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Noch ein Schuss Lyrik?

Das studentische Lyrikkollektiv G13 erfreut sich nicht nur in Berlin zunehmender Beliebtheit. Wer sind die jungen Dichter? Christopher Hirsch ist zu einer ihrer Lesungen gegangen.

Foto: Christoph Spiegel

Foto: Christoph Spiegel

Die Ruhe nach dem Sturm. Der altbautypisch hohe Raum in der Villa des Literaturhauses Lettrétage ist voll besetzt; es herrscht angespannte Stille. Gerade haben die Lyriker des Autorenkollektivs G13 wieder eine Salve Wortbilder auf das Publikum abgefeuert. Bilder, die jetzt die Köpfe der Zuhörer und den Raum füllen.

In den letzten Wochen war das Autorenkollektiv G13 in Leipzig, München, Freiburg und Zürich zu Gast. Jetzt, zur Abschlusslesung ihrer Tour, sind sie zurück im heimatlichen Berlin. Doch wer oder was ist G13? »Letztlich ein Haufen Menschen, die sich auf zufälligen Wegen getroffen und gemerkt haben, dass sie Spaß am Texte schreiben und diskutieren haben«, erklärt Lyrikerin Lea Schneider.

Sie studieren – unter anderem an der FU – Medizin, Politikwissenschaft, Sinologie, Tanz, sind Gärtnerin oder eben Schriftsteller. Kennengelernt haben sich die Lyrikbegeisterten in Seminaren und auf Lesungen. Vor eineinhalb Jahren fingen sie an, sich regelmäßig zu treffen. Mittlerweile sitzen sie alle zwei Wochen bis zum Morgengrauen zusammen. Der aktive Kern des Kollektivs besteht aus rund einem Dutzend Lyrikern, die ihre Texte auf einem Blog veröffentlichen und dort bearbeiten.

Der Erfolg wächst

Das Schaffen von G13 genießt zunehmend Aufmerksamkeit. Die Gruppe kann inzwischen auf zwei selbst organisierte, gut besuchte Touren und mehrere Publikationen verweisen. Aktuelle Veröffentlichungen sind Max Czolleks Debüt »Druckkammern« sowie eine Sonderausgabe der Zeitschrift »Belletristik«, die sich komplett den Texten von G13 widmet. Auch Anfragen von anderen Zeitschriften und Lesereihen nehmen zu. Doch trotz des Erfolgs gibt es wohl kaum eine hauptberufliche Perspektive im Bereich der modernen Lyrik. So ist das Texten vor allem eine Passion, der die Dichter von G13 nachgehen und nachgehen werden.

Vor Publikum werden die Gedichte nicht bloß rezitiert, sondern erlebbar gemacht – bisweilen unterstützt von einer Regisseurin. So wird aus neun Autoren mit ihren unterschiedlichen Stilen ein Ensemble. Die Lyriker versehen ihre Texte mit einer dramatischen Dimension. Sie drehen Stühle, starren das Publikum an oder stehen mitten im Raum. Indirektes Licht macht aus ihnen eine Gruppe dunkler Gestalten. Der Gitarrist Julius Theo Helm vervollständigt das Spektakel mit mal expressiv minimalistischen, mal verträumt melancholischen Intermezzi.

Wirklichkeit im Visier

Es bleiben vor allem die Bildhaftigkeit und die Modernität der Lyrik im Gedächtnis. Viele Gedichte sind Moment- und Nahaufnahmen. Zwischen Widerspruch, Absurdität und Komik werden Unwörter unserer Realität zur Schau gestellt und in neue Kontexte gesetzt. Pendelverkehr, Abtropfsieb, Sicherheitsglas, Causa Strunk. Und dazwischen ein Liebesgedicht.

Aber warum der Name G13? Verraten wollen die Autoren die Bedeutung nicht. Doch ihre Lesung weckte Assoziationen an ähnlich klingende Gewehrtypen – intensiver Beschuss mit präzisen Worten und Bildern. Für die Zukunft rüstet G13 auf: Die Autoren feilen an eigenen Publikationen, halten Lesungen und nehmen an Wettbewerben teil. Wer die Lyrik der G13 am eigenen Leib erfahren will, hat dazu im kommenden Herbst die Möglichkeit. Dann nämlich will das Kollektiv mit einer eigenen Anthologie bewaffnet auf seine dritte Tour gehen.

Mehr G13 online auf gdreizehn.wordpress.com

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