Nix Niete – Die FU bleibt Elite

Die Freie Uni­ver­si­tät behält ihren Elite-Status. Am 15. Juni ent­schied die Jury über die Bewer­ber der Exzel­lenz­in­itia­tive. Auch in Zukunft darf die FU auf För­der­gel­der zäh­len. Alle FU-Mitarbeiter fei­er­ten das bei einem Som­mer­fest. Vero­nika Völ­lin­ger und Flo­rian Schmidt sam­mel­ten Eindrücke.

Sommerfest

Auf dem Som­mer­fest der FU-Mitarbeiter ver­kün­dete Uni­ver­si­täts­prä­si­dent Peter-André Alt die frohe Kunde: Auch die nächs­ten fünf Jahre bleibt die FU exzel­lent. Foto: Fabian Hinsenkamp

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Mit die­sen Wor­ten ließe sich beschrei­ben, wie das Som­mer­fest der FU-Mitarbeiter sei­nen Anfang nahm. Eine Lein­wand stand im Mit­tel­punkt der Bli­cke – die Deut­sche For­schungs­ge­sell­schaft hatte den Live-Stream der Pres­se­kon­fe­renz groß ange­prie­sen, bei der die Gewin­ner des dies­jäh­ri­gen Exzel­len­z­wett­be­werbs bekannt gege­ben wer­den soll­ten. Doch die Tech­nik ver­sagte, die Seite war überlastet.

So wurde FU-Präsident Peter-André Alt selbst die Ehre zuteil, den Gäs­ten zu ver­kün­den: Die Ent­schei­dung der Jury ist posi­tiv aus­ge­fal­len, die FU behält ihren Elite-Status. „Das ist ein glück­li­cher, befrie­di­gen­der und zukunfts­träch­ti­ger Tag für die FU. Die Arbeit hat sich gelohnt“, sagte Alt, der auch gleich einen der Gründe für die Ent­schei­dung lie­ferte: „Keine deut­sche Uni­ver­si­tät hat so viele Gra­du­ier­ten­schu­len wie wir.“ Ins­ge­samt hat die FU nun acht, die der Cha­rité inbe­grif­fen. „Mit den Ost­asi­en­stu­dien kam sogar eine neue hinzu.“ Das sei Grund zu fei­ern, sagte Alt in sei­ner Festrede.

Einen Wer­muts­trop­fen aber gebe es, bedau­erte der Prä­si­dent: Der Exzel­lenz­clus­ter „Lan­gua­ges of Emo­ti­ons“ wird nicht län­ger geför­dert. Zwar flie­ßen die Gel­der noch für eine Über­gangs­zeit von eini­gen Mona­ten wei­ter – danach aber ist Schluss. Ein Groß­teil der Stel­len fällt dann weg. Trotz­dem sei der Wis­sen­schafts­stand­ort Ber­lin jetzt „dop­pelt stark“, sagte Alt und beglück­wünschte die Hum­boldt Uni­ver­si­tät. Die HU konnte sich in die­ser Runde des Exzel­len­z­wett­be­werbs das erste Mal durch­set­zen und erhält nun eben­falls För­der­gel­der. Von dem 2,7 Mil­li­ar­den Euro schwe­ren För­der­topf pro­fi­tie­ren nun elf Uni­ver­si­tä­ten in Deutschland.

Gerade das kri­ti­siert Mathias Bar­telt, Stu­den­ten­ver­tre­ter im Aka­de­mi­schen Senat (AS). „Der Para­dig­men­wech­sel ist nun mani­fes­tiert“, sagte er gegen­über FURIOS. Die ohne­hin stark geför­der­ten Unis bekä­men noch mehr Geld, die schwä­che­ren Hoch­schu­len blie­ben auf der Stre­cke. „Die Exzel­lenz­in­itia­tive hat eine Dop­pel­struk­tur geschaf­fen – sowohl inner­halb der Hoch­schu­len als auch zwi­schen ihnen.“

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Die Gäste des FU-Sommerfests war­ten gespannt auf das Ergeb­nis des Exzellenzwettbewerbs

Bar­telts Kri­tik zielt auf die Ver­nach­läs­si­gung der Lehre ab. Denn die Elite-Gelder kämen pri­mär der For­schung und damit nicht den Stu­den­ten zugute. Alt wie­gelte ab und ver­si­cherte im Gespräch: „Die Lehre wird nicht abge­baut. Im Gegen­teil: Durch die Gel­der wer­den wir die Lehr­qua­li­fi­zie­rung ver­bes­sern.“ Kon­kret hieße das: Wis­sen­schaft­ler von außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen wie dem Max-Planck-Institut könn­ten bald an der FU for­schen – und auch unter­rich­ten. Mit­hilfe von Elite-Geldern wür­den zudem Nach­wuchs­wis­sen­schaft­ler fit für die Lehre gemacht.

Die För­der­pe­riode 2012 bis 2017 ist die letzte der Exzel­lenz­in­itia­tive von Bund und Län­dern. In fünf Jah­ren müs­sen sich die Gra­du­ier­ten­schu­len und Exzel­lenz­clus­ter über Dritt­mit­tel selbst finan­zie­ren, um nicht geschlos­sen zu wer­den. „Ich bin aller­dings zuver­sicht­lich, dass das klappt“, sagte Alt. Für die Zeit danach hat Mathias Bar­telt bereits einen Vor­schlag: „Die jet­zige För­de­rung hat die For­schung im Blick. Warum nicht eine Exzel­lenz­in­itia­tive für Lehre starten?“

Nach dem offi­zi­el­len Teil fei­er­ten die FU-Mitarbeiter ihren Erfolg beim all­jähr­li­chen Som­mer­fest. Die Uni­lei­tung schien den Erfolg geahnt zu haben: Die Party der Uni­ver­si­täts­mit­ar­bei­ter legte sie genau auf den Tag der Bekannt­gabe – schon Wochen, bevor die Sie­ger des Exzel­len­z­wett­be­wer­bes fest­stan­den. Trotz­dem fiel auf der Party von eini­gen Mit­glie­dern des Prä­si­di­ums sicht­lich die Anspan­nung. Der enga­gierte Clown, auch Kon­takt­jon­gleur genannt, musste nie­man­den trös­ten und auch der XXL-Kicker, das Tor­wand­schie­ßen und die Percussion-Trommelgruppe ver­bes­ser­ten die Atmo­sphäre kaum. Die Stim­mung war ohne­hin präch­tig: Die FU bleibt Elite – und fei­ert sich selbst.

16. Juni 2012, Allgemeines, Campus, Online

2 Kommentare

  1. Liebe »Furios«-Redaktion,

    da habt Ihr an einem Punkt wohl etwas miß­ver­stan­den oder es war zu laut im Hin­ter­grund. Daher eine Berich­ti­gung, obwohl ich das bereits bei der Befra­gung deut­lich gesagt hatte:

    Ihr schreibt mir in Eurem vor­letz­ten Absatz zu:
    „Die jet­zige För­de­rung hat die For­schung im Blick. Warum nicht eine Exzel­lenz­in­itia­tive für Lehre starten?“

    Genau dage­gen habe ich mich eben­falls aus­ge­spro­chen, weil es das Grund­pro­blem nicht löst: die Ungleich-Verteilung der in der Breite gekürz­ten Gel­der nach zudem unwis­sen­schaft­li­chen »Wettbewerbs«-Kriterien (flan­kiert durch teil­wei­sen »Regional-Proporz« der Bundesländer).

    Es bleibt in so fern beste­hen, wie bereits 2011 von unse­rer Seite formuliert:

    »[…] dass die­sem Pro­blem auch durch
    einen „Exzellenz“-Wettbewerb eigens für die Lehre oder mög­li­che Spiel­ar­ten davon nicht abge­hol­fen ist – denn er würde er das selbe Prin­zip fort set­zen. Die­ses Prin­zip selbst sehen wir als das Pro­blem, nicht als Teil der Lösung.«

    (Seite 2:
    ufspaweb.weebly.com/uploads/4/7/4/1/4741452/exzellenzbewerbung_fu_aus_studentischer_perspektive.pdf)

    Eine Lösung besteht min­des­tens in der Wie­der­her­stel­lung der grund­ge­setz­li­chen Gleich­wer­tig­keit der Lebens­ver­hält­nisse — und der ent­spre­chen­den Aus­fi­nan­zie­rung von Hoch­schu­len und Bil­dung in der Breite. Dazu müßte jedoch Eini­ges an der »Föde­ra­lis­mus­re­form I« geän­dert wer­den. Und min­des­tens an der Steu­er­ge­setz­ge­bung eben­falls (Stich­wort »Föde­ra­lis­mus­re­form II«, die so wohl kaum mehr kom­men wird).

    Das von Euch berich­tete »Som­mer­fest« des FU-Präsidiums war zudem keine Party »Alle[r] FU-Mitarbeiter«, wie Ihr m.E. min­des­tens miß­ver­ständ­lich schreibt. Son­dern ein Fest, zu dem der Groß­teil der FU-Angestellten wohl ein­ge­la­den war (im Unter­schied zu den Stu­die­ren­den). Es gab jedoch ver­ein­zelte Rück­mel­dun­gen, daß selbst hier nicht alle Ange­stell­ten eine Ein­la­dung erhal­ten haben. Es waren auch nicht Alle beim »Som­mer­fest« anwe­send, son­dern viel­leicht meh­rere hun­dert. Die Zahl der FU-Angestellten ist bekannt­lich bei Wei­tem größer.

    Mit bes­ten Grüßen

    Mathias Bar­telt

    Comment von Mathias Bartelt — 16. Juni 2012, 19:28

  2. Lie­ber Mathias,

    vie­len Dank für Deine Anmer­kun­gen.
    Wir haben sie zur Kennt­nis genommen.

    Um die Trans­pa­renz zu wah­ren, blei­ben die betref­fen­den Text­stel­len beste­hen. Die Leser kön­nen sie so jeder­zeit mit Dei­nen Anmer­kun­gen vergleichen.

    Beste Grüße,
    Vero­nika Völ­lin­ger für die Redaktion

    Comment von FURIOS Redaktion — 18. Juni 2012, 20:58