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Vorhang auf für die Wissenschaft

Das FU-Projekt „Science & Theatre“ versucht Wissenschaft und Dramaturgie zusammenzuführen. Wie das gelingen kann, zeigt nun das ungewöhnliche Theaterstück „Photograph 51“ von Anna Ziegler über die Wissenschaftlerin Rosalind Franklin und ihre revolutionäre Entdeckung der Doppelhelix-Struktur der DNA. Von Kirstin MacLeod

Anna Cramer als Rosalind Franklin in „Photograph 51“. Foto: ETB

Noch vor knapp 60 Jahren waren Frauen in der Wissenschaft eine Seltenheit und hatten oft mit Geschlechterklischees zu kämpfen. Eine von ihnen war Rosalind Franklin, die 1953 die Röntgenaufnahme „Photograph 51“ in den Händen hielt, auf der zum ersten Mal die Doppelhelix-Struktur der DNA zu sehen war. Diese revolutionäre Entdeckung wurde ihr zu ihren Lebzeiten jedoch nie zugesprochen.

Das gleichnamige Theaterstück „ Photograph 51“ von Anna Ziegler wurde im Rahmen des Projekts „Science& Theatre“ am Englischen Theater in Zusammenarbeit mit Mikrobiologen und Doktoranden der Freien Universität umgesetzt. Die Wissenschaftler beschäftigten sich im Vorfeld mit dem wissenschaftlichen Hintergrund des Stücks und tauschten sich später mit den Schauspielern über die ihnen meist fremden Themen aus.

Mit dem Projekt sollen neben dem klassischen Theaterpublikum besonders Wissenschaftler und wissenschaftlich Interessierte angesprochen werden. Dennoch steht das menschliche Verhältnis zur Wissenschaft und nicht die Wissenschaft selbst im Vordergrund. „Photograph 51“ ist das vierte Projekt, das auf diese Weise den Weg auf die Bühne des Englischen Theaters gefunden hat.

Das Konzept von „Science & Theatre“ erinnert ein wenig an Infotainment und ist für ein Theaterstück sehr ungewöhnlich: Historische Zusammenschnitte, wissenschaftliche Erklärungen und Dramaturgie vermischen sich, wenn die Darsteller mitten im Spiel erklären, wie die Replikation der DNA funktioniert.

Die Emotionen der Figuren dominieren das zentrale Handlungsgeschehen von „Photograph 51“: Innere Monologe unterbrechen immer wieder die Handlung, um auszudrücken, was gedacht, aber nicht ausgesprochen wird. Rosalind Franklin, die als Jüdin Antisemitismus und Geschlechterklischees ihres Kollegen Maurice Wilkins ertragen muss, wird als starke und selbstbestimmte Frau dargestellt.

Die Figur Rosalind Franklin ist jedoch eine Einzelgängerin: Statt mit ihren Kollegen zusammen zu arbeiten, forscht sie lieber für sich allein. Dieses Selbstbewusstsein wiederum geht zu Lasten ihrer Arbeit. Franklin gelingt zwar die Röntgenaufnahme „Photograph 51“, doch sie ist allein nicht in der Lage, ihre Forschungsergebnisse richtig zu deuten. Es sind ihre Konkurrenten James Watson und Francis Crick aus Cambridge und ihrem Kollegen Maurice Wilkins, die 1962 mit dem Nobelpreis für Franklins Arbeit belohnt werden.

Die Wissenschaft in das Theater zu integrieren, wie es „von Science & Theatre“ angestrebt wird, gelingt nicht auf ganzer Linie. Leider, denn an glaubwürdig gespielten, emotionalen und amüsanten Momenten mangelt es nicht. „Photograph 51“ ist gute Unterhaltung für Wissenschaftslaien, die gern einen Abend lang einem authentischen Oxford-Akzent lauschen und das ein oder andere vergessene Oberstufen-Biologiewissen nebenbei auffrischen möchten.

Ein Kommentar

  • Endlich: RF war eine wirklich tragische Figur und wird gern vergessen. Viele Wissenschaftler fühlen sich eher unwohl, dass sie nie die Anerkennung bekam, die sie verdient, auch dass sie so jung starb. James Watson wird zugeschrieben, dass er davon profitierte und dazu beitrug, ihren Beitrag „verblassen“ zu lassen. Schöner Artikel!

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