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Die FU macht halbe Sachen

Seit knapp drei Jahren muss die FU all ihren Studierenden ein Teilzeitstudium ermöglichen. Gänzlich umgesetzt hat sie das bisher nicht. Doch langsam bewegt sich etwas. Von Mareike Edler

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Illustration: Robin Kowalewsky

In einer Woche, so hat das Deutsche Studentenwerk errechnet, verbringen Studierende durchschnittlich 35 Stunden in Lehrveranstaltungen und über ihren Büchern. Dabei ist das Studium oft nicht das einzige, um das sie sich kümmern müssen. Für diejenigen mit Kindern, pflegebedürftigen Angehörigen oder für Berufstätige gibt es daher die Möglichkeit, ein Teilzeitstudium zu beantragen. An der FU wird das wenig genutzt: Gerade einmal 44 der mehr als 30.000 Studierenden sind im laufenden Semester laut Präsidium Teilzeitstudenten.

Seit 2011 verpflichtet Paragraph 22 des Berliner Hochschulgesetzes die Universitäten, entsprechende Möglichkeiten einzurichten. Teilzeitstudierende müssen weniger Leistungspunkte pro Semester erbringen, also weniger Seminare und Vorlesungen besuchen.

Gespräche mit Studierenden zeigen aber, dass viele nicht einmal von dieser Möglichkeit wissen. „Ich habe das mal gelesen auf einem Formular“, sagt Christiane Schröte, die deutsche Philologie und Theaterwissenschaft studiert. Was das aber genau bedeute, wisse sie nicht. Auch Linguistikstudent Alexander Balakshin ist der Begriff neu. Die Idee, mehr arbeiten zu können und gleichzeitig zu studieren, findet er allerdings gut. „Durch die vielen Kurse habe ich bisher keine Zeit für beides.“ Auch Christiane sieht darin Vorteile, besonders für junge Familien.

Doch knapp drei Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes gibt es an der FU immer noch keine klare Regelung für diese Studiumsvariante – für wen sie zum Beispiel möglich ist. Den Asta ärgert das. „Warum die Univerwaltung so lange untätig geblieben ist, kann ich mir nicht erklären“, sagt Asta-Referent Philipp Bahrt.

Ein weiterer Streitpunkt zwischen Asta und Präsidium ist, dass bisher laut Satzung für Studienangelegenheiten nur zulassungsfreie Studiengänge auf Teilzeit studiert werden können. „Das ist eine klar rechtswidrige und völlig haltlose Auslegung des Berliner Hochschulgesetzes“, erklärt Asta-Referent Bahrt. Wem aus diesem Grund ein Teilzeitstudium verweigert werde, der könne mit Hilfe des Astas Klage einreichen. Dieser Missstand solle im Zuge einer Überarbeitung behoben werden, teilt das Präsidium mit. Danach könnten alle immatrikulierten Studierenden ein Teilzeitstudium beantragen.

Doch warum will anscheinend kaum jemand in Teilzeit studieren? Die einzelnen Institutionen vermuten mehr dahinter als Unkenntnis. Laut der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft liegt es daran, dass viele Studierende ihren studentischen Alltag einfach selbst organisieren und dabei auch ein paar Semester mehr in Kauf nehmen. Das FU-Präsidium geht davon aus, dass das allgemeine Interesse an Teilzeitstudiengängen nicht groß sei.

Asta-Referent Bahrt aber befürchtet, die unklaren Regelungen würden Studierende von einem Teilzeitstudium abschrecken. Er vermutet, die Uni scheue bisher den Aufwand und lasse die Studierenden deshalb im Unklaren über das Teilzeitstudium. Die FU sieht das anders. Man habe zuerst die Rahmenstudien- und Prüfungsordnung (RSPO) verabschieden müssen, sagt ein Präsidiumssprecher. Nun würden die entsprechenden Regelungen zum Teilzeitstudium überarbeitet. Die genaue Ausgestaltung des Studiums in Teilzeit obliege jedoch den einzelnen Fachbereichen, wo sich Betroffene individuell beraten lassen könnten und sollten.

Obwohl der Asta die Initiative der Uni begrüße, sollte man sich nicht zu früh freuen, so Bahrt. Der Druck, den sowohl die Studierenden als auch der Berliner Senat ausgeübt haben, habe sicher auch eine Rolle gespielt. Möglich sei aber auch, dass Präsident Peter-André Alt auf diesem Wege im Vorfeld seiner Wiederwahl im Mai kritische Stimmen habe besänftigen wollen, so der Asta-Referent. Noch ist die Neuregelung der Satzung nicht beschlossen. Dem Präsidium zufolge werde der Akademische Senat noch in diesem Semester die Änderungen beschließen. Dann wird sich zeigen, ob danach mehr Studierende das Angebot in Anspruch nehmen werden.

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