­brin­gen. Nun habe ich diverse linke Demos erlebt und eins fest­ge­stellt: Die Vor­stel­lung von »fried­lich« wird da sehr weit gedehnt. Sicher­heits­kräfte wer­den gezielt pro­vo­ziert und kleine, im durch die Pro­tes­tan­ten begon­ne­nen Gewu­sel begrün­dete Schub­ser wer­den zu bru­ta­len Gewalt­at­ta­cken sti­li­siert. Die Kerle müs­sen nur da ste­hen und nie­man­den durch­las­sen, wo nie­mand durch­ge­hen soll, und wer­den zu Schlä­gern genannt. Das »Tür­steher­mil­lieu« ist jeden­falls eben­falls eine sehr ten­den­ziöse, grund­sätz­li­che abwer­tende Bezeich­nung einer gan­zen Berufs­gruppe, die den Stand­punkt der Lin­ken wider­spie­gelt, aber kei­nen neu­tra­len Bericht.

    Fakt ist: Es gibt Stu­den­ten an der Uni, die nut­zen jeden Scheiß dazu, sich zu pro­fi­lie­ren, und scha­den sich nach­her selbst. For­de­run­gen nach mehr Lehre sind wun­der­bar und unter­stüt­zens­wert, aber wenn es jemals eine Initia­tive für gute Lehre geben wird, dann wer­den die Gel­der nicht an Wald-und-Wiesen-Unis gehen, so rea­lis­tisch muss man doch mal sein. Des­wei­te­ren sind gute Leh­rer heute eben oft­mals auch gute For­scher, und der Effekt kommt dadurch sekun­där zum Tragen.

    Träumt wei­ter von der Revo­lu­tion gegen das Sys­tem, aber effek­ti­ver ändert sich ein Sys­tem von innen heraus.

    P.S. Miss­ver­ständ­li­che For­mu­lie­run­gen zu kor­ri­gie­ren, ist eine Sache, aber der Trans­pa­renz för­der­lich wäre es, das Ori­gi­nal oder zumin­dest die ver­än­der­ten Pas­sa­gen kennt­lich zu machen.

    Comment von Jakob — 20. Februar 2012, 9:50

  4. Lie­ber Jakob,

    wir waren der Ansicht, dass die Bei­träge dei­ner Vor­red­ner ersicht­lich machen, was wir ver­än­dert haben. Aber du hast recht. Die Anmer­kung wird ergänzt.

    FURIOS Redak­tion

    Comment von Maeggi — 20. Februar 2012, 10:00

  5. @Jacob,
    Auf unzäh­li­gen Demos habe ich schon erlebt, dass zivile Poli­zei­kräfte pro­vo­zie­ren, um die Poli­zei­ge­walt zu recht­fer­ti­gen und die Demons­tran­ten zu dis­kre­di­tie­ren.
    Ehe Du sol­che ein­sei­ti­gen Urteile abgibst,wie in dei­nem Text, schau mal bes­ser hin auf den Demos. Falls Du da über­haupt hin­gehst, was ich stark bezwei­fel.
    Die Zahl der Über­griffe und bru­tale Gewalt, ein­schließ­lich den Rechts­brü­chen liegt ein­deu­tig auf Sei­ten der Poli­zei und Juris­tik­tion. Die Mit­tel, die dem Volk blei­ben, sind Ohn­macht oder Traum­schiff schauen.
    Ohn­macht gegen­über einem Sys­tem, dass immer kapi­ta­lis­ti­scher und unbar­her­zi­ger wird. Traum­schiffe erwischt es jetzt auch schon.

    Poli­ti­ker müs­sen heut­zu­tage bei Fehl­grif­fen aus ihren Ämter geprü­gelt wer­den, zei­gen sich unein­sich­tig, wer­den auch noch unter­stützt und tau­chen nach eini­ger Zeit schon wie­der in der Poli­tik auf.

    Zu Dei­nem nächs­ten Argument:

    »Träumt wei­ter von der Revo­lu­tion gegen das Sys­tem, aber effek­ti­ver ändert sich ein Sys­tem von innen heraus.«

    Der Satz ist eine när­ri­sche Her­aus­for­de­rung. Wer sol­len denn die inne­ren Kräfte sein? Stu­den­ten gehö­ren Dei­ner mei­nung nicht dazu, das ist selt­sam. Was ist für Dich innen und was außen?
    Stu­den­ten gehö­ren auch zum Volk, haben das Wahl­recht und haben auch das Recht zu demons­trie­ren.
    Ver­än­de­rung geht vom Volk aus und dazu gehö­ren auch Stu­den­ten.
    Wenn Du den »Marsch durch die Insti­tu­tio­nen« meinst, dann ist der kläg­lich geschei­tert, wie man an den Grü­nen sieht. Wenn das die inne­ren Kräfte sein sol­len, dann Träume Du mal wei­ter und dazu noch vom jüngs­ten Tag und der Erlö­sung, einer Armee aus Gum­mi­bär­chen und dem Rächer von Wit­wen und Wai­sen.
    Vaya con dios!

    Comment von Schallalala — 20. Februar 2012, 13:18

  6. »Des­wei­te­ren sind gute Leh­rer heute eben oft­mals auch gute Forscher…«

    Ori­gi­nelle These!

    Hast Du, Jakob, den Gedan­ken alleine gehabt […]?
    (Gelöscht. Bitte ver­zichte auf Belei­di­gun­gen. Die Redaktion.)

    Meine Leh­rer an der Schule haben alle nicht geforscht. Mein Yoga-Lehrer forscht auch nicht. Der Fahr­leh­rer auch nicht…usw…

    Comment von xyz — 20. Februar 2012, 13:34

  7. Wurde dazu was in der letz­ten Stu­pa­sit­zung gesagt? Gibt es dazu einen Artikel??

    Comment von Bielefeld-Native — 23. Februar 2012, 16:15