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Falsch begründet

Die Berliner Unis feiern sich für ihre studentischen Startups. In den Statistiken sind sie spitze. Wer hinter die Zahlen schaut, erkennt: Sie schmücken sich mit fremden Federn. Von Matthias Bolsinger

Illustration: Luise Schricker

Illustration: Luise Schricker

 

In der Gründervilla fließt das Freibier. Einmal im Monat treffen sich hier Unternehmer und solche, die es werden wollen. „Profund“ , der Gründungsservice der FU Berlin, hat zu „Business and Beer“ geladen. „Eine klasse Veranstaltung“ , findet ein studentischer Gründer, sagt aber auch: „Manche Angebote sind eher nutzlos. Der Gründerservice stellt sich besser dar, als er ist.“

Solch kritische Worte passen nicht in das Bild, das die Gründungsservices der Berliner Hochschulen derzeit von sich zeichnen. Im Oktober veröffentlichten sie die Ergebnisse ihrer Umfrage: Rund 700 „Hochschul-Startups“ beschäftigten im Jahr 2013 gut 17.000 Angestellte. Ihr gemeinsamer Umsatz betrug 1,7 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die gesamte Berliner Musikbranche setzte im Jahr zuvor etwa eine Milliarde Euro um.

Die Hochschulen jubeln und bezeichnen sich in der Studie als „Wirtschaftsmotor für Berlin und Brandenburg“ . Geht es nach der Anzahl der Gründungen, erreicht vor allem die FU Spitzenwerte. Doch ein genauerer Blick in die Zahlen zeigt, dass an den Schlussfolgerungen der Unis etwas nicht stimmt. Deren überschwängliche Selbstdarstellung ist in großem Maße Blendwerk. Aus der Studie geht nämlich hervor: Nur 42 Prozent der befragten Unternehmen haben die finanzielle Unterstützung in Anspruch genommen. Grund für die dennoch hervorragenden Ergebnisse ist, dass in der Studie alle Alumni berücksichtigt wurden, die ein Unternehmen gegründet haben – selbst jene, die keine Fördermittel erhielten. Auch den Erfolg dieser „Hochschul-Startups“ schreiben sich die Unis auf die Fahne.

In einigen Fällen leisten universitäre Start-ups tatsächlich einen einzigartigen Transfer zwischen Wirtschaft und Forschung – für manche Studierende bietet der Gründerservice eine erste Orientierung. Doch oft beschränkt sich sein Verdienst darauf, Stipendien zu vermitteln. So viele Start-ups sich an der FU auch finden, in Sachen Beratung und Sensibilisierung ist sie laut „Gründungsradar“ des Stifterverbandes eher Durchschnitt. Die Technische Universität schneidet dort besser ab.

Was keine der Studien wirklich zeigt: Die Angebote der Universitäten – zum Beispiel Mentoring oder die Studieninhalte – spielen als Inspirationsquelle für die Jungunternehmer eine eher untergeordnete Rolle. So auch für Niels Hapke und seine Anatomie-Lernplattform „Kenhub“ . „Für uns war der Gründungsservice hauptsächlich ein Vehikel, um an Fördermittel zu kommen. Alles andere – Idee, Geschäftsmodell, Strategien – haben wir selbst entwickelt“ , so Hapke. „Uns war einfach wichtig, unseren Sitz hier in Berlin und die Charité als Partner zu haben.“ Auch für die Gründer von „iversity“ , einem Online-Anbieter für Vorlesungen, war die Wahl der FU als Institution nach eigenen Angaben eher zufällig. Den Standort Berlin indes bewertet die Firma als wichtigen Faktor. „Uns kommt zugute, dass es hier in Berlin eine Vielzahl qualifizierter Menschen aus allen denkbaren Bereichen gibt“ , so „iversity“ -Sprecher Martin Schmucker. „Die Universitäten sind insofern hilfreich, als sie diese Menschen ausbilden.“

Doch das tun sie nicht nur in Berlin. Dass es die hiesigen Hochschulen sind, die die jungen Unternehmer zur Gründung motivieren, lässt sich aus der Gründungsumfrage nicht schließen. Zwar wurden die geförderten Unternehmer befragt, wie sie die Hilfe der Hochschule einschätzen, veröffentlicht wurden diese Ergebnisse

aber nicht. Was bleibt, ist die recht banale Erkenntnis, dass der Berliner Start-up-Boom an den Studierenden und damit an den Universitäten nicht vorbeigeht. Nur das Gegenteil wäre tatsächlich überraschend gewesen.

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