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Was ausländische FU-Bewerber erleben

Das Portal „uni-assist“ für ausländische Studienbewerber steht in der Kritik, doch die FU will an dem System festhalten. Welche Erfahrungen haben FU-Studierende mit „uni-assist“ gemacht?

Wer sich aus aller Welt an der FU bewirbt, hat mit Bürokratie zu kämpfen. Illustration: Luise Schricker

Wer sich aus aller Welt an der FU bewirbt, hat mit Bürokratie zu kämpfen. Illustration: Luise Schricker

Wenn sich ausländische Studierende an der Freien Universität bewerben wollen, kommen sie an „uni-assist“ nicht vorbei. Der Verein prüft die Unterlagen und ausländischen Zeugnisse der Bewerber. Das kostet aktuell 75 Euro für die Bewerbung für bis zu zwei Studiengänge. Jede weitere Bewerbung kostet 15 Euro. Hinzu kommen Kosten für Übersetzungen oder Beglaubigungen. Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der FU nennt das Verfahren„rassistisch“. Deutsche und ausländische Bewerber würden durch verschiedene Verfahren und Kosten nicht gleichbehandelt. Die Bearbeitung sei außerdem völlig intransparent.

Am Mittwoch wird im Akademischen Senat voraussichtlich beschlossen, weiter mit „uni-assist“ zusammenzuarbeiten. Studierende wollen dagegen protestieren. FURIOS hat Geschichten von FU-Studierenden zusammengetragen, die sich über „uni-assist“ bewerben mussten und dabei ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben.

 

Lior Shechori: „Ich hätte auf meine „uni-assist“-Erfahrung verzichten können“

FU-Studentin Lior Shechori. Foto: privat

FU-Studentin Lior Shechori. Foto: privat

2010 bin ich nach Berlin gezogen mit dem Ziel, Deutsch zu lernen und danach ein Studium in Deutschland aufzunehmen. Doch als es nach eineinhalb Jahren mit viel Mühe, Zeit, Geld und Deutsch-Kursen im Sommer 2012 soweit war, habe ich traurigerweise „uni-assist“ kennengelernt.

„Uni-assist“ wurde gegründet, „um die Zulassung internationaler Studieninteressierter einfacher, effizienter, kostengünstiger und vor allem kundenfreundlicher zu gestalten“. Schade, dass das Zulassungsverfahren über „uni-assist“ aber weder einfach, noch effizient und sicherlich nicht kundenfreundlich ist. Welche Unterlagen muss ich genau für die Bewerbung einschicken? Dazu gibt „uni-assist“ keine Auskunft. Stattdessen kommt es bei Fragen zu der von allen ausländischen Studierenden wohl sehr bekannten Antwort: „Bitte wenden Sie sich an die Hochschule Ihrer Wahl“.

Jede Universität verlangt unterschiedliche Dokumente und hat verschiedene Fristen. Bei der einen braucht man einen tabellarischen Lebenslauf, bei der anderen ein Motivationsschreiben. Bei der einen müssen die Ergebnisse eines Deutsch-Tests vor Ende der Bewerbungsfrist vorliegen, bei der anderen erst Anfang des Semesters.

Ich war noch nie in meinem Leben so verwirrt. Hunderte von E-Mails sowohl mit „uni-assist“, als auch mit den Universitäten meiner Wahl musste ich austauschen, um herauszufinden, welche Dokumente ich noch brauche. Und was ist daraus geworden? Mir fehlte doch noch ein Dokument für die Bewerbung. „Uni-assist“ hat mich erst nach dem Ende der Bewerbungsfrist darüber informiert und meine Bewerbung ist gescheitert. Zum Glück ist dies nur bei einer Universität passiert und ich bin an der FU zugelassen worden. Ich kenne aber auch Leute, bei denen es anders abgelaufen ist. Sie mussten ein Jahr warten.

Und was bezahlt man für diesen ausgezeichneten Service? 75 Euro für die erste Hochschule und 15 Euro für jede weitere. Was bezahlt ein deutscher Studieninteressierter? Ach ja, nichts. Das ist wirklich fragwürdig. Vor allem, wenn eigentlich alle die gleichen Unterlagen abgeben müssen, abgesehen vom Deutsch-Test.

Ich begrüße die Initiative „Uni-assist loswerden!“ und hoffe, der Akademische Senat erkennt, dass es eine reine Belastung für internationale Studieninteressierte ist und niemandem nützt. Ich bin jetzt im sechsten Semester, bin also mit dem Studium fast fertig. Ich habe es geliebt, in Berlin zu studieren. Aber auf meine „uni-assist“-Erfahrung hätte ich verzichten können.

 

weiter – Josta van Bockxmeer: „Die größeren Probleme gab es mit den Unis selbst“

 

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