Alles scheiße, euer Asta | FURIOS Online
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Alles scheiße, euer Asta

Am Anfang des Semesters haben sich Vertreter des Asta in vielen Studiengängen persönlich vorgestellt. Hannah Zabel, Ersti am Otto-Suhr-Institut, saß im Publikum – und musste sich wundern.

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„Herzlich willkommen an dieser – dem Namen nach – Freien Universität“. So empfing der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Freien Universität Berlin die Erstis auf der Orientierungsveranstaltung des Otto-Suhr-Instituts. Eigentlich hatte alles ganz gut begonnen: Dozierende und Angestellte hatten uns feierlich begrüßt und uns von den Lehr- und Forschungsbedingungen an der Freien Universität vorgeschwärmt. Die Atmosphäre war locker – bis das Wort an ein Asta-Mitglied übergeben wurde.

Es folgte ein Rundumschlag gegen die scheinbar schlechteste Universität der Welt: Klagen über die chronische Unterfinanzierung, Spötteleien über die Baumängel an der Philologischen Bibliothek, Verachtung für den Gründungsmythos der FU, in dem für die Wahrheit wenig Platz sei. In den Worten des Asta-Vertreters erschien die FU als Ort des Terrors und der Unterdrückung, Universitätspräsident Alt als Diktator mit uneingeschränkten Befugnissen, der sich eine Universität ohne Studenten wünscht.

Demotivation und Verunsicherung

Die anfängliche Belustigung über diese Ansprache wich langsam der Verunsicherung: Sind hier alle so drauf? Muss ich mich dem kollektiven Unmut anschließen, um nicht als Außenseiter dazustehen? Und nicht zuletzt: Ist an dieser Universität tatsächlich alles schlecht? Nachdenklich verließ ich nach der Veranstaltung den Hörsaal. Eben noch hochmotiviert, hatte meine Studienbegeisterung gerade einen gewaltigen Dämpfer erfahren. Anderen erging es ähnlich.

Der Asta leistet bestimmt einen wichtigen Beitrag zum studentischen Leben an der Freien Universität. Die zahlreichen Beratungsangebote, wie zum Beispiel für Studenten mit Behinderung, stellen sicher eine große Unterstützung für viele Studenten dar. Und zweifellos gibt es an der FU – wie an jeder anderen Hochschule wahrscheinlich auch – viele Probleme, gerade finanzieller Art, die so nicht hinnehmbar sind und die auch immer wieder thematisiert werden müssen. Aber gerade auf unerfahrene Erstsemester, die noch nicht mit dem undurchsichtigen Dickicht der Uni-Politik vertraut sind und deshalb viele Aussagen noch nicht so gut einschätzen können, wirkt eine so einseitige und polemische Rede doch eher abschreckend. Man kann es auch übertreiben mit dem Sarkasmus – und damit möglicherweise jegliche Motivation, sich hochschulpolitisch zu engagieren, im Keim ersticken. Und das kann wohl kaum im Interesse des Asta sein.

10 Kommentare

  • Die Aussage des Kommentars ist also, Erstis wollen lieber belogen werden?
    Einseitige Selbstbeweihräucherung von Proffesoraler Seite ist nicht einseitig? Wenn von Lehr- und Forschungsbedingungen gesprochen wird, werden wohl absichtlich die Lernbedinungen verschwiegen?

    Vielleicht war der Beitrag des Asta polemisch. Aber nichtsdestotrotz angemessen. Und wenn von allen anderen Beteiligten nur „Heile-Welt“ kommt, muss der AStA wohl als letzte kritische Instanz auch die Kehrseiten an der „F“U hervorheben, schlicht um das Gleichgewicht zu erhalten 😉

    Wer die Hintergründe der vom AStA vorgetragenen Kritik verstehen möchte, dem seien hier die 2,5 Ausgaben Unitopia ans Herz gelegt:
    http://www.bildungsprotestfu.net/unitopia/

    Viel Spaß dennoch mit dem Studium, egal an welchem Institut, für entmutigung gibt es keinen Grund denn alles ist veränderbar,
    und: nein, die „F“U ist nicht die schlechteste aller Unis. Es ist nur eben auch mit Sicherheit die beste aller möglichen Unis.

  • Sowie ich es sehe, will die AStArede zwei Dinge: Aufzeigen, dass es durchaus eine andere Perspektive auf die Art und Weise wie diese Uni geleitet wird gibt und ermutiegen sich selbst einzubringen. Beides ist der Unileitung offenkundig unangenehm.

    So wurde die Studentische öffentlichkeit im Vergangenen Jahr nicht nur mit Polizeikräften und Sicherheitsdienst aus öffentlichen Sitzungen ausgesperrt, sondern die Unigremien verlegten Sitzungen sogar nach Brandenburg und ließen Studierende durch einen agressiven Sicherheitsdienst Verprügeln. Nachzulesen etwa hier: http://www.bildungsprotestfu.net/wp-content/uploads/bsk-pdf-manager/2_Publikation_final.pdf oder in der Furios selber (http://www.furios-campus.de/2013/01/28/prasident-alt-hat-das-vertrauen-verspielt/) wo es damals treffend hieß: „Das Vertrauen der Studierenden hat er(Präsident Alt) nun endgültig verspielt. Der Misstrauensantrag der studentischen Vertreter im AS ist deshalb vollkommen gerechtfertigt – die Aufforderung zum Rücktritt nur konsequent.

    Nun mag ein erstie sich Fragen: Wie kommt es denn überhaupt zu so verhärteten Fronten? Im konkreten Fall ging es leztesJahr vor allem darum, dass mit der neuen Prüfungsordnung (RSPO) u.a. eingeführt werden soltle (und auch wurde), das Studierende nach zwei(in wenigen Fällen drei) gescheiterten Wiederholungsprüfungen exmatrikuliert und lebenslang für das entsprechende Studienfach und für das gesammte Budnesgebiet gesperrt werden(aufgrudn von Bologna steht zu befürchten, dass sich dies Zeitnah auf die gesammte EU ausweiten könnte).
    Dies Wiederspricht unter anderem dem Menschenrecht auf freie udn gleiche Bildung.
    Vor allem aber zeigte das Präsidium hier nicht willig ein Inhaltliche Disskusion – zum Beispiel an einem von Studierenden geforderten runden Tisch zu führen. Stattdessen nutzen sie ihre professorale 51% mehrheit in Entscheidungsgremien um Disskusionen zu umgehen. Auch empfehlungen aus der zuständigen Kommision für Lehre und Studium (KfL) wurden ignoriert, da Studierende dort unbequem gut repräsentiert sind.

    Aber wer glaubt, dass der unseelige Streit um die RSPO der einzige Grund für den unmut von Studierendenvertretern ist irrt: Sowohl Alt als auch sein vorgänger Lenzen haben eine Vision von der Universität, die mit den Vorstellungen von Studierenden wenig zu tun hat. Ihr selbst ( http://www.furios-campus.de/2013/06/10/prasident-und-dystopie/ ) berichtetet erst kürzlich über Alts Äußerungen, die auch der AStA Zitiert: „Die Spitzenunis (u.a. ‚F’U) sind für die Masterprogramme zuständig, die Fachhochschulen für Bachelorprogramme – diese Debatte muss es geben.“

    Das Problem ist, dass wir uns an der ‚F’U von demokratischen Zuständen, wie sie gesetzlich zumindest minimal in einer sogenannten Grundordnung, einer Art Uni-Verfassung, festgehalten werden müssten weit entfernt haben. Seid ende der 90er Jahren hat die ‚F’U eine sogenannte Teilgrundordnung (TGO), die mehr und mehr Macht beim Präsidium bündelt udn die Universität eher wie Ein Unternehmen mit Vorstand strukturiert. (Mehr Informationen zu diesem Komplexen Thema finden sich heir: http://www.bildungsprotestfu.net/wp-content/uploads/2013/07/unitopia-kompakt_1.1.pdf ) Ein ehemaliger OSI-Prof, den die Autorin, leider nichtmehr erleben wird beschäftigte sich mit dem ‚Unternehmen FU‘ übrigens in seiner Lesenswerten Abschiedsvorlesung: http://www.nachdenkseiten.de/?p=2497 .

    Die AStArede spricht aber auch viele einfach unheimlich wichtige Themen an! Die Aktuelle Wohnungsnot führt beispielsweise dazu, dass in Köln und Frankfurt studierende im AStA schlafen müssen, weil sie sonst Obdachlos währen. Ähnliche zustände gab es bereits 88/89 und sie führen zum UniMUT-Streik. (mehr Infos: http://www.bildungsprotestfu.net/2013/10/erklarung-zur-katastrophalen-wohnraum-situation/ )

    Aus diesem Streik sind uns noch imemr die studentischen Cafés: Das PI-Café, das Sportler-Café, das Kauderwelsch, das rote Café (usw.) erhalten geblieben und auch die FSIn hervorgegangen!

    Was die Rede in meinen Augen auch tut ist studierende ermutigen sich nicht in ein 6 Semester-Regelstudienbachelor, nach Studienverlaufsplan pressen zu lassen, ohne Links und Rechts zu schauen was es sosnt noch so gibt – wenn sie das nicht wollen.
    Diese Uni wirkt zwar zunehmend wie ein Unternehmen, allerdings gibt es durchaus möglichkeiten dies zu ändern. Studierende können selbst Veranstaltungen organisieren oder Seminare besuchen, die nicht direkt im Verlaufsplan vorgesehen sind, sie aber interessieren. Sie können sich die Uni zueigen – zum Lebensraum – machen und sie selber gestalten, statt sich in möglichst kurzer Zeit durch eine Lernfabrik drücken zu lassen. Dazu ermutigt die Begrüßungsrede des AStA in meinen Augen durchaus und das finde ich gut so.

    Und es gibt ja auch durchaus viele Studierende, die auchmal laut darüebr nachdenken, wie die Uni den ihrermeinung nach aussehen könnte und sollte, etwa in der aktuellen Unitopia ( http://www.bildungsprotestfu.net/?attachment_id=756 ).

    Wer Lust hat die Uni auch lieber ein wenig selbst zu gestalten, oder zumidnest mal schauen mag, was für Ideen und Möglichkeiten es dafür gibt, sollte übrigens unbedingt zur Vollversammlung am kommenden Mittwoch um 12:00 im HS1A (Silberlaube) kommen.

  • Guter Artikel! Genauso sieht es aus, die vom Asta sind ständig nur am rumjammern, nicht zu ertragen. Unsere Uni bietet eine angenehme Lernatmosphäre und engagierte Professoren. Man muss die Angebote eben nur wahrnehmen!

    Tipp an die Asta-Leute –> Vielleicht solltet ihr zur Abwechslung mal versuchen, eure paranoide Gedankenwelt zu verlassen und der Realität ins Auge blicken.

  • Ketzerische Frage: Warum bemisst du die Rede nur am Stil und nicht am Inhalt? Wenn du neu an der Uni bist, hast du vermutlich noch nicht so viel von dem mitbekommen, was hier abläuft. Trotzdem meinst du, beurteilen zu können, dass diese Rede unangemessener ist als die Juhu-alles-toll-hier-und-werdet-bloß-in-Regelstudienzeit-fertig-ihr-Schlingel-Beiträge der Offiziellen?

    Die Furios neigt irgendwie dazu, die Berichterstattung zur Hochschulpolitik meistens Leuten zu überantworten, die zunächst selbst einräumen, eigentlich nicht viel Ahnung vom Thema zu haben. Dementsprechend werden dann gerne wichtige Themen übersehen und sich stattdessen an Stilfragen aufgehalten…

  • Diesen Artikel kann man nicht ernst nehmen.
    Die liebe Hannah hat also gerade frisch ihr Abi in der Tasche und stellt nun fest, dass die Uni doch nicht so cool ist wie sie dachte.

    Wenn dich so eine Ansprache schon demotiviert, wie soll das dann enden, wenn du deine ersten Prüfungsergebnisse erfährst?

  • @Ali Ekber

    Soso, eine angenehme Lernathmosphäre? Witzig, das klingt wie ein Zitat aus der Lehrevaluation (beispiel: http://www.polsoz.fu-berlin.de/kommwiss/studium/lehrevaluation/130430_Eval_WiSe_1213.pdf?1373015023)

    Aber davon ganz abgesehen: Okay, du sagst das du an der Uni gut lernen kannst und netten und engagierten Profs begegnet bist, herzlichen glückwunsch.

    Wenn studierende andere erfahrungen machen und sich für eine andere Uni einsetzen, dann ist dass dann aber einbildung oder gar eine ‚paranoide Gedankenwelt‘?
    Was für eine unverschämtheit! Ich empfinde wöchentliche Übungszettel, Anwesenheitspflich, fast nur Prüfungen in Klausurform und den bald dazukommenden druck, bei wiederholtem Prüfungsdurchfall exmatrikuliert zu werden (manche Prüfungen habn eine Durchfallquiote von über 70%)nicht als angenehm.
    Und während es sicher engagierte profs gibt, gibt es auch jene deren Studierende völlig egal sind, weil sie nur ihre drittmittelfinanzierten Forschungsprojekte im Kopf haben!

    Nur weil Studis andere Erfahrungen machen, anders Lernen und vielleicht auch andere Erwartungen und Vorstellungen haben als du sind sie noch lange nciht paranoid!

  • https://www.youtube.com/watch?v=W9K5KFR3KyU

    Hier übrigens die Rede zum Nachhören. Wer da nur „Alles scheiße“ hört, wollte wahrscheinlich auch nichts anderes hören…

  • Man sollte diesen Kommentar wohl nicht zu hoch bewerten. Allerdings kann man auch von einem subjektiven Beitrag dieser Art erwarten, dass er sich zumindest ansatzweise mit den Hintergründen und den Vorwürfen dieser sehr geistreichen und am Ende versöhnlichen Rede des Astas auseinandersetzt. Damit hätte der Kommentar dann selbst einen Beitrag leisten können, um die neuen Studierenden mit dem „undurchsichtigen Dickicht der Uni-Politik vertraut“ zu machen. Dass diese Rede jegliche Motivation zum hochschulpolitischen Engagement von Anfang an abwürgt, sehe ich persönlich auch anders.

  • Tenor: Die Rede des AStA ist einseitig, die Vorstellungen der Dekanate und des Präsidiums sind differenziert und objektiv. Na halleluja. Was für ein Nonsens..

    Dieses ganze Aufregen von Leuten, die in der Regel hochschulpolitisch keinen Finger krumm machen, aber andere darüber belehren wollen, wie unnötig und nervig Kritik sei, ist völlig verfehlt. Springt doch alle jubelnd und feiernd in die Abgründe angepasster Mainstream-Lehre und dieser kaputten Gesellschaft und werdet glücklich damit!

    Aber Moment mal – das alles geht ja nicht auf Kosten derer, denen die Diskriminierung marginalisierter Gruppen oder die Verflachung von Wissenschaft mit all ihren gesellschaftlichen Folgen einfach egal ist, sondern auf Kosten derer, die gegenwärtig Probleme haben. Für sowas ist halt kein Platz in der Leistungsgesellschaft, nicht war?!

  • Gott ist das erbärmlich, wie hier in Kommentaren alle Asta Leute versuchen ihren Arsch zu retten. Nehmt halt auch selbst mal Kritik entgegen anstatt nur selbst welche auszusetzen! Ihr als „reife, erfahrene“ Studis an der Uni solltet das doch können…

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