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Kuratoren auf Probe

Über Kunst schwadronieren ist einfach, sie erfolgreich ausstellen nicht. Selbst Kunsthistoriker lernen das nicht im Studium. Der studentische Kunstverein „Art van Demon“ will das ändern. Von Carlotta Voss

 

Illustration: Robin Kowalewsky

Illustration: Robin Kowalewsky

Es ist dunkel im Foyer des ehemaligen Stummfilmkinos Delphi in Weißensee. Schwere rote Gardinen sperren das Sonnenlicht aus. Putz blättert von den Wänden, es riecht ein wenig muffig nach altem Holz und dem Geist der goldenen 1920er-Jahre. Nun soll die nostalgische Atmosphäre den Rahmen für Neues bieten. Unter der Leitung von Studenten des Vereins „Art van Demon“ wird hier moderne Kunst entstehen.

Ursprünglich wurde der Verein, der regelmäßig Kunstausstellungen organisiert, von Studenten der Kunstgeschichte in Heidelberg gegründet. Victoria Eversmann war dort Mitglied und nahm die Idee mit, als sie für ihren Master in Kunstgeschichte nach Berlin zog. 2013 rief die FU-Studentin den Berliner Ableger der Heidelberger Initiative ins Leben. Mittlerweile besteht der Verein aus 15 Studenten der drei großen Berliner Universitäten. Sie sammeln hier praktische kuratorische Erfahrungen, die im Studium zu kurz kommen. Wie im freien Kunst-markt reicht die Arbeit von der Entwicklung eines Ausstellungkonzepts über die Inszenierung einzelner Werke bis hin zur Organisation der Vernissage.

Zusammen haben die Vereinsmitglieder bereits drei Ausstellungen organisiert. Derzeit laufen die Planungen für die nächste, die im September zu sehen sein wird. Ihr Thema: die Räumlichkeiten des Delphi. Das Stummfilmkino wurde 1929 als Teil der Filmstadt Weißensee gegründet. Seit seiner Schließung in den 1950er-Jahren war es schon Gemüselager, Poststelle und Orgelpräsentationsraum.

„Obwohl das Delphi als Ort so interessant ist, ist es in Berlin fast in Vergessenheit geraten“, erklärt Victoria. „Die Künstler sollen sich mit dem Raum des alten Kinos auseinandersetzen, architektonisch, funktional oder historisch.“

Am Beginn ihrer künstlerischen Arbeit steht die Ortsbegehung. Rund ein Dutzend Künstler sind dem Ruf von „Art van Demon“ an diesem Vormittag in die dämmrigen Gewölbe des Delphi gefolgt.

Sie schreiten die Zuschauerränge ab, zücken Kameras, inspizieren Kristallleuchter und den Orchestergraben. Rasch kommen erste Fragen auf: Kann der Vorführraum genutzt werden? Wie lassen sich die Lichtverhältnisse regulieren? Und vor allem: Welche Vorgaben macht der Denkmalschutz? Tatsächlich sind die Auflagen sehr streng. Selbst großen Regisseuren wie Quentin Tarantino wurde untersagt, die Abschlussszene von »Inglorious Basterds« im Kinosaal des Delphi zu drehen. „Wir dürfen nicht einen Nagel in die Wände schlagen. Wir können nur mit dem arbeiten, was bereits vorhanden ist. Das ist eine Herausforderung“, erklärt ein Vereinsmitglied.

Langsam entsteht aus dem Wechselspiel von Fragen und Antworten ein Raumkonzept. Die Zuschauerränge können zur Ausstellungsfläche werden, die Bühne eignet sich für Videoinstallationen – und vielleicht kann dahinter eine Skultpur aufgestellt werden.

Sind alle Projektideen eingereicht, steht den Studenten von „Art van Demon“ eine harte Auswahlarbeit bevor: Je nach Beschaffenheit der Werke bietet das Delphi etwa zehn Künstlern Platz, doch bisher sind schon mehr als doppelt so viele Bewerbungen eingegangen.

Wenn das Team sich auf die besten Arbeiten geeinigt hat, beginnt der eigentliche kuratorische Prozess: Die Inszenierung der Werke, in engem Zusammenspiel mit den Künstlern. Es ist dieser persönliche Kontakt, der die meisten der Studenten von „Art van Demon“ antreibt. So auch Victoria: „Die Menschen hinter der Kunst kennenzulernen, schafft eine ganz besondere Beziehung zu den Werken. Die Künstler nähern sich ihr von der praktischen, wir von der theoretischen Seite. Beides kommt am Ende in einem großen Ganzen zusammen.“

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