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Das ist Kunst und kann weg

Jahr für Jahr scheitern unzählige junge Künstler an den Auswahlverfahren der Berliner Kunsthochschulen. Dieses verlorene Potenzial wollen vier Studentinnen in der Ausstellung »This is for Losers« wieder sichtbar machen. Von Veronika Völlinger

Die Studentinnen Jana, Antonella, Jule und Anja (v.l.) bei der Arbeit: Für ihre Ausstellung müssen sie Bewerbungen sichten und eine Galerie für die Loser-Kunst finden. Auch Promotion gehört dazu; den gleichnamigen Internetauftritt der Gruppe findet man bei Facebook. Foto: Christoph Spiegel

Die Uni Gießen sagte Nein. Gießen sagte auch „künstlerisch nicht aus­reichend“. Für Jana und Jule hieß das: Tschüss Studienplatz für Angewandte Theaterwissenschaft. Willkommen im Club der Verlierer! Ein Plan B musste her: Berlin. Mittlerweile studiert Jana Kulturarbeit an der FH Potsdam und Jule Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft an der FU Berlin. Ihr Studium ist nicht uninteressant, trotz­dem bleibt es für sie die Zweitwahl – ein Schuss vorbei am großen Traum. Und es bleibt die Frage: Woran lag es denn jetzt? Warum bin ich ein Loser?

Jahr für Jahr investieren unzählige hoffnungsvolle Bewerber Zeit, Geld, Ar­beit und Liebe in ihre Mappen. Berliner Kunsthochschulen sind für viele der große Traum. Doch nur ein Bruchteil wird ange­nommen. Was passiert mit denen, die ab­gelehnt werden? Mit den Losern? Als Pete Doherty aus dem Lautsprecher singt: „This is for lovers/Running away“, entsteht in Janas Kopf plötzlich eine Idee: This is for Losers – eine Ausstellung für verschmähte, abgelehnte Künstler.

Loser in die Galerien!

Aus der Idee wurde ein Konzept und aus dem Konzept ein Projekt. Mit an Bord kamen Janas Kommilitoninnen An­tonella und Anja. Zu viert geht es für die Nachwuchs-Kuratorinnen jetzt in die heiße Phase. Noch bis Ende Juli können Bewer­ber, die dieses oder letztes Jahr an Berliner Kunsthochschulen abgelehnt wurden, ihre Arbeiten einschicken. Das künstlerische Genre ist egal – bis jetzt ist eine wilde Mi­schung aus Malerei, Musik, Video, Kos­tümbild und Schauspiel bei den Vieren gelandet. Jana meint: „Da draußen laufen ganz viele potenzielle Künstler rum.“

Gegen Ende des Jahres wird man die Arbeiten in einer Ausstellung bewundern können – von allen Verlierern, deren Kunst doch eigentlich weg sollte. Ob tatsächlich alle gezeigt werden können, steht und fällt vor allem mit der Größe des Ausstellungs­ortes. „Wir wollen Bewertung und Selekti­on umgehen“, erklärt Anja und Jana fügt hinzu: „Jeder kriegt eine Plattform, ob das jetzt eine Wand ist oder eine Seite im Katalog.“ Ausschlaggebend ist für die vier Studentinnen dabei ein stimmiges Zusam­menspiel der Ausstellungsstücke. Wie die Kunstwerke gehängt oder gestellt werden, wollen sie entscheiden.

Eine Reise ins Ungewisse

Eine Galerie finden, Marketing, Fund­raising – all das lernt man im Studiengang Kulturarbeit. Das macht die Sache aber auch nicht einfacher. „Wir können über­haupt nicht voraussehen, was kommt“, meint Antonella. Jana ergänzt: »Wir las­sen uns auf die Unsicherheit ein.“ Außer einem Konzept haben die Studentinnen nichts vorzuweisen. Sie gehen ein Wag­nis ein – dazu muss auch die Galerie be­reit sein. »Wir brauchen von denen einen Freifahrtschein«, erklärt Jana. Mittlerweile sind sie im Gespräch mit einigen kleinen, nichtkommerziellen Galerien, haben erste Partner in der Kunstszene gefunden und bekommen insgesamt positives Feedback.

Im Juli schickt die UdK die Zu- und Ab­sagen raus. Dann stehen auch die letzten Loser der Berliner Kunstschulenbewerber für dieses Jahr fest, deren Träume und Map­pen in der hintersten Schrankecke landen und dort einsam verstauben werden. Oder sie landen bei Jana, Jule, Anja und Anto­nella und finden zusammen mit anderen Losern doch noch den Weg in die Öffent­lichkeit. Bis dahin haben die Heilerinnen für wunde Künstlerseelen noch viel Arbeit: „Stadt plakatieren, Galerie finden und na­türlich: Künstler, Künstler, Künstler. Wir hoffen auf ganz viele Einsendungen!“

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