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Frischer Wind bei den VWLern

Mehr als nur Theorie: eine studentisch organisierte Vorlesungsreihe zeigt VWL-Studenten Alternativen zur einseitigen Lehre am Institut auf. Thekla Brockmüller über Wirtschaftswissenschaften abseits des Mainstreams.

Die Organisatoren der Vorlesungsreihe Janina Urban, Lino Zeddies und Prof. Dr. Leonhard Dobusch. Foto: Lino Zeddies

Die Organisatoren der Vorlesungsreihe Janina Urban, Lino Zeddies und Prof. Dr. Leonhard Dobusch. Foto: Lino Zeddies

Zu viel Theorie, kein Raum für Diskussionen und einseitige Lehre. Die Kritischen WirtschaftswissenschaftlerInnen beklagen schon seit längerer Zeit die Lehrmethoden an ihrem Fachbereich. Eine neue von Studenten organisierte Vorlesungsreihe soll jetzt frischen Wind in die Wirtschaftswissenschaften bringen: „Denkschulen und aktuelle Kontroversen der Ökonomik“.

Jeden Donnerstag werden verschiedene Referenten eingeladen, die Ansätze und Schulen außerhalb des ökonomischen Mainstreams vorstellen. Es geht darum, die VWL vielfältiger zu betrachten. In der anschließenden interaktiven Übung werden aktuelle Kontroversen wie die Finanzkrise, Ungleichheit oder Wirtschaftsethik diskutiert.

Kritisches Hinterfragen der Lehre 

Die Veranstaltung steht im Zeichen des weltweiten Aufrufs „mehr Pluralismus in der Ökonomik“ – das Ziel dieser Initiative ist, Vielfältigkeit und Interaktion zu schaffen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Kisker organisieren Janina Urban und Lino Zeddies, Mitglieder der Kritischen WirtschaftswissenschaftlerInnen, die Vorlesungen und Übungen. „Wir wollen durch unsere Tätigkeit zum kritischen Denken anregen und auch in gewisser Weise einen Samen pflanzen, sodass Studenten die an der Uni gelernten Modelle auch hinterfragen. Viele davon basieren auf unplausiblen Annahmen, die in der Realität nicht so zutreffen “, so Lino Zeddies. Er sei mit der aktuellen Lehre an den Hochschulen nicht zufrieden und erkenne auch die Auswirkungen in der Praxis: „Finanzmärkte werden in der Lehre völlig ausgeblendet und die Finanzkrise ist ein logisches Ergebnis daraus.“ 

Martin studiert VWL im fünften Semester und findet: „Die Veranstaltung ist mal was anderes. Was wir in den üblichen Vorlesungen lernen, basiert immer auf den gleichen Theorien. Hier hat man die Möglichkeit, über den Tellerrand hinaus zu schauen.“ Calisha, die ebenfalls VWL im fünften Semester studiert, hat eine ähnliche Meinung: „Mein Studium ist mir oft zu eintönig, hier lernen wir auch Gegenmodelle zur Neoklassik. Die unterschiedlichen Sichtweisen ermöglichen es außerdem, sich über verschiedene Alternativen im Bereich Masterstudium Gedanken zu machen.“

Kooperation mit der FSI

Die Fachschaftsinitiative FSI WiWiss kooperiert mit den Kritischen WirtschaftswissenschaftlerInnen und setzte sich dafür ein, dass die Lehrveranstaltung regulär angerechnet werden kann. In der Vergangenheit wurde des Öfteren kritisiert, dass die FSI, die sich selbst als linke studentische Interessenvertretung sieht, zu politisch sei und sich nicht genug um studentische Anliegen kümmere. Doch in letzter Zeit scheint sie ihre Leistungen – z. B. auch in Form eines neuen Cafés oder der Organisation einer Bücherbörse – etwas erweitert zu haben. Als reine „Service-FSI“ sieht sie sich aber trotzdem nicht.

Die neue Lehrveranstaltung dürfte für die Studierenden jedenfalls eine willkommene Abwechslung zum oft sehr theoretischen Unialltag sein. Sie ermöglicht ihnen die kritischen Debatten, die sich viele von ihnen schon lange gewünscht haben und regt zur Reflektion des eigenen Studiums an.

 

Diesen Donnerstag geht es weiter: um 14 Uhr referiert Prof. Friederike Maier zum Thema Feministische Ökonomik und in der anschließenden Übung um 16 Uhr sollen vergessene Arbeitswelten diskutiert werden.

 

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