Willkommen im Zoo | FURIOS Online
FURIOS wünscht Euch schöne Semesterferien! Aktuelles rund um die FU gibt es hier wieder ab dem 13. Oktober.
Bis dahin viel Spaß mit unseren wöchentlichen Ferienserien FURIOS auf Reisen und Berlins Bibliotheken im Test!

Willkommen im Zoo

Sich mit den Szene-Nasen in Friedrichshainer Clubs rumtreiben kann jeder. Matthias Bolsinger ging an die Basis. Im „Maxxim“ ist Feiern erfrischend ehrlich. Gut macht es das aber noch lange nicht.

Illustration: Cora-Mae Gregorschewski

Illustration: Cora-Mae Gregorschewski

Put your motherfucking hands up? Es nicht noch schlimmer, als ich dachte. Zum zweiten Mal läuft Usher. „Yeah“. Eigentlich würde ich mich jetzt künstlich darüber aufregen. In diesem Zoogehege ist das aber noch die kleinste Peinlichkeit.

Ich finde mich am sogenannten „Herrentag“ in einer berüchtigten Proll-Diskothek in der Nähe des Kurfürstendamms wieder. Danke, liebe Redaktion! Als 16-Jähriger besuchte ich zu Hause eine Kleinstadt-Großraumdisse. Mit Elternzettel und so. Acht Jahre später erwarte ich hier also etwas nostalgische Gefühle – aber ich bin einfach nur fassungslos.

Raubtierfütterung: Das Etablissement fährt eine Go-go-Nummer auf. Drei halbnackte Menschen auf dem Podest, an deren lustlosen Gesichtsausdrücken unschwer zu erkennen ist, dass sie sich die große Bühne etwas anders vorgestellt haben. Daneben sehe ich: Notgeile, filmende Teenager, denen Papi wohl „Youporn“ gesperrt hat; einen Enddreißiger mit Trillerpfeife, der in seiner Freizeit bestimmt Barbie-Puppen waterboardet; die Mitgliederversammlung von McFit mit Kollegah-Gedächtnisfrisur und die vorletzte Kollektion von „New Yorker“.

Dank ausreichend Wodka Energy im Kraftfutter setzt zu später Stunde schließlich die Brunftzeit ein. Wo bleiben die Leute vom Discovery Channel? In der Zwischenzeit experimentiert der musikalische Pfleger bei einem Pitbull-„Hit“ ein bisschen zu viel mit dem Geschwindigkeitsregler. Ein spektakulärer Niveaulimbo folgt zwar dem nächsten. Doch in einer Stadt und in einer Zeit, in der sonst alles nur ironschabschätzig gefeiert wird, herrscht hier angenehme Ehrlichkeit. Hochwertiger macht dies das Spektakel leider trotzdem nicht. Guetta bleibt Guetta.

 

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