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Weltwärts Rückwärts

Jahr für Jahr schwärmen deutsche Freiwillige aus in alle Welt. Aber warum kommen eigentlich keine ausländischen Freiwilligen nach Deutschland? Der von FU Studierenden gegründete Verein Zugvögel will das ändern. Von Leona Binz

Seit drei Monaten ist Gabriela in Berlin. Sie lebt in einer Gastfamilie, tanzt Ballett und arbeitet in einer Behinderteneinrichtung in Hohenschönhausen. Das Besondere: Gabriela kommt aus Ecuador. Sie ist eine der ersten beiden Freiwilligen, die mit Hilfe von ›Zugvögel – interkultureller Süd-Nord-Austausch e.V.‹ nach Deutschland gekommen ist.

Seit Januar dieses Jahres gibt es den Verein, an dem sich auch FU-Studierende beteiligen. Shari Heuer, Fabian Hinsenkamp und Maya Markwald sind drei von ihnen. Wie viele Zugvögel-Mitglieder waren auch sie zuvor mit dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst ›weltwärts‹ im Ausland: Shari und Maya in Ecuador, Fabian in Nepal. Mit ›weltwärts‹ sind seit 2008 mehr als 10.000 junge Menschen aus Deutschland in Länder des globalen Südens gereist. Damit sind die Nationen gemeint, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu den »Entwicklungsländern« zählt.

Weltwärts: Wenden verboten?
Das Problem: ›weltwärts‹ ist eine Einbahnstraße. Selten kommen Menschen aus diesen Regionen auch nach Deutschland – die ›Zugvögel‹ wollen das ändern. »Wir waren enttäuscht«, sagt Shari. »Solange Freiwilligendienste nur für Deutsche finanziert werden und der Austausch einseitig bleibt, schafft das Programm lediglich ein Privileg für uns.« Die eigentliche Idee hinter dem Freiwilligendienst sei aber gerade der Abbau solcher Privilegien. Ziel soll eine Begegnung auf Augenhöhe sein. »Und die findet momentan so nicht statt.«
Schon 2008 kritisierte Dr. Claudia von Braunmühl, Honorarprofessorin am Otto-Suhr-Insitut, das Lernen bei ›weltwärts‹ als einseitig. In einem Artikel der ›Süddeutschen Zeitung‹ fragte sie: »Warum laden wir nicht auch Jugendliche aus Entwicklungsländern zu uns ein?« Schließlich solle das Ziel von Entwicklungspolitik die Umverteilung von Lebenschancen sein.

Global denken, Lokal handel
Genau das wollen die ›Zugvögel‹ erreichen. Die Organisation hat bereits mehr als 100 Mitglieder und ist mit Regionalgruppen in ganz Deutschland vertreten. Vor Ort suchen sie Gastfamilien und Projektplätze für die Programmteilnehmer. Außerdem kümmern sie sich um Spendenaktionen und Informationsveranstaltungen.
Die Berliner Regionalgruppe, in der sich die drei FU-Studierenden engagieren, unterstützt Gabriela bei der Orientierung in der Hauptstadt. Gleichzeitig bereiten sie sich auf die Betreuung von weiteren Freiwilligen vor. Nächstes Jahr sollen mehr als zehn von ihnen aus Ecuador, Nepal, Ruanda und Uganda nach Deutschland kommen. Die Reise- und Lebenskosten übernimmt ›Zugvögel e.V.‹. Um dafür Spenden zu sammeln, sind die ›Zugvögel‹ in Berlin auf dem Flohmark am Mauerpark und auf Straßenfesten mit Bauchläden und einem Glücksrad unterwegs.
Gabriela ist dankbar für diese Möglichkeit. Ihr gefällt es gut in Berlin, sie genießt ihre Zeit hier. Als nächstes möchte die Ecuadorianerin einen Sprachkurs machen, um ihr Deutsch zu verbessern. Was man eben so macht als Freiwillige im Ausland.

INFO

Das ›weltwärts‹-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) bietet jungen Erwachsenen in Deutschland die Möglichkeit, für 6 bis 24 Monate einen Freiwilligendienst im globalen Süden zu absolvieren. Dabei bietet die Organisation den Freiwilligen sowohl eine Vor- wie eine Nachbereitung und betreut sie im Gastland. Den Großteil der Kosten übernimmt das BMZ. Umgekehrt aber haben Menschen aus jenen Ländern nur wenige Möglichkeiten, einen Freiwilligendienst in Deutschland zu absolvieren. Jährlich kommen weniger als 300 Freiwillige aus dem globalen Süden nach Deutschland. Mehr Informationen findet ihr auf zugvoegel.org.

Ein Kommentar

  • Großes Lob für diesen Verein, eine sehr gute Sache!

    Ich selbst war mit dem ems über weltwärts im Ausland. Das ems verwendet auch einen Großteil der Spendenkreisgelder für eine Ermöglichung des Süd-Nordaustausches. So war z.B. die Gastschwester einer Mitfreiwilligen auch schon als Freiwillige in Deutschland.

    Solche Initiativen sollte es definitiv mehr geben!

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Im Wohnzimmer der Vertriebenen

Tillmann Brehmer ist 23 Jahre alt und studiert an der FU Arabistik. Ein halbes Jahr hat er seinen Studenten-Alltag gegen ein Flüchtlingslager im Libanon getauscht, um Kinder für eine palästinensische NGO zu betreuen. In FURIOS berichtet er von seinen Erfahrungen. Festgehalten von Christopher Hirsch  » weiterlesen