Alles Geschmackssache | FURIOS Online
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Alles Geschmackssache

Wo trockene Wissenschaft vorherrscht, muss Kreativität ersticken. So wie an der Freien Universität. Mathestudent Max Krause floh in inspirierendere Gefilde – und wurde von der Muse geküsst.

Inspiration liegt in der Luft. Ein Atemzug, und sie strömt tief in meine Lungen, eine Diffusion in meine Blutbahn, dann erreicht sie mein Gehirn – alles im Bruchteil einer Sekunde. Dieser Ort fließt über vor Kreativität, ja, dieser Ort ist Kreativität.

Nein, ich befinde mich nicht in einer Szenekneipe in Mitte. Stattdessen wandle ich hier in den Gängen der Universität der Künste (UdK) und trete in die Fußstapfen der Größten: Felix Mendelssohn Bartholdy, Käthe Kollwitz, Thomas Mann. Diese Mauern sind durchtränkt mit künstlerischem Genie.

Wo an der FU schnöde Plakate die Wände verunstalten und die grauen Gänge höchstens von politisch bewegten Kommilitonen bunter gestaltet werden, zeigt sich der Kuss der Muse an der UdK bereits in der Wandelhalle. Anstelle von politischer Propaganda hängen hier die Werke aufstrebender Künstler an den Wänden: Eine Serie von Porträts, alle durch verschiedene Objekte entfremdet. Eine Melange aus Metallstreben, Flutlichtern und anderem Baustellenutensil, dessen Bedeutung so tief liegt, dass mein beschränkter Geist sie nicht zu fassen vermag.

In einem Seitenflügel lasse ich mich nieder. Gibt es an der FU nur kahle, kalte Flure, sind die Mauern hier in einem warmen Weiß gehalten, perfekt ergänzt durch das sanfte PVCGrau des Bodens. Zu meiner Seite ein Streifen schwarzer Farbe, der zu den Rändern hin ausfranst und so das Chaos des Universums feiert. Mir gegenüber die Frontalbetrachtung eines Seemanns, der sein übergroßes Gemächt präsentiert. Die ganze Komplexität von Geschlechterfragen – festgehalten mit wenigen Pinselstrichen. Kein Zweifel: Wer hier studiert, ist mehr als bereit, Großes zu schaffen. Ich bin es nicht, fürchte ich. Naja, Kunst bleibt eben Geschmackssache. Und meinen trifft die UdK nicht.

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