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Wohnen in der Dose

In Berlin-Plänterwald entsteht eine Innovation gegen die zunehmende Wohnungsnot: Deutschlands erstes Containerdorf für den akademischen Nachwuchs, ein Zuhause auf 25 Quadratmetern Blech. Von Florian Schmidt

Auf dieser Baustelle entsteht das Containerdorf im Plänterwald. Wer sich für die Metall-Wohnungen interessiert, kann an einem Rundgang teilnehmen. Video: Christoph Spiegel

Es ist laut, es ist matschig und es ist ziemlich ab vom Schuss. Das Baugrundstück an der Eichbuschallee in Berlin-Plänterwald macht dieser Tage einen trostlosen Eindruck. Kaum vorstellbar, dass sich diese 11.000 Quadratmeter zwischen S-Bahn-Gleisen und DDR-Platten bald in eine hippe Wohnlage für Studenten verwandeln könnten. Das Geheimnis dahinter: Schiffscontainer aus dem Hamburger Hafen.

Auf dem Gelände entsteht derzeit das erste Studenten-Container-Dorf Deutschlands. 20 der zu Apartments umgebauten Hochseecontainer sind bereits aufeinander gestapelt. Bis Oktober 2014 sollen es insgesamt 412 sein. Rund 400 Studenten werden dann im Wohnkomplex „Frankie und Johnny“ ein neues Zuhause finden, auf exakt 25 Quadratmetern Wohnfläche pro Nase – Küche und Bad inklusive.

Das ist nicht gerade viel Platz. TU-Student Thomas Fehn hat sich trotzdem für einen Container beworben. Den 23-jährigen Wirtschaftsinformatiker überzeugt das Konzept: „Die Pläne sehen toll aus. Die Idee ist genial.“ Neu ist sie nicht: In Amsterdam gibt es schon seit 2007 ein Studentenwohnheim aus alten Containern. Mehr als 1000 Studenten wohnen dort in vergleichbaren Metallbehausungen. In Hollands Hauptstadt ließ sich auch Bauherr Jörg Duske inspirieren. „Als ich das sah, dachte ich mir, das geht auch in Berlin“, sagt er.

Die Umsetzung aber verzögert sich. Ursprünglich war der Einzugstermin für den Beginn des Wintersemesters angesetzt. Noch ist aber erst ein Bruchteil des gesamten Komplexes fertig. Einen Eindruck von dem Dorf aus Stahl können sich Interessierte dennoch schon jetzt verschaffen. Einen Plan der Anlage gibt es im Internet, vor Ort ist ein Beispiel-Container fertig eingerichtet:

Die Küche ist klein gehalten. Es gibt zwei elektronische Kochfelder, nebenan eine kleine Spüle, darüber ein Schrank für Tassen und Teller. Hinter dem Bad geht es in den Schlafbereich. Dort befinden sich ein Kleiderschrank, ein Schreibtisch und ein 1,30 Meter breites Bett. An den kurzen Seiten des Containers sind Fenster und Glastüren eingelassen, die Wände der Längsseiten sind mit Wolle wärme- und schallgedämmt.

Das ist auch nötig. Tagsüber donnern alle fünf bis zehn Minuten Züge der S-Bahn an dem Gelände vorbei. Dass auf den Grünflächen zwischen den drei Container-Reihen eines Tages gegärtnert und entspannt werden wird, kann man sich kaum vorstellen. Duske hofft: „Wenn die Häuser erst einmal stehen, wird es zwischen ihnen ruhig sein.“

Ein weiteres Manko – zumindest aus der Perspektive eines FU-Studenten: Bis zur Uni braucht man eine Dreiviertelstunde mit S- und U-Bahn. Hinzu kommen im Zweifelsfall zehn Minuten flotter Fußmarsch bis zur S-Bahnstation Plänterwald, denn der Bus, der direkt vor den Containern abfährt, verkehrt nur dreimal pro Stunde.

Thomas Fehn stört das nicht. Dass die TU – ähnlich wie die FU – weit weg liegt, sei kein Problem. „Die Lage bedeutet für mich eigentlich nur, dass eben mehr Hauspartys vor Ort stattfinden müssen“, sagt er.

Wenn Thomas Glück hat, zählt er zu den ersten, die in einen der Container einziehen dürfen. Er hofft, dass sich unter den Bewohnern eine lebendige Szene von jungen Leuten entwickelt. Das könnte aber auch davon abhängen, wie viele Studenten bereit sind, den Preis für die 25 Quadratmeter zu zahlen: Die Miete für einen Container beträgt monatlich 389 Euro.

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