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Theoretiker im Scheinwerferlicht

Dank der Open Stage erfrischt pfiffige Praxis den theorielastigen Unialltag. Jeder darf sich auf der Bühne bewähren. Marie Halbich besuchte das Event im Café der Theaterwissenschaften.

Alex und Paul sorgen mit ihrem Ukulele-Medley für mächtig Stimmung. Foto: Marie Halbich

Alex und Paul sorgen mit ihrem Ukulele-Medley für mächtig Stimmung. Foto: Marie Halbich

Im studentischen Café des Theaterwissenschaftlichen Instituts ist kaum noch ein Platz frei. Immer mehr Studenten drängen in den gemütlichen Raum mit der kleinen Bühne. Viele machen es sich mangels Sitzgelegenheiten auf dem Fußboden bequem – neben
Stapeln von Getränkekisten in der einen und Bücherbergen in der anderen Ecke. Das kleine Café ist erfüllt von lautem Stimmengewirr; es herrscht eine entspannte Stimmung. Eine mit Kreide beschriebene Getränketafel verrät: „Open Stage – Heute 21 Uhr!“

Einmal im Monat können sich Künstler hier im Theater-Café auf der Bühne austoben: ob Filme, Texte oder Musik, alles dürfen sie präsentieren. Seit vier Jahren gibt es die Open Stage schon, sie soll ein bisschen Leben in das manchmal theorielastige Theaterstudium bringen.

Pharrell Williams’ „Happy“ schallt durch das Café. Das Lied dient der Untermalung eines witzigen und professionell wirkenden Kurzfilms, den ein Student mit dem Laptop auf den Knien präsentiert und der beim Publikum großen Anklang findet. Ein anderer erkundigt sich vorsichtshalber, ob einer der Anwesenden aus Spandau kommt, bevor er mit der amüsanten Geschichte eines Jungen, der trotz der Warnung seiner Mutter zum ersten Mal in diesen Bezirk fährt, für allgemeine Belustigung sorgt.

Aber auch die musikalischen Acts kommen gut an: Einige Zuschauer stimmen sogar bei einem Mix bekannter Songs spontan mit ein. Als schließlich Ukulele auf Rock‘n’Roll trifft und die beiden Vortragenden sich voller Hingabe im Duett verausgaben, wippen alle begeistert mit.

Wolf-Peter Arand ist ehemaliges Mitglied des Café-Teams und hat die Open Stage vor vier Jahren mitgegründet. Er freut sich, dass
engagierte Studenten das Konzept bis heute weitergetragen haben. Ursprünglich wurde es ins Leben gerufen, um für das abseits des
Trubels gelegene Theater-Café zu werben. Die Open Stage – für die kein Eintritt verlangt wird – sollte das Café also nicht nur für die
Angehörigen des eigenen Instituts attraktiver machen, sondern auch Studierende anderer Fachbereiche anziehen.

Doch nicht zuletzt inspirierte ihn auch der Wunsch nach Praxis zur Gründung der studentischen Probebühne: Angesichts der vorwiegend theoretisch ausgerichteten Studiengänge des Instituts, das neben der Theater- auch die Tanz-, Film- und Musikwissenschaft beherbergt, ist das wohl kaum verwunderlich. Arand – selbst Filmwissenschaftler – betont: „Wir hatten die Möglichkeit, was zu machen und wollten lieber diese Chance nutzen, als bloß theoretisch unterwegs zu sein. Die Chemiker sitzen auch nicht die ganze Zeit bloß da und theoretisieren, die gehen dann auch ins Labor und probieren es mal aus! Hier sind ganz viele kreative Köpfe – warum denen nicht eine Bühne geben?“

Die Open Stage ist für die Vortragenden also letztlich das, was für den Chemiker das Labor ist: ein Experimentierraum für alle, die
sich ausprobieren möchten. Es bedarf einzig und allein einer kreativen Idee und einer gewissen Portion Mut, denn am Ende einer
jeden Darbietung zählt allein die Reaktion der Zuschauer. An diesem amüsanten und abwechslungsreichen Abend durchflutet schließlich frenetisches Klatschen das Café. Und zeigt: Das Konzept sorgt immer noch für Begeisterung.

 

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