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Kunst sucht Bedeutung

Zahlreiche Kunstwerke schmücken den Campus der FU. Sie sollten die Universität zu einem Ort der Kommunikation machen. Ihr Potenzial schöpfen sie jedoch nicht aus. Von Helena Moser

Künstler Georg Seibert vor seiner Skulptur „Haus des Ikarus" im Innenhof der Silberlaube. Foto: Gwendolyn Schneider-Rothhaar

Künstler Georg Seibert vor seiner Skulptur „Haus des Ikarus“ im Innenhof der Silberlaube. Foto: Gwendolyn Schneider-Rothhaar

Auf den ersten Blick wirken sie unmotiviert. Erstis starren sie verwundert an, älteren Studis fallen sie gar nicht mehr auf: eine korinthische Stahlsäule, Eisengestänge, Bronzeskulpturen. Teilweise bunt bemalt und in merkwürdigen Formen schmücken sie die Innenhöfe der Silberlaube und die Umgebung des Henry-Ford-Baus. Wer sich in Dahlem genau umschaut, stellt schnell fest: Der Campus gleicht einer großen Ausstellungsfläche für moderne Kunst. Doch was soll das?

Die Idee dazu stammt aus dem Jahr 1980. Damals schrieb die FU einen Wettbewerb zur Gestaltung der Innenhöfe und freiliegenden Flächen aus. Ziel war es, den Campus kommunikationsfreundlicher zu gestalten und damit auch den Freizeitwert zu verstärken. Das Ideal: Die Universität als Ort der Begegnung, ein kleines Stück Heimat für die Studenten – auch durch Kunst. 14 Künstler wurden daraufhin ausgewählt, ihre Arbeiten an der FU aufzustellen.

Georg Seibert ist einer von ihnen. Seine Skulptur „Das Haus des Ikarus“ befindet sich in einem Innenhof am Rande der K-Straße zwischen Gang 28 und 29. Sie soll Studenten zum Lernen und Streben motivieren, aber auch zu Bodenhaftung mahnen. So, wie es Dädalus gegenüber seinem Sohn Ikarus tat, als er sagte: „Fliege nicht zu hoch, aber auch nicht zu niedrig.“ Eigentlich wurde Seibert versprochen, dass neben dem Kunstwerk ein Begleittext mit der Erklärung aufgestellt wird. Heute trägt die Skulptur noch nicht einmal ihren eigenen Namen.

„Beschriftungen an Kunstwerken sind eine Notwendigkeit“, sagt Seibert. „Ohne sie wird die Kunst von vielen gar nicht als solche erkannt und nicht verstanden.“ Doch weil bis heute die Informationen zu seinem Kunstwerk fehlen, wirkt sein „Haus des Ikarus“ wie bloße Dekoration. Wie viele andere Werke auf dem Campus geht es damit im Uni-Alltag fast unter.

Perspektiven-Kunst-auf-Campus

Das Kunstwek „Perspektiven“ vor dem Henry-Ford-Bau. Foto: Valerie Schönian

 

Anders sieht es in der Nähe des Henry-Ford-Baus aus – wenngleich auch nur ein bisschen. Gegenüber dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaft steht die 15 Tonnen schwere Skulptur „Perspektiven“ von Volker Bartsch. Hier gibt es eine Infotafel. Sie verrät, dass das Kunstwerk zehn FU-Studenten gewidmet ist, die in den 1950er-Jahren bei stalinistischen „Säuberungen“ zunächst verschleppt und in der Sowjetunion zum Tode verurteilt wurden.

Was diejenigen, die sich im Sommer auf ihr räkeln, aber nicht erfahren: Über die größte Bronzeskulptur Europas wurde einmal kontrovers diskutiert. Ursprünglich wurde sie vom Bankhaus Oppenheim in Auftrag gegeben und sollte – ohne historischen Bezug – das Gelände des Berliner Hauptbahnhofes zieren. Das Veto der zuständigen Senatskommission verhinderte das. Daraufhin wurde das Kunstwerk kurzerhand zum Mahnmal umgedeutet und landete auf dem Campus der FU. Ein denkwürdiger Start für das Erinnerungs-Kunstwerk aus zweiter Hand.

Das kann der Betrachter nicht reflektieren, wenn er es nicht weiß. „Die jungen Leute sind unsere Kulturträger, deshalb sollten sie sich mehr mit Kunst auseinandersetzen – um ein besseres Verständnis für die Gesellschaft zu entwickeln“, sagt Seibert. Doch solange die Kunst leer im Raum steht, werden noch viele Studenten ahnungslos daran vorbeigehen.

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