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„Ein großes, saftiges Schnitzel“

Was gibt uns das Recht, andere Spezies aufzuessen? Nichts, findet Moralphilosoph und FU-Professor Bernd Ladwig. Trotzdem vermisst er als Veganer manchmal die Schnitzel seiner Kindheit. Von Melanie Böff

Moralphilosoph Bernd Ladwig setzt sich für Tierrechte ein. Foto: Milena Andrée.

Moralphilosoph Bernd Ladwig setzt sich für Tierrechte ein. Foto: Milena Andrée.

FURIOS: Die Moral soll wieder mit am Esstisch sitzen. Das fordern Sie zumindest als Moralphilosoph. Wie essen Sie privat, Herr Ladwig?

Bernd Ladwig: Ich bin wohl inkonsequenter Veganer. Zu Hause esse ich praktisch nur noch vegan. Auswärts versuche ich das auch, aber wenn nichts Veganes angeboten wird, weiche ich schon mal auf die vegetarische Variante aus.

Würden Sie Ihre Prinzipien verallgemeinern und sagen, wir dürfen Tiere generell nicht essen?

Ladwig: Wenn man die Möglichkeit hat, sich gesund und menschenwürdig zu ernähren, ohne Tiere zu essen, darf man sie nicht essen. Das gilt auch für Eier und Milch. Essen wir Tiere, so nutzen wir sie allein zu unseren trivialen Zwecken, ohne zu respektieren, dass auch Tieren grundlegende Rechte zustehen.

Was sollen das für Rechte sein? Etwa dieselben, die wir genießen?

Ladwig: Nein, sie brauchen Tierrechte, die auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind. Menschenrechte wie politische Wahlfreiheit ergeben bei Tieren keinen Sinn. Aber Tiere sind empfindungsf ähige Wesen genau wie wir. Dieselben moralischen Gedanken, aus denen wir uns Rechte ableiten, sprechen auch dafür, Tieren bestimmte Rechte zuzuge- stehen. Zum Beispiel das Recht auf körperliche Unversehrtheit oder freie Bewegung.

Für Fleischesser ist es vielerorts ziemlich ungemütlich geworden. In vielen Kreisen müssen sie sich für ihr Essverhalten rechtfertigen. Was sagen Sie dazu?

Ladwig: Dass man sich erklären muss, ist Ausdruck der Tatsache, dass wir moralische Verantwortung empfinden. Durch Fleischkonsum schädigen wir andere Lebewesen, das ist keine neutrale Sache.

Von solchen Positionen fühlen sich viele Fleischesser bevormundet. Sie haben Angst, etwas zu verlieren.

Ladwig: Na ja, erst einmal verlieren sie auch tatsächlich etwas. Ich will da gar nichts beschönigen. Aber ganz ehrlich, im Umgang mit Menschen verzichten wir auf tausend Dinge. Ich möchte ständig jemandem – ganz freimütig gesprochen – eine reinhauen, weil er sich vor mir im Straßenverkehr falsch verhält. Das darf ich auch nicht tun. Weil wir eben akzeptiert haben, dass wir einander die Anerkennung einer gewissen Würde schulden. Wir empfinden das in der Regel nicht als Verzicht, sondern als Selbstverständlichkeit. Darum geht es auch im Umgang mit Tieren: Wir müssen ändern, was wir als selbstverständlich ansehen.

Manchmal wird uns der Fleischverzicht aber auch aufgezwängt, zum Beispiel in der Veggiemensa. Was halten Sie von der?

Ladwig: Die finde ich super. Mit der Veggiemensa wurde ein relativ konsequenter Schritt gegangen. Mich wundert, wie einmalig er in Deutschland zu sein scheint. Universitäten sollten solche Vorstöße fördern. Gerade wir als Akademiker haben ganz andere Möglichkeiten, gründlich über Dinge nachzudenken und uns zu informieren.

Was braucht es, um Menschen dazu zu bringen, kein Fleisch mehr zu essen?

Ich bin überzeugt, dass Menschen aus rein moralischer Einsicht handeln können, weil sie verstehen, dass etwas falsch ist. Natürlich reicht die bloße Einsicht aber nicht immer aus. Ob sie auch ein verändertes Verhalten nach sich zieht, hängt von vielen Dingen ab: Wie reagiert das Umfeld? Besitzt Veganismus eine Art Coolness? Bodybuilder, die vegan essen, wirken wo- möglich ansprechender als das typische Bild des Müslifressers.

Hand aufs Herz: Vermissen Sie Fleisch?

Fast nie. Ganz selten mal ein Wiener Schnitzel. Das war die Leibspeise meiner Kindheit: so ein großes, saftiges Schnitzel. Aber es gibt auch fantastische vegane Schnitzel.

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