Fliegende Warnung | FURIOS Online
FURIOS wünscht Euch schöne Semesterferien! Aktuelles rund um die FU gibt es hier wieder ab dem 13. Oktober.
Bis dahin viel Spaß mit unseren wöchentlichen Ferienserien FURIOS auf Reisen und Berlins Bibliotheken im Test!

Fliegende Warnung

Ein anonymes Flugblatt ist auf dem Campus aufgetaucht. Es veröffentlicht private Daten eines Studenten, der für rechte Medien schreibt. Von Karl Kelschebach

Nicht nur Lion Edlers Name und Foto, sondern auch Emailadresse und Handynummer veröffentlicht der Flyer. Die Schwärzung stammt von FURIOS. Foto: Melanie Böff

Nicht nur Lion Edlers Name und Foto, auch seine E-Mail-Adresse und Handynummer veröffentlicht der Flyer. Die Schwärzung stammt von FURIOS. Foto: Melanie Böff

Ein Flugblatt über einen Studenten geriet vergangene Woche auf dem Campus der Freien Universität Berlin in Umlauf. Das beidseitig bedruckte Din-A4-Blatt mit dem Titel „Junge Freiheit-Autor studiert Politikwissenschaft an der FU Berlin“ warnt linke Studierende vor Lion Edler. Der sei Politikstudent am Otto-Suhr-Institut und freier Mitarbeiter verschiedener rechter Medien wie der „Jungen Freiheit“, der „Sezession“, „eigentümlich frei“ und „Compact“. Als PDF-Datei ist der Flyer auch auf indymedia online, mit der anonymen Ermunterung: „Dann mal fleißig die Drucker angeschmissen und an der FU verteilt. :-)“

Neben Fotos von Edler, unter anderem „im Kreis seiner Familie“, verbreitet das Flugblatt auch seine E-Mail-Adresse und Handynummer. Es informiert nicht nur über seine Artikel, die, wie es heißt, auf ein „gefestigtes (extrem) konservatives bis nach ganz rechtsaußen offenes Weltbild“ schließen ließen, sondern auch über Edlers Kontakte zu linken Kommilitonen, durch die er Einblick in „linke Strukturen“ gewonnen habe.

So wird auf seine Teilnahme an einem Einführungskolloquium sowie eine kurze Mitgliedschaft in der Fachschaftsinitiative des Otto-Suhr-Instituts verwiesen. Angesichts Edlers zahlreicher linker Bekanntschaften an der Universität legt das Flugblatt nahe, dass Edler gezielt Anschluss im linken Spektrum suche – möglicherweise, um es auszuspionieren.

 „Keine Berührungsängste“

Edler selbst weist dies entschieden zurück. Zwar habe er in der Tat „keine Berührungsängste mit linken Kommilitonen_innen“, wie es auf dem Flugblatt heißt, doch gehe es ihm dabei nicht um Informationen über deren politische Tätigkeiten. Das auf dem Flugblatt erwähnte Kolloquium habe er besucht, weil er sich davon eine Einführung in universitäre Strukturen und eine Chance, Kontakte zu knüpfen, erhofft habe. Dass es von linken Studierenden geleitet wurde, habe er dafür in Kauf genommen – denn „das Kolloquium war nicht nur für Linke, sondern für alle Studenten offen.“

Seine Mitgliedschaft in der FSI habe sich auf die Teilnahme an einer einzigen Sitzung beschränkt. Eine Kommilitonin habe ihn dazu eingeladen, ohne ihn über die politische Orientierung der FSI zu unterrichten. Nachdem FSI-Mitglieder auf seine Artikel aufmerksam geworden waren, teilten sie Edler in einer E-Mail mit, dass sie sich eine Zusammenarbeit mit ihm nicht vorstellen könnten. Edler findet das „völlig okay“. Eine spätere Stellungnahme der FSI auf ihrem Blog, in der er der „gefährlichen Stimmungsmache“ bezichtigt wurde und die er auch selbst kommentiert hat, bezeichnet er hingegen als „Pranger-Text“.

Wer war’s?

Mehr noch ärgert ihn aber das Flugblatt. Es verzerre nicht nur seine politische Haltung, sondern gebe auch Privates über ihn preis: seine Kontaktdaten und ein Familienfoto. Wer hinter der Aktion steckt, ist unklar. Die FSI OSI erklärte auf Anfrage, mit dem Flyer nichts zu tun zu haben. Eine Verantwortliche im Sinne des Presserechts wird in der oberen rechten Ecke des Flugblatts zwar genannt, Name und Adresse scheinen jedoch falsch zu sein. Die Verfasser des Textes geben sich nicht zu erkennen.

Auf Anfrage an die anonymisierte E-Mail-Adresse, die auf dem Flugblatt angegeben ist, erklären sie lediglich: „Wir sind ein Freundeskreis von Leuten, die an der FU Berlin studieren und ein Problem mit Nazis und anderen extrem Rechten haben.“ Die Veröffentlichung von Edlers privaten Daten rechtfertigen sie damit, dass die Medien, in denen er publiziere, „mit ihren Aktivitäten jeder Hoffnung auf eine bessere Welt für alle Menschen“ diametral entgegenstünden. Dafür müsse man ihre Autoren zur Rechenschaft ziehen: „Wir denken, dass Studierende das Recht darauf haben zu wissen, mit wem sie da im Seminar sitzen. Ein Mensch wie Lion Edler, der mit seinen extrem rechten Positionen von sich aus an die Öffentlichkeit tritt, muss mit kritischen Reaktionen rechnen.“

Kritische Reaktionen hat auch das Flugblatt ausgelöst. Die anonymen Verfasser wollen in der Kommentarspalte von indymedia „eine Welle neurechter Pöbeleien“ wahrgenommen haben. Lion Edler berichtet dagegen von einem Kommentar, in dem seine Eltern als „Nazi-Pack“ beschimpft wurden. Bei indymedia wurden inzwischen mit einer Ausnahme sämtliche Beiträge zu dem Flugblatt gelöscht.

Einen Kommentar zu dem Vorfall findet ihr hier.

3 Kommentare

  • Edler scheint eher ein Kostümkonservativer zu sein. Als originärer Konservativer hätte sich bei dieser operativen Maßnahme der Hobby-Tschekisten einer Berliner Volksweisheit erinnert – und zwar der einzigen, die für so einen Fall gilt: Nicht mal ignorieren.

    Edler hat fortgesetzt und bisher ungesühnt verschiedener Meinungsverbrechen schuldig gemacht hat. Darum erwartet ihn an der FU nun konsequenterweise die soziale Vernichtung. Was lassen sich zu diesem Vorgehen doch für sinnfällige historische Bezüge herstellen, gerade an diesem Wochenende! Deutsche Geschichte – einfach großartig!

    • Was ist denn ein „Meinungsverbrechen“, Chlodmine?
      Warum klingen die die sich heutzutage für Linke halten immer nach Faschisten die Aussagen und Meinungen niederknüppeln oder als Straftat ansehen?

      Ein Affenzirkus von jungen Menschen die zuviel Zeit haben um sich mit veralteten politischen Ideologien, aber nicht mit der Politik selbst, zu beschäftigen und dennoch keinen großen Erfolg darin vorweisen können.

      „Wenn du denkst du denkst, dann denkst du nur du denkst, du wärst ein Philosoph, aber dafür bist du leider viel zu doof.“

      Eine absolute Schande was sich dieser Tage so für intellektuell hält und Kleinstkriege im Internet führt anstatt auf der Straße zu protestieren wie es ihre Pflicht und Verantwortung wäre.

      Zu selbstverliebt.

  • Linke sind keine Stasi-Ratten, das muß man mal empört feststellen.

Kommentar verfassen

Stupa streitet über Wahlbenachrichtigung

Die Rückmeldungen werden nicht mehr per Post verschickt, somit auch keine Benachrichtigung zur Wahl zum Studierendenparlament. Das Stupa versucht eine Lösung zu finden. Von Veronika Völlinger  » weiterlesen