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Die FU muss ihre Struktur für die kommenden zehn Jahre planen und dem Berliner Senat vorlegen. Präsident Alt will den eingeschlagenen Kurs halten. Kritikern zufolge hat das keine Zukunft. Von Alexandra Brzozowski

Viel Wirbel um das liebe Geld: der Strukturplan. Illustration: Julia Fabricius

Viel Wirbel um das liebe Geld: der Strukturplan. Illustration: Julia Fabricius

Wohin will die FU in den nächsten zehn Jahren? Präsident Peter-André Alt findet: So wie bisher könne es doch weitergehen. Die Uni sei in den vergangenen Jahren erfolgreich gewesen, immerhin sei sie zweimal zur Exzellenz-Uni gekürt worden. Der neue Strukturplan der FU, der den Weg in die Zukunft vorgeben soll, sei deshalb „im besten Sinn konservativ“.

Studierendenvertreter sehen das kritisch: „Mit dem neuen alten Strukturplan beglückwünscht sich erneut eine kleine Elite zu ihrem persönlichen Erfolg und ignoriert die Situation der Mehrheit der Universitätsmitglieder“, sagt Lasse Thiele, Referent des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta). Doch warum sorgt Alts Kurs für solchen Unmut? Alle zehn Jahre muss die FU dem Berliner Senat einen Strukturplan vorlegen. In diesem Jahr ist es wieder soweit – bis Juni müssen die Mitglieder des Akademischen Senats (AS) den neuen Plan verabschieden.

Dieser regelt die grundsätzliche Ausgestaltung von Forschung und Lehre an der FU und gibt vor, welche und wie viele Professuren es in Zukunft geben soll. Zudem legt er die finanzielle Ausstattung der Fächer und die Anzahl der Studienplätze fest. Keine leichte Aufgabe bei der notorisch knappen Kassenlage der Berliner Unis.

Stoff für Diskussionen wäre also genügend vorhanden. Doch die gab es nicht. Der jetzt veröffentlichte Entwurf wurde in den vergangenen zwei Jahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit entwickelt. Das habe der AS entschieden, ließ das Präsidium auf Anfrage mitteilen. Die Studierendenvertretung findet dafür keine schmeichelhaften Worte: „Das Strukturplanungsverfahren zeigt erneut, dass demokratische Selbstverwaltung an der FU wenig ernst genommen wird“, so Asta-Referentin Isa Schaller.

Das Präsidium sieht indes keinen Grund für Nörgelei. Konkret sehe der aktuelle Strukturplanentwurf keine Stellenkürzungen vor – zum ersten Mal seit 20 Jahren, betont Präsident Alt. Auch Streichungen von Fächern seien nicht vorgesehen. Für den Asta setzt der Plan aber die falschen Prioritäten: „Die problematische Unterfinanzierung der Lehre oder die prekären Arbeitsverhältnisse des akademischen Mittelbaus spielen hier anscheinend keine Rolle“, sagt Lasse Thiele. Außerdem sind die überfüllten Studiengänge den Studierenden ein Dorn im Auge.

Doch Kritik kommt nicht nur von Studierenden. Auch andere Uni-Mitglieder sind verärgert über die Einfallslosigkeit der Zukunftsplanung. „Der Strukturplan hat keine Vision“, moniert Gerald Haese, AS-Mitglied und Leiter des FU-Centers für digitale Systeme (CeDiS). „Da muss die Forderung nach mehr rein“, fordert Rainer Haag, Professor für Organische Chemie. Auch Mechthild Koreuber, die Frauenbeauftragte der FU, sparte auf einer AS-Sitzung nicht mit Kritik. Sie fürchtet, dass die Geschlechterforschung zunehmend aus den Ausrichtungen der Professuren verschwinde.

Obwohl Präsident Alt im Zusammenhang mit der aktuellen Strukturplanung vor allem auf vergangene Erfolge hinweist, stößt die Kritik nicht grundsätzlich auf taube Ohren. Dass bei einer Sicherung des Status Quo keine visionäre Zukunftsplanung möglich sei, erkennt auch er an. Auch gebe es Unklarheiten über eine Lücke in der Finanzierung der Uni, die zurzeit von Bundesmitteln gefüllt wird. Wenn die Berliner Universitäten mit dem Land 2018 neue Hochschulverträge aushandeln, müsse das Land seine Pflicht erfüllen und diese Lücke schließen. Für Alt ist der Strukturplan auch ein Signal an den Senat: Wenn ihn die Uni im Juni vorlege, werde ein Appell beiliegen, dafür eine Lösung zu finden.

 

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