Strom für mehr als zwölf Millionen Euro

Maxi­mal 18 Grad warm ist es in den Gän­gen der FU-Gebäude – eine Kon­se­quenz des Strom­spa­rens. Trotz­dem ver­braucht die Uni so viel Ener­gie wie eine Klein­stadt. Auf einem Rund­gang ent­deckte Rani Nguyen, was die größ­ten Strom­fres­ser sind.

Acht Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen ste­hen auf den Dächern der FU. Foto: Rani Nguyen

Eine sil­berne Metall­treppe gleich neben der Rost– und Sil­ber­laube ist der Zugang zum Herz der FU. Ein qua­dra­ti­scher Raum, der nur sel­ten betre­ten wird. Der Luft­zug über dem Beton­bo­den wir­belt den Staub der ver­gan­ge­nen Jahr­zehnte auf. In der Mitte des Raums türmt sich ein grü­ner ver­al­te­ter Metall­kas­ten auf, der mit drei roten Kabeln ver­bun­den ist. „33 Mil­lio­nen Kilo­watt­stun­den Strom flie­ßen hier pro Jahr durch“, sagt Ulrich Mitschke, Elek­tro­in­ge­nieur an der FU und zustän­dig für die Strom­ver­sor­gung. Der Metall­kas­ten schwächt die gesamte Ener­gie, die in dem Raum als Stark­strom ankommt, auf haus­halts­üb­li­chen 230-Volt-Strom ab. Strom, der für etwa 10.000 Haus­halte jähr­lich reicht.

Mit die­sem Ein­blick beginnt der Ener­gie­rund­gang an der FU, der Auf­takt­ver­an­stal­tung der Hoch­schul­tage „Sus­tain IT!“, die vom 4. bis 6. Juni in der Rost– und Sil­ber­laube statt­fin­den. Work­shops, Dis­kus­sio­nen und Filme sol­len dabei zum Nach­den­ken über Nach­hal­tig­keit und Kli­ma­schutz anregen.

Gleich­zei­tig möchte die FU mit den Hoch­schul­ta­gen zei­gen, wel­chen Bei­trag sie zur Nach­hal­tig­keit der Erde leis­tet. „In den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren haben wir den Ener­gie­ver­brauch um 25 Pro­zent redu­ziert“, sagt Andreas Wanke, der Lei­ter des Arbeits­be­reichs Ener­gie und Umwelt an der FU. Den­noch gab die FU im ver­gan­ge­nen Jahr ins­ge­samt 12,5 Mil­lio­nen Euro für ihren Ener­gie­be­darf aus.

Wohin das Geld indi­rekt fließt, wird deut­lich beim zwei­ten Stopp der Tour. Es geht zu eini­gen der größ­ten Strom­fres­sern der Uni. Diese befin­den sich in der IT-Zentrale der Zedat, in der Fabeck­straße. Dort ste­hen die Ser­ver, auf denen alle Daten der FU-Rechner lagern. Damit sie nicht zu heiß wer­den, müs­sen drei 210 PS starke Käl­te­mo­to­ren Tag und Nacht arbei­ten. In der Ser­ver­halle riecht es nach ver­schmor­tem Plas­tik, über­all surrt es. Mela­nie Thie, zustän­dig für das „Ener­gie­con­trol­ling“ der Zedat, muss laut spre­chen, als sie erklärt, wie auch hier Strom gespart wird: „Mitt­ler­weile wer­den die Ser­ver nur noch auf 20 Grad her­un­ter­ge­kühlt, frü­her waren es 15 Grad.“

Doch sind die IT-Anlagen der FU nicht die ein­zi­gen Strom-Großverbraucher. 15 Pro­zent des Gesamt­en­er­gie­be­darfs der FU ent­fal­len allein auf die Rost– und Sil­ber­laube, wie Energie-Spezialist Wanke auf dem Rück­weg zum Haupt­ge­lände der Uni erklärt. Zwar konn­ten die Wär­me­kos­ten durch neue Reg­ler an den Hei­zun­gen und eine Tem­pe­ra­tur­sen­kung in den Gän­gen auf 16 und 18 Grad Cel­sius gesenkt wer­den. Eine wei­tere Sanie­rung der Gebäude ist jedoch trotz­dem nötig. Beson­ders die Rost­laube sei inef­fi­zi­ent, sie ver­braucht pro Qua­drat­me­ter bei­nahe dop­pelt so viel Ener­gie wie die neuere Silberlaube.

Auf den Dächern des Zwil­lings­baus ist davon nicht zu spü­ren. Hier fin­det die Füh­rung ihren Abschluss. Durch die vie­len Blu­men und Büsche fühlt man sich wie in einem Gar­ten. Doch auch hier tut die Uni etwas für ihre Nach­hal­tig­keits­bi­lanz. Zwi­schen lila­far­be­nen Blu­men und grü­nen Grä­sern erstre­cken sich Solar­zel­len über die Dächer.

Diese Anla­gen wur­den vor drei Jah­ren gebaut. Aller­dings seien sie nicht beson­ders effi­zi­ent, weil die Posi­tio­nie­rung nicht opti­mal ist, erklärt Wanke. Immer­hin aber decken sie ein Sieb­tel des Strom­be­darfs der Rost– und Sil­ber­laube. Der­zeit befin­den sich acht Solar­an­la­gen auf den Dächern.

Im Ver­hält­nis zum Gesamt­en­er­gie­be­darf ist das aller­dings nur ein Trop­fen auf dem hei­ßen Stein. Deut­lich weni­ger als ein Pro­zent des Bedarfs spei­sen die Anla­gen in das Netz ein. Aus die­sem Grund betreibt die FU die Anla­gen nicht selbst – sie sind ein stu­den­ti­sches Unternehmerprojekt.

Doch die FU ist ehr­gei­zig und möchte mehr spa­ren. Bis 2015 soll der Ener­gie­ver­brauch um wei­tere zehn Pro­zent sin­ken. Man müsse die Men­schen erzie­hen, um wei­tere Ener­gie zu spa­ren, meint Wanke. „Ein gekipp­tes Fens­ter ist nichts ande­res als Ener­gie­ver­schwen­dung“, sagt er. Die Kos­ten wird die FU hin­ge­gen ver­mut­lich nicht so stark ver­min­dern kön­nen. In den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren sind die Strom­kos­ten um 90 Pro­zent gestiegen.

4. Juni 2012, Campus, Online

1 Kommentar

  1. Liebe FURIOS Redaktion,

    offen­sicht­lich kam es beim Ener­gie­rund­gang zu eini­gen Miss­ver­ständ­nis­sen, was wohl dar­auf zurück­zu­füh­ren ist, dass bei einem sol­chen Rund­gang per­ma­nent zwi­schen Vor­trags– und Gesprächs­si­tua­tio­nen gewech­selt wer­den muss. Fol­gende Rich­tig­stel­lun­gen möchte ich vor­neh­men:
    1) Über­schrift: die ins­ge­samt 12,5 Mrd. Euro bezie­hen sich nicht nur auf Strom son­dern Ener­gie (also incl. Wärme)
    2) Zeile 1: Auch die abge­senkte Tem­pe­ra­tur ist keine Folge des Strom– son­dern des Ener­gie­spa­rens (es geht ja um Wärme)
    3) 4. Absatz des Haupt­tex­tes, Zeile2: Rost– und Sil­ber­laube machen nicht 15 Pro­zent des Ener­gie­ver­brauchs, son­dern ca. 15 Pro­zent der Gesamt­flä­che der FU aus.
    4) 4. Absatz, letzte und vor­letzte Zeile: Rost– und Sil­ber­laube sind ver­tauscht. Die Sil­ber­laube ver­braucht pro Qua­drat­me­ter fast dop­pelt so viel Wärme wie die hin­sicht­lich der Gebäu­de­hülle sanierte Rost­laube
    5) 6. Absatz: Die Solar-Anlagen wur­den vor drei Jah­ren (Rost­laube) und 1,5 Jah­ren (Sil­ber­laube) gebaut. Die Aus­sage, dass sie nicht beson­ders effi­zi­ent seien, kann ich nicht nach­voll­zie­hen. Die Anla­gen sind eigent­lich nahezu opti­mal aus­ge­rich­tet. Der Auf­stell­win­kel der Module könnte noch etwas stei­ler sein, was aus sta­ti­schen Grün­den nicht mög­lich war. Ver­mut­lich habe ich aber eher the­ma­ti­siert, dass die Strom­er­zeu­gung trotz der gro­ßen Solar­flä­che einen eher beschei­de­nen Bei­trag für die Gesamt­en­er­gie­bi­lanz der FU leis­tet, was ja im fol­gen­den Absatz dann kommt.
    6) 7. Absatz: die PV-Anlagen auf den ins­ge­samt 8 Dächern erzeu­gen in etwa 570.000 Kilo­watt­stun­den jähr­lich. Dies ent­spricht einem Anteil von 1,3 Pro­zent des Gesamt­strom­be­darfs
    7) 8. Absatz: Nur ein Drit­tel der Anlage auf der Rost­laube gehen auf die Stu­die­ren­den­in­itia­tive Uni­So­lar zurück — nicht etwa alle PV-Anlagen.

    Mit freund­li­chen Grüßen

    Andreas Wanke

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    Andreas Wanke
    Koor­di­na­tor für Ener­gie– und Umwelt­ma­nage­ment
    Stel­len­zei­chen: III 3

    Freie Uni­ver­si­tät Ber­lin
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    Comment von Andreas Wanke — 3. August 2012, 08:30