„Bei uns wird niemand manipuliert“ | FURIOS Online
FURIOS wünscht Euch schöne Semesterferien! Aktuelles rund um die FU gibt es hier wieder ab dem 13. Oktober.
Bis dahin viel Spaß mit unseren wöchentlichen Ferienserien FURIOS auf Reisen und Berlins Bibliotheken im Test!

„Bei uns wird niemand manipuliert“

Mit La:iz hat die FU seit diesem Semester eine neue linke Hochschulgruppe. Theresa Bischof und Simon Toewe haben uns erzählt, was sie von anderen linken Listen unterscheidet und wie sie über unser aktuelles Heft denken. Von Nicolas Goez

Theresa und Simon wollen mit La:iz ins Stupa einziehen. Foto: Francis Laugstien

Theresa und Simon wollen mit La:iz ins Stupa einziehen. Foto: Francis Laugstien

FURIOS: Wofür wollt ihr euch im Studierendenparlament einsetzen?

Theresa: Wir möchten die Kämpfe, die wir an der Uni führen, ins Parlament tragen. Unsere Gruppe engagiert sich beispielsweise gegen Rassismus und setzt sich für die Rechte der Frau ein. Außerdem wollen wir alle Themen im Stupa kritisch begleiten.

Simon: Eine unserer konkreten Forderungen ist, dass die FU aus dem Verein Uni-Assist austritt. Dieser organisiert den Bewerbungsprozess für ausländische Studierende und nimmt dafür Gebühren. Die Höhe der Gebühren ist abhängig vom Herkunftsland und steht darüber hinaus in keinem Zusammenhang mit dem Verwaltungsaufwand. Aus unserer Sicht ist das ein diskriminierender Vorgang.

Diese Themen sind an der FU nicht wirklich neu. Was unterscheidet euch von den anderen linken Gruppen?

Simon: Wir haben ein breiteres Spektrum von Menschen bei La:iz. Viele unserer Mitglieder sind in Fachschaftsinitiativen aktiv, andere kommen aber auch von politischen Gruppen außerhalb der Uni. Wir haben so die Möglichkeit, universitäre und nicht-universitäre Themen miteinander zu verbinden. Außerdem achten wir stark darauf, keiner Ideologie zu verfallen.

Ihr seid eine sehr junge Gruppe. Könnt ihr trotzdem schon Erfolge verbuchen?

Theresa: Wir konnten durch das Couchcafé und andere Veranstaltungen viele Studis für unsere Ziele sensibilisieren. Wir haben in diesem Semester zum Beispiel eine Infoveranstaltung zum Aufmarsch der Gruppe „Hooligans gegen Salafisten“ organisiert.

Simon: La:iz hat auch wesentlich die kritische Orientierungswoche mitgestaltet. Die Aktion wurde von vielen der neuen Studierenden positiv aufgenommen. Auch wir beide sind über die kritische Orientierungswoche zu La:iz gekommen.

Was entgegnet ihr den Kritikern der kritischen Orientierungswoche? Was denkt ihr über die Bezeichnung „Gehirnwäsche“ aus der letzten Furios?

Theresa: Wir haben uns da schon persönlich angegriffen gefühlt. Für uns besteht keinerlei Zusammenhang zwischen einer gewissen Politisierung und Gehirnwäsche. Wir sind doch nicht Scientology.

Simon: Ja, also Gehirnwäsche fand ich auch heftig. Bei uns wird niemand manipuliert und wir predigen auch keine Ideologie. Weder bei der kritischen Orientierungswoche, noch bei La:iz werden den Leuten Dogmen vorgegeben. Der Vorwurf ist deshalb völlig absurd.

Wo seht ihr für Studenten die größten Probleme an der Uni?

Simon: Die FU ist die dritte Uni an der ich studiere. Überall geht der Trend dahin, die Studierenden schnellstmöglich durchs Studium zu schleusen und dem Markt als Humankapital zur Verfügung zu stellen. Das läuft ähnlich wie in einer Fabrik. Wir möchten, dass Studierende selbstbestimmt durchs Studium gehen können und sich mit den Inhalten beschäftigen, die sie gerade interessieren.

7 Kommentare

  • „Die Höhe der Gebühren ist abhängig vom Herkunftsland“

    Dies ist falsch, für alle Bewerbungen werden 75€ verlangt.

    • Aber nicht für deutsche Antragsstellende. Insofern schon richtig

    • Versteht man den Satz so, dass Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit grds. überhaupt Gebühren zahlen müssen und Deutsche nicht, macht er schon Sinn.

    • Da hast du recht, dass ist aber erst seit frühjahr 2014 so. Zuvor waren die Kosten abhänig vom Herkunftsland und wurden als dann kritik daran aufkam alle auf 75€ angehoben – was natürlich alles andere als im Sinne der Kritiker*innen war.

      Zudem ist es insofern noch abhänig vom Herkunftsland, als dass menschen mit deutscher Hochschulzulassung nichts zahlen.

      Die Uni-assist kosten gehen in eine ähnliche Richtung, wie die ‚Studiengebühren für nicht-deutsche‘ mit denen das neue Kuratoriumsmitglied Jürgen Zöllner (ehemaliger Senator für Bildung..) immer wieder Liebäugelt. Diese sind zumindest für Europa nicht legal.

      Dass die Uniassistkosten mit Europarecht nicht vereinabr sind lässt sich auch an einer Formulierugn im präsidialen Vorschlag für die neue SfS (Satzung für Studienangelegenheiten) erahnen. Dort heißt es:
      „Studienbewerberinnen und Studienbewerber aus anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union […] sind im Verfahren der Zulassung deutschen Studienbewerberinnen und Studienbewerbern gleichgestellt.“
      Unmittelbar vorher wird aber die beibehaltung von Uni-assist verankert, über das sich auch die o.g. Gruppe von potentiellen studierenden Bewerben muss.
      Die Formulierung scheint also mehr eine Floskel zu sein, um zu betonen, dass die ‚F’U hier europarechtskoform handelt, während sie dies tatsächlich nicht tut.

  • Eine Resolution zu Uni-Assist hat das StuPa längst auf Antrag der Jusos beschlossen. Für die Rechte der Frauen und gegen Rassismus setzen sich auch alle anderen linken Gruppen ein. Also: Warum noch eine weitere Liste?

  • „Zudem ist es insofern noch abhänig vom Herkunftsland, als dass Menschen mit deutscher Hochschulzulassung nichts zahlen.“

    Das stimmt auch wieder nur zur Hälfte. Wenn ich eine nicht Deutsche Hochschulzulassung habe und mich für einen Masterstudiengang an verschiedenen Hochschulen bewerbe muß ich auch nichts zahlen.

    Wenn ich wiederum die Deutsche Staatsangehörigkeit habe und im Ausland meine Hochschulzulassung erlangt habe muß ich auch zahlen wenn ich mich für einen Bachelorstudiengang bewerben möchte.

    • Im aktuellen entwurf der SfS finde ich keine Formulierung, die Masterstudiengänge aus der Regelung ausnimmt.

Kommentar verfassen

Die Chance, ein Zeichen zu setzen

Seit Mitte Dezember dient eine FU-Turnhalle als Notunterkunft für Flüchtlinge. Dort herrschen menschenunwürdige Zustände. Statt tatenlos zuzusehen sollte die Uni ihnen helfen, findet Julian Jestadt.  » weiterlesen