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Von Demokratie und Hierarchie

Ohne die Wissenschaftlichen Mitarbeiter ginge an der Uni nicht viel. Trotzdem ist ihr Einfluss in den Gremien begrenzt – so müssen sie schon mal auf der Straße protestieren. Von Francis Laugstien

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter sind der akademische Mittelbau. Foto/Illu: Julian Daum/Robin Kowalewsky

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter sind der akademische Mittelbau. Foto/Illu: Julian Daum/Robin Kowalewsky

Ursula Stegelmann lehnt sich zurück und schüttelt ungläubig den Kopf. „Manchmal frage ich mich, wie ich das alles schaffe.“ Dann blickt sie aus dem Fenster und fängt an zu lachen – Probleme scheinen der Frau mit dem kleinen Büro nicht die Laune zu verderben. Am Osteuropa-Institut ist sie als Koordinatorin angestellt und schreibt ihre Dissertation. Sie gehört zur Gruppe der wissenschaftlichen Mitarbeiter. Für sie kandidiert Stegelmann auf der Gewerkschaftsliste „Ver.di“ bei den Wahlen zum Akademischen Senat (AS).

Als Glied zwischen Professoren und Studenten schultert der akademische Mittelbau einen Großteil der Lehre. Gleichzeitig übernimmt er zentrale Aufgaben in der Forschung. „Das ist ein schwieriger Spagat“ meint auch Jana Lüdtke, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Psychologie und Kandidatin der Liste „Wissenschaft und Zukunft.“

Doch wer heute als wissenschaftlicher Mitarbeiter einen Vertrag unterschreibt, muss nicht nur vertragliche Aufgaben erfüllen. Häufig fällt zusätzliche Arbeit an, die in einigen Fällen nicht einmal vergütet wird. „Das macht es sehr schwer, sich auf die eigentliche Tätigkeit und die eigene Qualifikation zu konzentrieren“, erklärt Lüdtke.

Die viele unbezahlte Arbeit ist aber nicht die einzige Baustelle. Christof Mauersberger und Lars Kastner von der anderen Gewerkschaftsliste „GEW Mittelbauinitiative“ stören sich auch an den schlechten Arbeitsverträgen. „Bei uns in der Mathematik sind alle, die ich kenne, nur noch befristet angestellt“, sagt Kastner. Wer eine Laufzeit von fünf Jahren ergattere, sei sehr gut bedient, sagt Mauersberger. Die meisten Verträge seien auf drei oder vier Jahre befristet. Teilweise gebe es sogar Laufzeiten von nur wenigen Monaten. „Das führt dazu, dass du überhaupt keine Möglichkeit mehr hast, dein Leben richtig zu planen.“

Politik der kleinen Schritte

Die Einflussmöglichkeiten der Statusgruppe sind begrenzt. Bei den Wahlen zum Akademischen Senat konkurrieren die drei Listen nur um vier der 25 Sitze. Wie die Gruppe der Studenten und der Sonstigen Mitarbeiter steht der Mittelbau im Schatten der professoralen Mehrheit. Kritische Begleitung ist da häufig das einzige Mittel.

Viele Angehörige der Statusgruppe sind unzufrieden mit der Arbeit in den Gremien. Zwar räumen die Vertreter ein, dass die Universität an gesetzliche Rahmenbedingungen gebunden ist. Trotzdem ist der Wunsch nach mehr Gestaltung nicht zu überhören. „Die Chance, die uns die Gremienarbeit bietet, wird nicht ausreichend genutzt“, findet Stegelmann. Die Diskussion fixiere sich häufig auf Dilemma-Beschreibungen, aus denen keine konstruktiven Maßnahmen folgen.

Geklagt wird auch über die Debattenkultur im AS. Zwar gebe es einen Dialog, sagt Mauersberger, der gehe aber nicht weit genug: „Es ist etwas anderes, nur mit den Leuten zu reden oder sie in Entscheidungsprozesse miteinzubeziehen.“ Auch Lüdtke ist der Meinung, dass die Zusammenarbeit zwischen dem AS und dem Präsidium verbessert werden sollte: „Es besteht seitens einiger AS-Mitglieder eine große Reserviertheit gegenüber dem Präsidium, genauso ist es umgekehrt.“

Trotz der Probleme scheint es den Kandidaten nicht an Motivation zu fehlen. Dass kritische Begleitung auch konkrete Formen annehmen kann, hat erst kürzlich die GEW gezeigt: Um auf ihre schlechten Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen, organisierte die Gewerkschaft im November den „Tag der Lehrbeauftragten.“ Zwar seien die Forderungen nicht umgesetzt worden, erklärt Mauersberger, trotzdem habe man auf die skandalösen Bedingungen aufmerksam machen können.

 

 

 

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