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Dreizehn Sitze, die über alles entscheiden

Nicht nur für die Stu­die­ren­den ste­hen die Wah­len vor der Tür. Ihre Verteter im Akademischen Senat bestim­men alle Uni-Mitglieder neu. Fanny Gruhl und Florian Schmidt haben sich für Teil II unse­rer AS-Serie mit den Professoren beschäftigt.

Alles Alt-Unterstützer? Ein genauerer Blick auf die Professoren im AS. Illustration: Valerie Schönian

Sie haben so viel Macht wie keine andere Statusgruppe im Akademischen Senat (AS): Die Professoren stellen im AS 13 Sitze — genug, um Studenten, wissenschaftliche und sonstige Mitarbeiter allein zu überstimmen, die jeweils nur mit vier Mitgliedern vertreten sind.Vier professorale Listen kandidieren für das Gremium. Aus studentischer Sicht wirkt ihr Auftreten im AS oft geschlossen. Schaut man aber genauer hin, sind sich auch die Hochschullehrer nicht immer einig.

Sie betreiben sogar Wahlkampf – obwohl kaum ein Professor ihn direkt so bezeichnen möchte. Neben vereinzelten Plakaten, Wahlbriefen und Flyern versuchen die Kandidaten vor allem durch direktes Ansprechen die Stimmen ihrer Kollegen zu gewinnen, wie Klaus Hoffmann-Holland von der „Vereinten Mitte“ bestätigt: „Der Schwerpunkt des Informationsaustauschs liegt auf Begegnungen und persönlichen Gesprächen.“ Kritisch betrachten andere AS-Kandidaten allerdings, dass Mitglieder des FU-Präsidiums am Telefon teilweise explizit Werbung für ihre Liste machen. Gerade jüngere Professoren könnten sich durch Anrufe von der Uni-Leitung unter Druck gesetzt fühlen, findet etwa Martin Nawrot, der für Liste „Exzellenz und Transparenz“ im AS sitzt.

„Exzellenz und Transparenz“ will bei RSPO-Debatte vermitteln

Nawrot und sein Mitstreiter Raúl Rojas gehören der jüngsten der vier professoralen Listen an. Mit „Exzellenz und Transparenz“ treten sie erst zum zweiten Mal an. 2011 sicherten sich die beiden Informatiker auf Anhieb zwei Sitze. In der vergangenen Legislaturperiode wirkten sie oft studentennäher als die anderen Professorengruppen im AS. In der Debatte um die geplante Rahmenstudien- und Prüfungsordnung (RSPO) kann sich Nawrot eine Vermittlerrolle vorstellen. „Wir glauben, dass die Positionen der Studenten und des Präsidiums nicht so weit voneinander entfernt sind“, sagt er. Außerdem tritt „Exzellenz und Transpararenz“ – wie ihr Name verrät – für mehr Transparenz bei den Entscheidungen der Uni-Gremien ein und setzt sich für die Belange der Juniorprofessoren ein.

Für diese will sich auch die „Liberale Aktion“ starkmachen, die aktuell ebenfalls zwei Sitze im AS innehat. Die „Liberale Aktion“ will laut ihrem Internetauftritt auch, dass die Masterstudiengänge an Profilschärfe gewinnen und die Lehre und Betreuung der Masterstudenten verbessert wird. Ebenso solle die Freiheit der Forschung nicht durch Diskussionen um Drittmittelforschung in akademischen Gremien beschränkt werden. Das kann man als Spitze gegen die aktuelle Debatte um Zivilklauseln für die FU verstehen. Die Liberalen ziehen außerdem in Zweifel, ob Studierende die nötigen Voraussetzungen besäßen, um in Evaluierungen die Lehrenden grundsätzlich zu bewerten. Dagegen sei eine externe Bewertung der gesamten FU notwendig, um im Qualitätswettbewerb zwischen den Hochschulen mithalten zu können.

Mehr Freiheit für die Fachbereiche

Das sehen die Mitglieder des „pluralistischen, demokratischen Dienstagskreis“ anders – sie lehnen eine externe Evaluierung ab. Auch diese Liste ist momentan mit zwei Abgeordneten vertreten. Ihre wichtigsten Themen im AS sind der Bürokratieabbau, mehr Gestaltungsfreiheit für die Fachbereich sowie ein höheres Maß an Mitbestimmungsmöglichkeiten der akademischen Gremien. „Die Verwaltung nimmt zu viel Raum ein“, sagt Mechthild Leutner, die seit sechs Jahren im AS sitzt.

Die FU müsse sich stattdessen auf ihre Kernaufgaben besinnen: die Lehre und die Forschung. In der RSPO soll nur so viel fixiert sein, wie gesetzlich vorgegeben ist, um den Fachbereichen mehr Spielraum zu lassen. „Was nicht geregelt werden muss, soll auch nicht geregelt werden“, sagt Leutner. Auch die 11 Millionen Euro, die die FU im Dezember 2011 zusätzlich vom Bund erhalten hatte, hätte der Dienstagskreis lieber in neue Gastdozenten und mehr Tutoren investiert, sodass kleinere Lerngruppen möglich gewesen wären. Ein Mitspracherecht blieb ihnen aber nicht, denn das Präsidium entschied allein über die Verteilung der Mittel.

Die „Vereinte Mitte“ geht als Favorit in die Wahl

Die größte professorale Gruppe im AS ist die „Vereinte Mitte“. In der vergangenen Legislaturperiode stellte die Liste, der auch FU-Präsident Peter-André Alt angehört, sieben Sitze – mehr als die drei anderen professoralen Listen zusammen. Ziele der Gruppe für die nächsten zwei Jahre seien eine stärkere Verknüpfung von Spitzenforschung und Lehre sowie eine Verbesserung der Betreuung und Beratung im Studium, erklärt Felicitas Thiel vom Fachbereich Erziehungswissenschaft. Grundsätzlich steht die „Vereinte Mitte“ wie der Dienstagskreis für eine Entbürokratisierung der Uni-Verwaltung und eine Stärkung der Fachbereiche. „Wir fördern die Dezentralisierung zugunsten der Fachbereiche und Zentralinstitute“, sagt Hoffmann-Holland. „Die Vereinte Mitte kann und will die vielfältigen Fachkulturen der Freien Universität im Akademischen Senat vertreten und zur Geltung bringen.“

Dass sie auch in der kommenden Legislaturperiode den größten Anteil der professoralen Sitze stellen werden, gilt als sicher; nicht zuletzt auch, weil sie mit über hundert Listenplätzen so viele Kandidaten aufgestellt hat wie noch nie. Vielleicht liegt es daran, dass es die Liste von Präsident Alt ist oder an ihren allgemeinen Themen, wie Mechthild Leutner mutmaßt – klar ist: die „Vereinte Mitte“ bestitzt ein großes Übergewicht den anderen Gruppen gegenüber.

Trotzdem bleibt es spannend – besonders mit Blick auf die Liste „Exzellenz und Transparenz“: Nach ihrem Achtungserfolg von 2011 wird sich nun herausstellen, ob sie sich im höchsten Gremium der FU etablieren können oder nicht.

Teil I der Serie: Politik zwischen den Stühlen
Teil III der Serie:  Das pragmatische Scharnier

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