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Rechts herrscht Ruhe

Den Studi-Ausweis und das NPD-Parteibuch in der Tasche – an vielen deutschen Unis sind rechte Studierende durch linke Gruppen geoutet worden. Was ist mit den Rechten an der FU? Von Sophie Krause

Illustration: Snoa Fuchs

Illustration: Snoa Fuchs

Als im Dezember 2013 eine Gruppe Antifa-Aktivisten an der Uni Bochum einen Hörsaal stürmte und dort einen jungen Mann als hochrangigen Parteikader der Neonazi-Partei „Die Rechte“ entlarvte, tauchte ein bislang nahezu unsichtbarer Studententypus auf dem universitären Radar auf: der Rechtsradikale. „Mein Kommilitone, der Nazi?“, fragte ein Zeitungsartikel. In Bielefeld und Hannover kam es an den Unis zu ähnlichen Vorfällen.

An der FU wurde der Politikstudent Lion Edler Ende 2013 von Unbekannten am Fachbereich Politikwissenschaft durch ein Flugblatt denunziert. Darauf zu sehen: Private Bilder von Edler, seine E-Mail-Adresse und Handynummer. Edler schreibt unter anderem für rechte Zeitungen wie die „Junge Freiheit“ und die ihr nahestehende Monatsschrift „eigentümlich frei“.

Außerdem ist er Mitglied in der Alternative für Deutschland (AfD). Sein Weltbild bezeichneten die anonymen Urheber des Flugblattes als „gefestigtes (extrem) konservatives bis nach ganz rechtsaußen offenes“. Er selbst besteht auf eine Einordnung als rechts-konservativ.

Linke Hochschulgruppen und studentische Initiativen prägen an der FU den Uni-Alltag. Nazis mit Glatzen und Springerstiefeln sucht man hier vergeblich. Edler gehört somit zu einer schwerschätzbaren politisch rechten Minderheit. Laut der aktuellen Studierendenumfrage des Bildungsministeriums stufen sich drei Prozent der Studenten als „stark bzw. extrem rechts“ ein; zehn Prozent von ihnen bezeichnen sich als „eher rechts“. Seit 1993 haben sich diese Zahlen quasi nicht verändert.

Zum Vergleich: 20 Prozent der Studenten bezeichnen sich als „stark bzw. extrem links“. Diese Zahl ist allerdings kleiner geworden. 25 Prozent der Studentenstufen sich konstant als „eher links“ ein. Im Fall von Lion Edler waren aller Wahrscheinlichkeit nach kleinere linke Gruppen für das Outing verantwortlich.

Der Asta der FU solidarisierte sich allerdings und lobte die “engagierte Flyeraktion”. Ein Fall, in dem der Asta wie die Antifa in Bochum ein studentisches Mitglied einer rechtsradikalen Partei öffentlich gemacht hat, ist bislang nicht bekannt. Über konkrete Vorfälle wisse man nichts, erklärt eine ehemalige Referentin für Antifaschismus und Internationalismus. Eine Anfrage zum Umgang mit rechten Studenten und deren Outings ignorierte das Antifa-Referat.

Indes ist das Sammelbecken für Rechte größer geworden: Seit dem Aufstieg der AfD ist eine rechte Gesinnung auch in der Mitte der Gesellschaft keine Seltenheit mehr. Eine Partei für diejenigen, denen die CDU zu mittig wurde und die NPD zu radikal ist, findet auch unter Studenten Anklang. Ein AfD-Mitglied, das an der HU studiert, hat eine klare Antwort auf die Zurückhaltung gleichgesinnter Kommilitonen: „Wer hat schon Lust, ständig auf dem Campus bedroht zu werden?“

Kein Wunder: Lion Edler wurde nach seiner Denunziation von vielen seiner Kommilitonen gemieden und in einem Seminar sogar sabotiert. Ein freiwilliges Bekenntnishält er daher für undenkbar. Wie sollen Unis auf diese Outings reagieren? Für die FU steht fest: „Politischer Extremismus hat an der Freien Universität Berlin keinen Platz.“ Dennoch werde nur „bei strafrechtlich relevanten Aktivitäten“ oder bei einer Störung des Unibetriebs der Einzelfall und eine Exmatrikulation überprüft, so die Pressestelle.

So bleibt das Thema weiterhin den linken Gruppen überlassen. Die haben nicht viel zu tun: Die gemutmaßte kleine rechte Minderheit gibt sich nicht zu erkennen. Und wenn doch, dann zählt sie sich selbst zur “neuen Rechten” und gibt sich mit rechtskonservativen Positionen salonfähig.

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