Shades of Grey | FURIOS Online
FURIOS wünscht Euch schöne Semesterferien! Aktuelles rund um die FU gibt es hier wieder ab dem 13. Oktober.
Bis dahin viel Spaß mit unseren wöchentlichen Ferienserien FURIOS auf Reisen und Berlins Bibliotheken im Test!

Shades of Grey

Wenn er tapfer ist, verlässt Matthias Bolsinger seine grüne OSI-Idylle und betritt die J-Straße in der Silberlaube. Hier spart man sich Menschlichkeit und Heizung. Notizen aus einem Raum ohne Glück.

Illustration: Cora-Mae Gregorschewski

Illustration: Cora-Mae Gregorschewski

Gerüchten zufolge soll es in der Rost- und Silberlaube einen Punkt geben, von dem aus man nichts anderes sieht als verschiedenste Grauschattierungen. Die J-Straße ist für jedes Wesen, das sie betritt, eine Erfahrung der ganz besonderen Art. Sie ist wohl der einzige Gang der Silberlaube, der so farblos ist, dass einem beim Betreten der dortigen Toiletten dank vereinzelter, sonnenblumengelber
Kacheln vor lauter Farbeindrücken die Netzhaut brennt. Im Vergleich zu der Ödnis in Grau ist das stille Örtchen ein koloriert-berauschtes Jenseits, in dem selbst das einlagige Schmirgel-Toilettenpapier beginnt, einen Charme zu entwickeln.

Wer diese Straße betritt, weiß, was Einsamkeit ist. Harry Potter und Frodo Beutlin hatten’s vergleichsweise locker. Kombiniert man den Flair Mordors mit dem Gefühl, das Harry in der Nähe von Dementoren beschleicht, kommt man in etwa an das Kolorit der J-Straße heran. Doch hier hilft kein Patronuszauber, kein vernichteter Ring im Schicksalsberg verspricht Erlösung. Nichts schützt vor der Verzweiflung, deren Tentakeln einem bis in die letzten Poren
kriechen. Vereinzelt sitzen studentische Wesen verstört und wie abwesend auf den weißen, geriffelten Bänken. Blass ihr Antlitz, stumm ihr Mund. So wenige Menschen fristen hier ihr Dasein, dass niemand sich die Mühe macht, auch nur ein Plakat aufzuhängen.

Gefühle sind hier Fehlanzeige. War doch klar, dass der Ex-Exzellenzcluster »Languages of Emotion« an der J-Straße verkümmern musste. Dass die FSI Grundschulpädagogik hier sitzt, lässt für unsere kleinen Racker Schlimmstes befürchten. Wenn das Lehrpersonal hier weilt – kein Wunder, dass Schule scheiße ist.

Kommentar verfassen

Fuck Europe!

FU-Student Julian Niklas Pohl hielt sich sein Leben lang für ziemlich unausstehlich. Dann ging er für ein Semester ans amerikanische Elitecollege – das ihn lehrte, was wahre Douchebags sind.  » weiterlesen