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Schwarzes Gold und sattes Grün

Ecuador ist ein Schlusslicht Südamerikas. Mit seinen Erdöl-Schätzen im Regenwald will das Land den Rückstand aufholen. Während manche Bürger auf Wohlstand hoffen, fürchten andere die Folgen. Von Friederike Oertel

Der Regenwald in Ecuador. Foto: Friederike Oertel

Der Regenwald in Ecuador. Foto: Friederike Oertel

Riesige Bäume mit ausladendem Blätterdach werfen ihre Schatten über die aufgereihten schlichten Holzhütten. Mitten im Amazonasbecken Ecuadors öffnet sich ein stilles Urwald-Universum: Allein die knapp drei Hektar Regenwald im Nationalpark Yasuní enthalten bereits mehr Baumarten als die USA und Kanada zusammen.

So reich die Natur ist, so arm ist das Land selbst: Hinsichtlich Lebensstandard und Infrastruktur bildet Ecuador eines der Schlusslichter Lateinamerikas. Die junge Studentin Maria kennt den täglichen Überlebenskampf. Die 26-Jährige ist selbst in einer mittellosen Familie aufgewachsen. Doch sie hatte die Chance, zu studieren. „Auch meine Kinder sollen diese Möglichkeit haben“, sagt sie. Für die junge Ingenieurin liegt die Zukunft Ecuadors in seiner Natur: „Nur die Nutzung der Ressourcen kann uns wirtschaftlichen Fortschritt sichern.“

Tatsächlich lagert im Nationalpark Yasuní unter der Erde schwarzes Gold in großen Mengen. Experten sprechen von schätzungsweise 900 Millionen Barrel Rohöl, das entspricht einem Wert von mehr als sieben Milliarden US-Dollar. Geld, das das Land gut gebrauchen könnte.

Das sehen nicht alle so. In der knapp 300 Kilometer entfernten Hauptstadt Quito steht der 22-jährige Umweltaktivist David inmitten von Demonstranten. Mit Trommeln und Transparenten protestieren sie gegen staatlich geplante Ölförderungen im Amazonasbecken.

„Die Naturschätze des Landes würden zerstört und indigene Völker ihres Lebensraumes beraubt“, begründet David seinen Widerstand. Die Hoffnung vieler, durch Rohstoffabbau die Entwicklungsprobleme des Landes zu überwinden, teilt er nicht. Er ist Verfechter der indigenen Philosophie des „buen vivir“, eines postmaterialistischen Lebens im Einklang mit der Natur.

Maria hält Menschen wie David für Romantiker. „Wir können nicht darauf hoffen, dass die unberührten Quellen auf magische Weise unsere Probleme lösen“, sagt sie energisch. Zuletzt hatte sich die Regierung auf eine Initiative von Umweltaktivisten hin einverstanden erklärt, die Ölvorräte unberührt zu lassen. Jedoch nur unter der Bedingung, dass die internationale Staatengemeinschaft das Land für die Hälfte der Verluste entschädigt. Doch Industrienationen wie die USA, Russland und Deutschland weigern sich zu zahlen.

Nun hat die Regierung beschlossen, zu roden. „Das ist doch eine Sackgasse“, stöhnt David enttäuscht. Bereits jetzt basiert Ecuadors Wirtschaft hauptsächlich auf dem Export von Erdöl. Und nun, da die Weltmarktpreise für Öl fallen, ist das Land mehr denn je auf Kredite externer Geldgeber angewiesen. China gewährt mittlerweile dem kleinen Andenstaat Gelder in Milliardenhöhe. „Die Chinesen handeln nicht aus Nächstenliebe „, mahnt David an. „Chinas Staatskonzerne sichern sich so die Rohstofflieferungen, die das Land in den nächsten Jahren für seine eigene Entwicklung braucht“.

Er fürchtet, dass sein Land in eine Abhängigkeit schlittern wird. Für David steht außer Frage, dass es Alternativen zur Erdölförderung gibt. Biolandbau, Ökotourismus oder kleinere Wasserkraftwerke könnten den armen Dörfern neue Perspektiven eröffnen. In Regierungskreisen hat jedoch die Marktlogik gesiegt.

Maria will nicht länger auf Krankenversicherung, Schulbildung und Fortschritt für ihr Land verzichten, während sich die Industriestaaten als maßgebliche Verursacher des Klimawandels der Verantwortung entziehen: „Ecuador hat einen Vorschlag zur gemeinsamen Rettung der Natur gemacht.“ Doch die Welt sei nicht bereit für einen tiefgreifenden Veränderungsprozess.

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