Über den Tellerrand schnacken | FURIOS Online
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Über den Tellerrand schnacken

Berliner Studierende haben für einen Wettbewerb ein politisch brisantes Kochbuch entworfen. Lior Shechori hat zwei von ihnen nach den Geschichten hinter den Rezepten gefragt.

Der Asylsuchende Hassan und FU-Studentin Bontu haben für ein Kochbuch zusammengearbeitet. Foto: privat

„Über den Tellerrand kochen“ ist mehr als nur ein Kochbuch, es ist ein soziales Projekt. Entwickelt haben es die FU-Studentinnen Bontu Guschke und Carolin Strehmel gemeinsam mit Ninon Demut und Gerrit Kürschner (beide TU) im Rahmen des „Funpreneur“-Wettbewerbs. Im Interview erzählen Bontu und Carolin von dem Projekt und ihren Erfahrungen.

FURIOS: Was ist „Über den Tellerrand kochen“?

Caro: „Über den Tellerrand kochen“ soll die Menschen hinter dem Begriff Asyl aus einer anderen Perspektive zeigen.

Bontu: Unser erstes Projekt ist ein Kochbuch mit 21 Rezepten von Asylsuchenden aus 14 verschiedenen Ländern. Zu jedem Rezept gibt es die Geschichte des Rezeptgebers und am Ende des Buches wird die kulinarische Weltreise abgerundet durch ein Verzeichnis der unbekannten Zutaten.

FURIOS: In welchem Rahmen habt Ihr euer Projekt entwickelt?

Bontu: Das Ganze findet im Rahmen des Funpreneur-Wettbewerbs von Profund, der Gründungsforderung an der FU, statt. Ziel ist es, dass kleine Gruppen innerhalb von acht Wochen eine Geschäftsidee entwickeln, ein kleines Unternehmen gründen und die Geschäftsidee umsetzen.

Caro: Und das Produkt auch auf einen realen Markt bringen!

FURIOS: Bontu, Du bist die Ideengeberin des Projektes. Wie bist Du auf die Idee gekommen?

Bontu: Uns war von Anfang an klar, dass wir ein Projekt entwickeln wollen, wovon Leute auf eine andere Weise profitieren als nur ein tolles Produkt kaufen zu können. Wir wollen das Thema Asylpolitik und Asylsuchende in Deutschland auf eine persönlichere Ebene herunterbrechen. Man hört viel über das Thema Asyl, aber so wenig über die Menschen, die Asylsuchenden. Wir wollen diese Leute mit einem tollen Produkt verbinden und so sind wir auf die Idee des Kochbuchs mit Rezepten aus der Heimat der Asylsuchenden gekommen.

 

Ninon Demut, Gerrit Kürschner, Carolin Strehmel und Bontu Guschke nehmen zusammen an „Funpreneur“ teil. Foto: privat

FURIOS: Wie war die Erfahrung, sich mit Asylsuchenden auseinanderzusetzen?

Caro: Ich war mit Ninon in einem Heim, an dem Tag fand dort ein Fest statt. Da haben wir die Frauen beim Kochen begleitet, fotografiert und die Rezepte aufgeschrieben. Die Leute waren total begeistert und wollten uns gerne ihre Rezepte geben.

Bontu: Generell haben wir tolle und interessante Menschen kennengelernt. Ich war am Oranienplatz, wo es ein Flüchtlingscamp mit ungefähr 60 Flüchtlingen gibt. Wir haben richtige Freundschaften geschlossen, nachdem wir mehrmals mit den Rezeptgebern gekocht und gegessen haben.

FURIOS: Welche Geschichten haben Euch besonders begeistert?

Caro: Am meisten hat mich die Geschichte von Tarek fasziniert. Tarek ist aus Syrien nach Deutschland gekommen, um Medizin zu studieren. Als der Krieg in Syrien ausbrach, musste er sein Studium unterbrechen, weil er sich zu engagieren begann, Medikamente besorgte, Kleidung spendete, etc.

Bontu: Ohne Studentenstatus hatte er nun aber keine Aufenthaltserlaubnis mehr. Er musste Asyl beantragen. Wer mich auch begeistert hat, ist Kwabena aus Ghana. Kwabena fährt immer in der Stadt herum, spielt Fußball und versucht da Leute kennenzulernen. Es ist begeisternd zu sehen, dass sie diese Kontakte wirklich suchen und trotz vieler Einschränkungen die Hoffnung nicht verlieren.

FURIOS: Am 17. Dezember werdet Ihr Euer Projekt zum Abschluss des Wettbewerbs in der IHK Berlin präsentieren. Wie steht es danach um das Projekt?

Bontu: Das Buch wird ab nächster Woche verkauft. Damit werden wir nicht aufhören, wenn der Wettbewerb vorbei ist.  Wir werden nach dem Wettbewerb außerdem noch einmal in die Planungsphase gehen, um zu gucken, wie wir uns die weitere Arbeit vorstellen.

Caro: Wir müssen unser Unternehmen erst neu gründen, bevor wir weitermachen können. Das wird aber bald nach dem Ende des Wettbewerbs sein.

Das Buch erscheint Anfang Dezember und kostet 15 Euro. Weitere Infos über das Projekt gibt es hier.

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