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Crisis Mapping: Überblick im Krisengebiet

Das Web 2.0 besteht nicht nur aus sozialen Medien. In Open Street Maps können Nutzer selbst kartieren und dadurch indirekt humanitäre Hilfe leisten. Wie das geht, hat Veronika Schweighoferová ausprobiert.

Auf der Suche nach dem richtigen Punkt. Unsere Autorin beim Kartieren. Foto: Veronika Schweighoverová.

Auf der Suche nach dem richtigen Punkt. Unsere Autorin beim Kartieren. Foto: Veronika Schweighoverová.

Ich bin technisch unbegabt. Zum 2. Mapathon der FSI Geographie ging ich mit einer klaren Vorstellung: ich werde die Computerexperten bei der Arbeit beobachten, später einige von denen befragen und dann darüber berichten. Doch es kam anders. Ich traf auf viele neugierige Studenten mit und ohne Expertise, kleine Einführung ins Kartieren, Tee, Kaffee und jede Menge Karten. Mitgemacht haben alle –  einschließlich mir. Drei Stunden später verließ ich die Veranstaltung mit dem heldenhaften Gefühl ganz allein 306 Objekte in meiner Karte hinzugefügt zu haben. Und hoffentlich jemandem damit geholfen zu haben.

Beim Mapathon betreiben die Teilnehmer das sogenannte „Crisis Mapping“. Es geht darum, anhand von Satellitenaufnahmen Karten von Krisengebieten im Internet herzustellen. Solche Karten sind einfach zu produzieren, kostenlos und für alle zugänglich. Dadurch erleichtern die Teilnehmer möglicherweise die Arbeit der Hilfsorganisationen in diesen Gebieten.„Ich bin hier zum ersten Mal und und bin gekommen, weil ich das Angebot spannend fand“ sagt eine junge Geographiestudentin, die sich dafür extra den Weg nach Lankwitz gemacht hat.

Wir treffen uns in einem Computerraum am Fachbereich Geographie und machen uns an die Arbeit. „During the month of October 2014, repeated massaceres in the city of Beni, Congo, killed more than one hundred people. Making Beni map more accurate will provide a better support for the next field surveys“, erklärt die Aufgabenbeschreibung, die beim Open Street Map (OSM) Tasking Manager erscheint; ein Programm, das anhand von Satellitenaufnahmen eine Sortierung der zu kartierenden Landschaften ermöglicht. Sie leuchtet rot. Das bedeutet, dass diese Karte eine besonders hohe Präferenz im Programm hat. Prozentzahlen geben an, wie hoch Anteil der Fläche ist, die schon kartiert wurde. Die Basis dafür bieten die Aufnahmen des Satelliten Bing Sat, die in einem Programm namens JOSM bearbeitet werden.

Crisis Mapping: Die Suche nach der Realität

„Ab jetzt arbeitet ihr mit der Realität“, erklärt Moritz von der FSI den Teilnehmern. „Bitte arbeitet gewissenhaft und verantwortungsvoll.“ Dann fangen die rund zwanzig Anwesenden mit der Arbeit an. Annähern, erkennen, kennzeichnen, beschreiben, abspeichern, kontrollieren. Auch ich klicke mit Begeisterung in meinem Kartenausschnitt herum. Doch langsam stößt mein Engagement auf Grenzen. Ist das Objekt auf der Aufnahme ein Gebäude? Wenn ja, handelt es sich wahrscheinlich um eine Kirche, eine Universität oder ein Krankenhaus? Für Sicherheit wähle ich die sicherste Option und bestätige das Gebäude als „ein Gebäude“. Hiermit enden aber meine Zweifel nicht: ab vielen Gebäuden handelt es sich denn um eine Siedlung? Ist ein Weg eine Autobahn, ein Radweg oder in einer Wohngegend? Ist der Punkt da ein Baum oder ein Turm?

Gerade das Wort „wahrscheinlich“ erschwert die Arbeit wesentlich. Denn die Karten können die Realität nie eins zu eins abbilden. Deshalb ist die Arbeit in der OSM  willkürlich; die Software kann den Benutzer zwar auf Fehler technischer Art aufmerksam machen (wie zum Beispiel zwei sich zufällig kreuzende Straßen), aber eine weitere Verifizierung der Daten findet nicht statt. Doch, im Unterschied zu anderen Kartenprogrammen wie Google Maps, ist OSM für alle Nutzer frei. Man kann die Karten kostenlos herunterladen und auch ohne Internetzugang benutzen. Das wichtigste ist aber die Möglichkeit der Mitgestaltung. Jeder Nutzer hat auf die bereits angegebenen Daten Zugriff und kann diese ergänzen oder korrigieren. Genau dieses Wechselspiel zwischen kooperativer Kartierung und gegenseitiger Verifizierung ist das, was sich die Veranstalter wünschen: Karten 2.0.

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